Prophet

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Gewand eines katholisch-apostolischen Propheten. Die Farbe des Amtscharakter war blau.

Der Prophet bezeichnet ein Amt innerhalb vieler apostolischer Glaubensgemeinschaften. In vielen apostolischen Glaubensgemeinschaften wurde das Amt des Propheten entweder abgeschafft oder es ist nicht besetzt. Der Prophet ist Teil der Lehre vom Vierfachen Amt.

Im Urchristentum

In der Apostelgeschichte erscheinen einzelne christliche Propheten, jedoch in weniger herausragenden Rollen – etwa Agabus, der Paulus seine Gefangennahme prophezeit.

Allerdings weisen diese Berichte und Briefnotizen auf eine gewisse „Alltäglichkeit“ der christlichen Prophetie hin. In 1Kor 12 wird z. B. die prophetische Rede (oder Weissagung) mit anderen Gaben oder Ämtern genannt (Vers 28). Im 14. Kapitel fordert Paulus die Gemeinde förmlich dazu auf, nach der prophetischen Rede als eine von Gott gegebene Geistesgabe zur Erbauung der Gemeinde zu trachten, und nennt sie der Zungenrede weit überlegen. Er schlägt sogar vor, wie viele Propheten höchstens in einer Zusammenkunft oder einem Gottesdienst aufstehen sollen.

In vielen weiteren NT-Stellen werden Prophetie und Propheten in solch alltäglichem Kontext dargestellt. Sie sind demnach ebenso konstitutiver Teil der Gemeinde wie Lehrer und Apostel. Gerade wegen der Entschränkung der Prophetie ist die Möglichkeit für prophetische Botschaften mit dem Abschluss des NT-Kanons jedoch keineswegs beendet, obschon eine inhaltliche Erweiterung der Botschaft meist wegen des hervorgehobenen Charakters der Botschaft Jesu und seiner Person abgelehnt wird.

Im NT wird das Kriterium für wahre Prophetie auf Wirkungen allgemein bezogen: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“ (Mt 7,15 EU). Die Unterscheidung der Geister von gut und böse ist wiederum nur dem möglich, der dazu Gottes Geist empfangen hat (1 Joh 4,1 EU).

Von der Bibelstelle Mt 7,15 EU (Hütet euch vor den falschen Propheten; sie kommen zu euch wie (harmlose) Schafe, in Wirklichkeit aber sind sie reißende Wölfe) kommt auch die Redewendung Wolf im Schafspelz.


katholisch-apostolische Gemeinden

Die katholisch-apostolischen Gemeinden waren die Propheten Bestandteil des vierfachen Amtes. In Anlehnung an die Symbolik des vierfachen Amtes ging man ab 1834 dazu über, Männer auch als Propheten zu ordinieren und sie den Aposteln beizuordnen. Man strebte an, dass in jeder Gemeinde die prophetische Gabe als Amt wirken sollte. Die Ordination erfolgte durch die Apostel.


Es gab Propheten in der Weihestufe des Priesteramts. Es wurde angestrebt, dass das Amt des Propheten sechsmal in einer Gemeinde vorhanden war.

Daneben gab es auch Propheten in der Weihestufe eines Engels. Höchstes Gremium waren die "Sieben Propheten des Konzils von Zion". Nach katholisch-apostolischer Auffassung stellte der Prophet das "Licht" und der Apostel das "Recht" dar - prophetische Aussagen mussten somit vom Apostel legitimiert werden. Ein Apostel durfte eine Prophetie verwerfen. Sämtliche Amtssträger in den katholisch-apostolischen Gemeinden wurden durch einen Propheten berufen, auch wurde ihm durch den Propheten ein Amtscharakter zugewiesen.

Im Laufe der Geschichte der katholisch-apostolischen Gemeinden kam es wiederholt zu Konflikten mit dem Prophetenamt.

Neuapostolische Kirche

Die Neuapostolische Kirche kannte das Amt des Propheten bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dort wurde zwischen zwei den Priester-Propheten und den Stamm-Propheten unterschieden. Gerade in der frühen Geschichte der Neuapostolischen Kirche spielten Propheten und prophetische Rufungen eine wichtige Rolle. Auch hier wurde die katholisch-apostolische Praxis weiter praktiziert, dass Amtsträger prophetisch gerufen und danach von einem Apostel ordniert wurden. Es kam im Laufe der Geschichte zu etlichen Konflikten mit dem Prophetenamt. Unter Krebs began man die Aufassung zu vertreten, dass das Prophetenamt im Apostelamt aufgegangen sei (sog. Lehre vom Neuen Licht). Dennoch waren bis 1905 noch Propheten vorhanden; hiernach began man das Amt nicht mehr zu besetzen. Letzter offiziell bezeichneter Prophet ist Ernst Schärtlein, der 1915 zum Propheten gerufen wurde. Lange noch tauchte jedoch das Prophetenamt im neuapostolischen Schrifttum auf.

Vereinigung Apostolischer Gemeinden

Die Gliedkirchen der VAG haben zwar das Prophetenamt nicht abgeschafft, jedoch scheint es dort in keiner Gemeinschaft besetzt zu sein.

Apostolische Gemeinde Wiesbaden

Das Prophetenamt spielte bei der Entstehung der Apostolischen Gemeinde Wiesbaden eine grosse Rolle. Nachdem sich diese Gemeinschaft gebildet hatte, führte man offiziell das Prophetenamt wieder ein. Auch in dieser Gemeinschaft kam es zu Konflikten mit dem Prophetenamt. Auch die aus der Apostolischen Gemeinde Wiesbaden hervorgegangenen Gemeinschaften kennen das Prophetenamt, haben es jedoch teilweise nicht besetzt.