Stolpersteine
Die Aktion Stolpersteine [1] ist ein Kunstdenkmal des Künstlers Gunter Demnig, das seit den 1990er Jahren an die Opfer der Nationalsozialisten erinnert. Das Projekt hat keinen direkten Bezug zur unmittelbaren Nachkriegszeit, sondern wurde Jahrzehnte später initiiert, um die Erinnerung wachzuhalten [2]
Das Projekt dient dazu, den Opfern des NS-Regimes – darunter Juden, Sinti und Roma, politisch Verfolgte, Homosexuelle, Zeugen Jehovas und Euthanasieopfer – ihre Individualität zurückzugeben, die ihnen von den Nationalsozialisten genommen wurde. Gemäß dem jüdischen Talmud, dass ein Mensch erst vergessen ist, wenn sein Name vergessen ist, werden auf den kleinen Messingtafeln die Namen und Schicksale der Personen eingraviert.
Das Engagement der Neuapostolischen Kirche umfasst sowohl die Ehrung eigener Mitglieder als auch die allgemeine Unterstützung der Erinnerungskultur. Hier sind konkrete Beispiele:
Frida Dippon (Besigheim)
Frida Dippon war die Ehefrau eines neuapostolischen Gemeindevorstehers. Aufgrund einer psychischen Erkrankung wurde sie im Januar 1940 im Rahmen der NS-Euthanasie ("Aktion T4") in der Tötungsanstalt Grafeneck ermordet.
Besonderheit: Der Stolperstein wurde 2019 direkt vor dem Eingang der neuapostolischen Kirche in Besigheim (Ulrichstraße 3) verlegt, da sie dort gelebt und sich zu Hause gefühlt hatte.
Elsa Hammer (Friedrichshafen)
Am 9. September 2013 wurde ein Stolperstein für Elsa Hammer verlegt. Sie war eine jüdische Mitbürgerin (geboren 1884), die am Standort der heutigen Kirche gewohnt hatte.
Standort: Vor der Neuapostolischen Kirche in Friedrichshafen-Fischbach (Zeppelinstraße 275).
Luise Siegle (Stuttgart-Süd)
Im März 2022 wurde für Luise Siegle ein Stolperstein verlegt. Sie gehörte der NAK an und wurde ebenfalls Opfer der NS-Euthanasie (Ermordung 1941 in Hadamar).
Beteiligung: Die Verlegung wurde aktiv von der NAK Stuttgart-Leonberg begleitet und dokumentiert.
Stolperstein-Wege (Stuttgart)
In Stuttgart nehmen Vertreter der Kirchenleitung regelmäßig an Gedenkgängen teil. Im Juni 2021 besuchten Mitglieder und Amtsträger (darunter Apostel Jürgen Loy) einen neu angelegten Weg, der drei Stationen für neuapostolische Glaubensgeschwister beinhaltete (Klara Hübner, Hans Karl und Fanny Perlen, Josefine und Hermann Glück) [3].
Ziel: Das Gedenken an Mitglieder, denen durch das NS-Regime Unrecht geschah, und die Mahnung gegen Antisemitismus und Rassismus.
Stuttgart-Feuerbach
Bereits im November 2006 beteiligte sich die NAK an der ersten Stolperstein-Verlegung in Stuttgart-Feuerbach, um an ermordete Bürger des Stadtteils zu erinnern.
Engagement der NAK
Die Neuapostolische Kirche und ihre Gemeinden in Deutschland engagieren sich in der Erinnerungskultur und unterstützen das Projekt des Künstlers Gunter Demnig auf verschiedene Weisen:
Patenschaften: Lokale Gemeinden der NAK haben die Kosten für die Herstellung und Verlegung von Stolpersteinen übernommen, um an Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern.
Gedenken an Glaubensgeschwister: Die Kirche erinnert speziell an ihre eigenen Mitglieder, die während der NS-Zeit verfolgt oder ermordet wurden. Ein bekanntes Beispiel ist der Stolperstein für Frida Dippon in Besigheim, die im Rahmen des Euthanasieprogramms ermordet wurde. Dieser Stein wurde vor der örtlichen neuapostolischen Kirche verlegt.
Organisation und Teilnahme: Gemeinden organisieren oder nehmen an "Stolperstein-Wegen" und Verlegeaktionen teil, wie es beispielsweise im Kirchenbezirk Stuttgart/Leonberg oder in Stuttgart-Feuerbach der Fall war.
Dokumentation und Bewusstsein: Durch Berichte auf ihren offiziellen Kanälen (wie nac.today und lokalen Webseiten) trägt die NAK zur Sichtbarkeit des Projekts bei und fördert das Bewusstsein für die individuellen Schicksale der Opfer in ihren Gemeinden.
Dieses Engagement ist Teil der Aufarbeitung der eigenen Kirchengeschichte während der NS-Zeit und ein Zeichen der Wachsamkeit gegenüber Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus.
