Ernst Kaufmann
Ernst Kaufmann (* 1876; † 3. Juni 1955) war ein deutscher Kaufmann jüdischer Herkunft, der durch die Unterstützung eines neuapostolischen Netzwerks der Deportation durch die Nationalsozialisten entging [1].
Leben und beruflicher Werdegang
Kaufmann absolvierte eine kaufmännische Lehre in Köln und diente im Ersten Weltkrieg. In der Nachkriegszeit etablierte er sich als erfolgreicher Textilunternehmer in Dortmund und Brambauer. Nach einer wirtschaftlichen Krise im Jahr 1925 wechselte er als Angestellter in den Vertrieb von Medizintechnik, wo er erneut zu erheblichem Wohlstand gelangte.
Verfolgung im Nationalsozialismus
Aufgrund seiner jüdischen Abstammung war Kaufmann ab 1933 massiver Repression ausgesetzt. Infolge der Nürnberger Gesetze verlor er 1936 seine Anstellung. Im selben Jahr wurde sein Privatvermögen durch die Gestapo unter dem Vorwand einer Hausdurchsuchung konfisziert. Da er in einer „privilegierten Mischehe“ mit einer nicht-jüdischen Frau lebte, blieb er zunächst von der Deportation in Vernichtungslagerverschont, war jedoch permanenter Ausgrenzung ausgesetzt.
Untertauchen und Rettungswiderstand
Als sich die Bedrohung im Herbst 1944 zuspitzte, entschied sich Kaufmann für das Leben im Untergrund. Zwischen September 1944 und April 1945 wurde er von einem Netzwerk aus mehreren neuapostolischen Familien in Dortmund und Lünen (u. a. Beyersdorf, Becker, Meier, John) versteckt. Diese Form der Zivilcourage, in der Fachliteratur als Rettungswiderstand bezeichnet, erfolgte unter Billigung der regionalen Kirchenleitung unter den Bezirksaposteln Hermann Dietrich Magney und Peter Kuhlen.
Nachkriegszeit
Kaufmann überlebte das NS-Regime körperlich unversehrt, blieb jedoch finanziell und gesundheitlich gezeichnet. Er verstarb 1955 im Alter von 78 Jahren, wenige Tage bevor ihm eine offizielle Entschädigung zugesprochen wurde. Sein Schicksal wird heute als Beispiel für konfessionell motivierte Hilfeleistung während des Holocaust rezipiert.
Literatur
Karl-Peter Krauss: „Ernst Kaufmann (1876-1955): Verborgene Heldinnen und Helden“, in: Karl-Peter Krauss: Inszenierte Loyalitäten? Die Neuapostolische Kirche in der NS-Zeit, S. 249-262.
