Frida Dippon
Das Schicksal von Frida Dippon (1896-1940) und das damit verbundene Gedenken der neuapostolischen Kirche in Besigheim stellt sich so dar [1]:
Das Leben und Leiden von Frida Dippon
Frida Dippon wurde am 20. November 1896 als Frida Frey in Großsachsenheim geboren. Nach ihrer Hochzeit mit Ernst Dippon im Jahr 1918 lebte sie in Besigheim, wo das Paar zwei Söhne bekam. Ihr Ehemann war als Pförtner tätig und engagierte sich als Gemeindevorsteher in der Neuapostolischen Kirche Besigheim. Ab 1926 litt Frida Dippon unter psychischen Problemen und wurde zunächst in Tübingen behandelt, bevor sie 1927 in die staatliche Heilanstalt Weinsberg eingewiesen wurde.
Opfer der NS-Euthanasie „Aktion T4“
Nach dreizehn Jahren in der Anstalt Weinsberg wurde Frida Dippon am 25. Januar 1940 im Rahmen der nationalsozialistischen „Aktion T4“ deportiert. Sie gehörte zu einem Transport von 48 Frauen, die in die Tötungsanstalt Grafeneck gebracht und dort noch am selben Tag in einer Gaskammer ermordet wurden. Um das Verbrechen zu verschleiern, datierten die Behörden ihr offizielles Todesdatum fälschlicherweise auf den 20. Februar 1940.
Ein Stolperstein als Zeichen des Gedenkens
Am 1. Juli 2019 verlegte der Künstler Gunter Demnig einen Stolperstein für Frida Dippon direkt vor dem Eingang der neuapostolischen Kirche in der Ulrichstraße 3 in Besigheim. Dies war ihr letzter frei gewählter Wohnort, bevor sie in die Heilanstalten kam. Die Verlegung wurde von der Kirchengemeinde und einem Chor begleitet und dient heute als tägliche Mahnung zur Nächstenliebe und gegen das Vergessen.
Die Rolle der NAK in der Erinnerungskultur
Die Neuapostolische Kirche Süddeutschland unterstützt das Stolperstein-Projekt aktiv, um die Schicksale ihrer verfolgten Mitglieder sichtbar zu machen. Frida Dippons Stein ist einer von acht Gedenksteinen in Besigheim, die an Opfer der „Euthanasie-Morde“ erinnern.
Empfohlene Literatur
Karl-Peter Krauss: „Vom Altar nach Auschwitz: Neuapostolische Christen jüdischer Herkunft“, in: Karl-Peter Krauss: Inszenierte Loyalitäten? – Die Neuapostolische Kirche in der NS-Zeit, Berlin 2020, S. 229-360)
In diesem Kapitel beschäftigt sich Krauss mit Ernst Kaufmann (1876-1955), Harry Fränkel (1882-1942), Helene Wöhr (1915-1942), Simon Peritz (1884-1972), Simon Leinmann (1904-1990), Hermann Glück (1901-1969).
Karl-Peter Krauss: Dem Vergessen entrissen – Der „Ostjude“ Simon Leinmann und die Neuapostolische Kirche, Böhlau, 2024
