Entschlafenenwesen in apostolischen Glaubensgemeinschaften

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Das sogenannte Entschlafenenwesen ist eine Lehre und damit verbundene Praxis vieler apostolischer Gemeinschaften, dass die menschliche Seele auch nach dem Tod noch Heil empfangen kann. Das Entschlafenenwesen wird dort biblisch begründet und lehrt die Möglichkeit, dass auch bereits Verstorbene noch Heil finden oder Sündenvergebung empfangen können. Dabei wird vor allem die Gnade Jesu Christi betont, die eine Zustandsänderung einer Seele im Jenseits ermögliche. Die verschiedenen christlichen Institutionen (Sakramente, Wort Gottes, etc.) sollen daher auch Entschlafenen (Verstorbenen) in bestimmter Weise überreicht werden.

Grundlage des Entschlafenenwesens in der katholisch-apostolischen Lehre

Die katholisch-apostolischen Gemeinden kannten kein Entschlafenenwesen in Form von Sakramentsspendung für Entschlafene, wie diese bei anderen apostolischen Gemeinschaften üblich sind oder waren.

Die Gemeinschaften, die ein Entschlafenenwesen kennen, führen dies auch auf allgemein christlichen Handlungen für Verstorbene zurück, die auch in den katholisch-apostolischen Gemeinden Anwendung fanden. Bestimmte Grundlagen auf die das Entschlafenenwesen fußt, können auf katholisch-apostolische Grundlagen und Traditionen zurückzuführen sein.

Hier war es üblich in jeder Eucharistiefeier der entschlafenen Heiligen zu gedenken. Die Fürbitte bezog sich nur auf die im Glauben entschlafenen, nicht auf ungläubig Verstorbene.

Bei der apostolischen Handauflegung, der Versiegelung, wurde derer besonders gedacht, die "in diesen letzten Tagen die Versiegelung und Salbung des Heiligen Geistes empfangen haben und entschlafen sind". Am 14. Juli, dem Tag, an welchem man der Aussonderung der Apostel am 14. Juli 1835 gedachte, betete man insbesondere für die entschlafenen Apostel und Amtsbrüder, die "in diesen letzten Tagen" ausgesondert wurden.

Der Gedanke, dass das Gebet auch denjenigen helfen könne, die nicht versöhnt mit der Kirche verstarben, war jedoch scheinbar auch nicht unbekannt. 1867 veröffentlichte Apostel Francis Valentine Woodhouse zum Thema "Über das Gebet für Verstorbene" ein Rundschreiben, in dem er dieser Auffassung deutlich entgegen trat.

Die Meinung der englischen Apostel war jedoch nicht eindeutig. Apostel John Bate Cardale predigte 1859 "Betrachtung am Tage Allerheiligen":

"Und nicht nur jene, welche im Leibe mit uns gekämpft und gestritten haben, nicht nur jene, die mit uns die Salbung empfangen haben, welche in diesen letzten Tagen wiederum auf uns herabgeflossen ist von den Händen unsres Hohenpriesters im Himmel, des Gesalbten Gottes, sondern alle, die den Glauben angenommen und bewahrt haben, sollen ihr Los, ihren Platz gesichert finden. Die lebendigen Steine sollen schließlich in ihrer richtigen Stellung gefunden werden, gerade an der Stelle des lebendigen Tempels, die ihnen von Ewigkeit her bestimmt war. Unser liebreicher Heiland wird die Mittel finden, um allen und jedem, der aufrichtig an Ihn geglaubt und Ihn geliebt hat bis ans Ende, das zuteil werden zu lassen, was sie auf Erden zu empfangen versäumten, mögen selbst Unwissenheit, Torheit und Verkehrtheit, die ihrem Glauben wie Unkraut in einem Fruchtfelde beigemischt waren, die Ursache ihrer Versäumnis gewesen sein. Wenn sie nicht absichtlich und wissentlich den Geist der Gnade verworfen und geschmäht haben (und Gott allein steht es zu, jemanden wegen absichtlicher Verwerfung zu verdammen), so wird ihnen sicherlich alles, was ihnen auch gemangelt haben mag, aus Gottes unerschöpflichem Schatz ergänzt werden.


Wir können uns allerdings keine klare Vorstellung darüber machen, wie Gott dies tun wird, aber wir können ganz sicher sein, d a ß er es tun wird, und zwar mittels der Kirche. Alle, die Sein sind, wird Er vollenden, wobei Er sich der organischen Mittel bedient, d.h. jener Glieder des Leibes, welche Er durch Seinen eigenen Geist mit Eingebung und Kraft erfüllt, und die in dem Leibe zur Erreichung eben dieses Zieles gesetzt sind.

(...)

Wie ich schon bemerkt habe, wissen wir nicht, wie wir denen, die uns vorangegangen sind, helfen können oder wie sie uns helfen können. Zu sagen, daß wir ihnen durch unsre Gebete helfen, bringt uns nur an die Schwelle der Untersuchung; aber mehr ist uns nicht offenbart. (...) Und die, welche, solange sie in dem Leibe waren, Gottes Hand nicht unterschieden und Sein Werk nicht anerkannten, o wie werden sie sich sehnen, ihren Brüdern im Fleische zu helfen, sich der Macht des Heiligen Geistes hinzugeben, seiner letzten Machtwirkung, welche in den Herzen der Ungehorsamen ringen und wirken wird, sie zu bekehren zu der Weisheit der Gerechten!"

Entstehung des Entschlafenenwesens

Hauptartikel: Entschlafenenwesen in der Neuapostolischen Kirche

Erstmals eine besondere Bedeutung erhielt das Entschlafenenwesen für die Neuapostolische Kirche im Jahr 1874. Apostel Friedrich Wilhelm Schwarz führte damals mehrere Änderungen in Lehre und Liturgie ein, darunter auch die Sakramentspendung an Entschlafene, nachdem er lange Bibelsitzungen abgehalten hatte und über die Möglichkeit der Errettung eines todgeborenen Kindes von apostolischen Eltern nachdachte.

Zwar glaubte die junge apostolische Gemeinschaft (damals Allgemeine christliche apostolische Mission bzw.Apostolische Zending) schon vorher an Wirkung von Gebeten für Entschlafene, jedoch wurde die erste Sakramentspendung erst am Himmelfahrtstag 1874 für das o.g. Kind durchgeführt. Wenige Tage später kam in einem Gottesdienst eine sogenannte „Zungenrede“, deren Inhalt lautete, die Reformatoren Melanchthon, Calvin, Zwingli, Stilling, Da Costa und Harms mit seiner Frau seien an jenem Tage zuvor versiegelt worden.[1]

Insbesondere in der Apostolische Zending in den Niederlanden scheint sich darauf hin auch die Sakramentsspendungen an die Entschlafenen entwickelt zu haben. Da die meisten apostolischen Gemeinschaften ihre Wurzeln in der frühen neuapostolischen Bewegung haben, kennen auch sie eine Form des Entschlafenenwesens, die jedoch variiert und sich unterschiedlich entwickelt hat. Einige apostolische Gemeinschaften haben das Entschlafenenwesen abgeschafft.

Hersteld Apostolische Zendingkerk

Hersteld Apostolische Zendinggemeente

Die Hersteld Apostolische Zendinggemeente (HAZG) ist 1930 aus der Hersteld Apostolische Zendingkerk (HAZK) hervorgegangen. Wie ihre Ursprungsgemeinschaft kennt die HAZG auch ein Entschlafenenwesen. In den ersten Jahren scheint dieses jedoch nicht praktiziert worden zu sein. 1955 wurde auf Grund von Offenbarungen und Schriftstudien beschlossen, einen Gottesdienst abzuhalten, in dem sieben Gemeindemitglieder (Brüder)- stellvertretend für eine Grupe nicht namentlich bekannter entschlafener Personen- getauft und versiegelt werden sollten. Solche Gotesdienste fanden immer wieder statt, wenn prophetische Worte dazu aufriefen [2]

Katholiek Apostolische Kerk - van der Poorten

In der 1971 aus der Hersteld Apostolische Zendingkerk hervorgegangenen Katholiek Apostolische Kerk unter Apostel van der Poorten wurde trotz der Rückkehr zu katholisch-apostolischen Grundlagen der Glaube an die Möglichkeit des Heils auch nach dem Tod beibehalten. Hier wurden gelegentlich Versiegelungen von Entschlafenen durchgeführt.

Hersteld Apostolische Zendingkerk - stam Juda

Hersteld Apostolische Zendingkerk II

Neuapostolische Kirche

siehe Hauptartikel: Entschlafenenwesen in der Neuapostolischen Kirche

Old Apostolic Church

Apostolic Church of Queensland

Die Apostolic Church of Queensland scheint ein Entschlafenenwesen bzw. Entschlafenensakramente in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens, unter Apostel Heinrich Friedrich Niemeyer, gekannt zu haben. Diese wurden wohl durch Apostel Willy Niemeyer Anfang der 1920er abgeschafft. Seitdem gab es hier keine Praxis von besonderen Gottesdiensten, Gebeten oder Sakramentsspendungen mehr.

Vereinigung Apostolischer Gemeinschaften Europas

Die europäischen Gemeinschaften der VAG kennen keine Handlungen und Sakramente für Verstorbene bzw. lehnen diese sogar als unbiblisch ab. Die Entscheidung zur Abschaffung der früher üblichen Sakramente für Tote wurde bereits Ende der 1950er Jahre getroffen, denn es finden sich im 1959 herausgegebenen Lehrbuch für Apostolische Christen keine Aussagen zu einem Entschlafenenwesen. Am 16. März 1976 gab Apostel Peter Kuhlen in einem Rundschreiben an alle Amtsträger eine ausführliche vierseitige Begründung. Die wichtigsten Kernsätze waren:

  • Beim Lesen des gesamten Kapitels 1. Kor 15 ist sehr deutlich zu ersehen, dass in der Gemeinde zu Korinth viele nicht an die Auferstehung der Toten glaubten. Deshalb hat Apostel Paulus den Korinthern vorgehalten, wie widersinnig es doch sei, eine Taufe über den Toten vornehmen zu lassen, wenn sie doch nicht glaubten, dass es eine Auferstehung überhaupt gäbe.
  • Nach den Bibeltexten Math 18,18; Math 28, 19-20 und Joh 20, 21-23 liegt der Sendungsauftrag der Apostel nur auf der Erde.
  • Die Apostel der VAG haben sich vor vielen Jahren diesem Denken angeschlossen und sind nach ernsthaften Überlegungen zu dem Schluss gekommen, fortan nicht mehr in der früheren neuapostolischen Weise Totentaufe, Totenabendmahl und Totenversiegelung vorzunehmen.
  • Man will allerdings im sonntäglichen Gebet vor dem Abendmahl und insbesondere am Totensonntag Fürsprache einlegen für jene, welche die Erde verlassen haben, ohne Jesus kennenzulernen.

Apostolisch Genootschap

Die Apostolisch Genootschap kennt kein Entschlafenenwesen und glaubt auch tendenziell nicht an ein Leben nach dem Tod. Diese Entwicklung setzte jedoch bereits unter dem neuapostolischen Bezirksapostel Johannes Hendrik van Oosbree in der Hersteld Apostolische Zendinggemeente in de Eenheid der Apostelen (HAGEA) ein. In den 1930er Jahren veränderte sich hier das Sakramentsverständnis massiv (in Abweichung von der neuapostolischen Lehre). In diesem Rahmen wurde auch die Praxis der Entschlafenengottesdienste und der Sakramentsspendung ausgesetzt.

Twelve Apostles' Church in Christ

Das Entschlafenenwesen entspricht in den Grundzügen die Lehre der Neuapostolischen Kirche aus der Anfangszeit des 20. Jahrhunderts. Demzufolge gibt es in der TACC kein Heiliges Abendmahl für die Verstorbenen. Trotz der europäischen Herkunft dieser Lehre, bekommt diese im afrikanischen Raum eine besonders hohe Zustimmung. Der Grund liegt im bereits vorhandenen Ahnenkult, welcher durch das Entschlafenenwesen besonders unterstützt wird. Zwar gibt die TACC-Leitung bekannt, dass dieses nicht vermischt werden darf, doch heißt es in den Glaubensartikeln dazu: "We believe in the preaching to the dead and to the spirits..." Dies bedeutet, dass nicht nur den Toten, sondern auch den Geistern gepredigt wird.

In der Praxis werden an jedem Weihnachtsgottesdienst durch die Apostel die Sakramente der Heiligen Wasser- und Geistestaufe den Verstorbenen gespendet. Als Medium dienen ein Bischof und seine Ehefrau. Jeweils als Medium für die männlichen und für die weiblichen Verstorbenen.


Verweise

  1. Waechterstimme - zur Reformation der Neuapostolischen Kirche
  2. vgl. Diersmann, An ihren Früchten, S.38.f.