Stamm Juda

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Der Stamm Juda bezeichnet sowohl einen Stamm der Zwölf Stämme Israels, als auch verschiedene geistliche Arbeitsgebiete in Glaubensgemeinschaften der apostolischen Bewegung.


Zwölf Stämme Israels


Ursprüngliche Bedeutung

Juda (hebr. יהודה Jehuda) ist in der hebräischen Bibel der Name eines der zwölf Stämme Israels. Namensgeber ist der vierte Sohn des Stammvaters Jakob und seiner ersten Frau Lea. Aus seinem Stammesgebiet ging um 933 v. Chr. das Königreich Juda, spätestens 520 v. Chr. die persische Provinz Jehud und um 100 v. Chr. die römische Provinz Judäa hervor. Von Juda leitet sich die Bezeichnung Juden ab.

Das Siedlungsgebiet Judas lag im Süden des historischen Palästina westlich des Toten Meeres südlich eines Querriegels kanaanäischer Stadtstaaten, die es vom Rest Israels trennten und damit seine Sonderentwicklung begünstigten. Es umfasste neben Jericho auch die spätere Hauptstadt Jerusalem und Betlehem, die Heimatstadt Davids. Sein kultischer Mittelpunkt war jedoch zunächst Hebron, in dessen Nachbarschaft Abraham seine Grabstätte fand: den Hain Mamre.

Die Abrahamerzählungen sind wahrscheinlich vom Stamm Juda tradiert worden. Juda soll es gewesen sein, der das Leben seines zweitjüngsten Bruders Josef rettete, indem er vorschlug, ihn nach Ägypten zu verkaufen (Gen 37, 26f).

Juda heiratete eine Kanaaniterin, die ihm drei Söhne gebar: Er, Onan und Schela. Seine Schwiegertochter Tamar verkleidete sich als Dirne und gebar ihm zwei weitere Söhne, Perez und Serach (Gen 38).

In Jos 15,1–12 EU werden die Grenzen des Stammesgebiets beschrieben: Sie beziehen Regionen wie das Philisterland in der westlichen Küstenebene und Gebiete weiter südlich lebender Nachbarstämme mit ein. Mit diesen Kalebitern, Otnielitern, Kenitern, Jerachmeelitern und Simeonitern schloss der Stamm Juda sich später zu einem großjudäischen Stämmebund zusammen (1 Sam 27,10). Daraus entstanden einige Sonderüberlieferungen von der Landnahme dieser Stämme (Ri 1,1ff; Jos 15,13ff ).

Der zweite gesamtisraelitische König David konnte an diese Entwicklung anknüpfen. Nach seinen außenpolitischen Erfolgen wurde er zunächst König über das „Haus Juda“ (2 Sam 2,4). Nachdem ihn auch die übrigen Nordstämme zu ihrem König erhoben, ließ er die Bundeslade, das mitziehende Heiligtum des Zwölfstämmebundes, nach Jerusalem überführen und den Tempelbau beginnen, den Davids Sohn Salomo vollendete. Nach dessen Tod zerfiel das junge Königreich in zwei Teile: Juda, das Südreich, war nun eine fast ununterbrochene Dynastie unter den Nachkommen Davids, während Israel, das Nordreich, die Gebiete der übrigen Stämme umfasste und häufiger wechselnde kurzlebige Dynastien ausbildete. Beide Reiche standen sich lange Zeit feindselig gegenüber und näherten sich erst unter dem Davididen Josaphat wieder an.

Seit etwa 750 v. Chr. geriet Juda unter die Vorherrschaft Assyriens und verlor um 597 v. Chr. durch Babylonien seine Eigenstaatlichkeit. Es wurde zweigeteilt; erst die Perser erhoben einen Rest Gesamtjudas zu einer Provinz mit eigenem Statthalter. In römischer Besatzungszeit wurden daraus die Provinzen Idumäa im Süden, Samaria im Norden (mit Teilen des alten Nordreichs) und Judäa um Jerusalem.

Hervorgehobene Stellung

Eine besondere Bedeutung hat der Stamm Juda aus Sicht des Christentums, da aus ihm Jesus, der Löwe aus Juda (Offb 5,5) gekommen ist. Mit Jesus ist im neuen Testament das Priestertum vom Stamm Levi auf den Stamm Juda übergegangen (Hebr 7).

Der Anspruch der hervorgehobenen Stellung Judas spielte auch in der apostolischen Geschichte eine Rolle. So wurde dem Stamm England in der KAG eine hervorgehobene Rolle eingeräumt. Auch die neuapostolische Bewegung unter Apostel Schwarz kennt den Ansatz, dass Juda eine besondere Rolle unter den geistlichen Stämmen spielt. So wird dem Stamm Juda in den Jahren 1863-95 eine besondere Rolle eingeräumt. Diese besondere Rolle dürfte auch eine der Streitmotive bei der Spaltung in den Niederlanden 1897 gespielt haben. Für van Bemmel war es als Apostel des Stammes Juda daher völlig gegen sein Selbstverständnis sich der Autorität eines anderen Apostels, Friedrich Krebs aus dem Stamm Ephraim, unterzuordnen.

Die Rolle von Juda spielte auch bei der Spaltung der Hersteld Apostolische Zendingkerk 1969-71 eine Rolle. Ähnliche Ansätze finden sich auch bei den internen Spaltungen der Apostolischen Gemeinde Wiesbaden.

Theologische Deutung des Namens Juda

Bedeutung in der Katholisch-apostolischen Gemeinde (KAG)

In der katholisch- apostolischen Gemeinde wurde 1836 der Stamm Juda mit England mit Nordamerika als Vorstadt bezeichnet und dem Apostel John Bate Cardale zugeteilt.

Bedeutung in der Allgemeinen christlichen apostolischen Mission (AcaM) und späteren Apostolischen Gemeinde

In der Allgemeine christliche apostolische Mission) wurden 1863 zunächst das zwölffache Apostelamt mit weiteren Apostelrufungen aufgefüllt, um die sechs bereits verstorbenen Apostel der KAG zu ersetzen. Aus diesem Grunde wurden den neu gerufenen Aposteln ebenfalls Stämme des Alten Testamentes beigeordnet. Diese waren aber mit der Geographie der KAG nicht identisch. Der KAG-Apostel von Juda, John Bate Cardale Tudor, war 1863 noch nicht verstorben.

Während in den KAG Juda vor allem England umfasste, wurde es in der AcaM und der späteren Apostolischen Gemeinde als Niederlande und Belgien gedeutet ("westlich der Weser"). Es scheint jedoch auch England mit zu Juda gerechnet worden zu sein, da später Allihn dort versuchte tätig zu werden.

Friedrich Wilhelm Schwarz wurde am Pfingstmontag, dem 25. Mai 1863, durch eine Weissagung aus der Gemeinde in Hamburg dann zum zweiten Apostel in der AcaM gerufen, und ihm wurden als Arbeitsgebiet die Niederlande zugewiesen, um auch dort Gemeinden zu gründen. Dieses Gebiet wurde als „Stamm Juda“ bezeichnet, welcher nach katholisch-apostolischer Tradition England bezeichnete. Es sollte somit ausgedrückt werden, dass eine neue Periode angebrochen war. Schwarz argumentierte jedoch kein neues Werk zu beginnen, sondern das alte fortzuführen.

Der Stamm Juda nannte sich zunächst Apostolische Zending, dann Hersteld Apostolische Zendingskerk. 1895 übernahm kurzzeitig Apostel Friedrich Krebs die Leitung des Stamms. 1897 wurde Martinus van Bemmel zum Apostel für Juda gerufen. Auf Grund von Streitigkeiten erklärte Friedrich Krebs van Bemmel für abgesetzt in der Folge kam es zu einer Spaltung in den Zweig Hersteld Apostolische Zendingkerk (van Bemmel) und Hersteld Apostolische Zendinggemeente in de Eeinheid der Apostelen (Kofmann/Krebs). 1898 erfolgte die Berufung für den ausgeschlossenen Apostel van Bemmel im Stamm Juda - Niederlande (Apostel Jakob Kofmann). Die Bezeichnung Juda ebte in der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts ab und verschwand schließlich.


Versuch der geographischen Abgrenzung

Während in den KAG Juda vor allem England umfasste, wurde es in der AcaM und der späteren Apostolischen Gemeinde als Niederlande und Belgien gedeutet ("westlich der Weser"). Es scheint jedoch auch England mit zu Juda gerechnet worden zu sein, da später Allihn dort versuchte tätig zu werden. Auch Teile Westdeutschlands scheinen anfänglich mit zu Juda gerechnet worden zu sein. Aus diesem Grund ist auch die Mission der Apostolischen Zending im Rheinland (Duisburg) und in Bielefeld zu erlären.


Erbe

Aus dem Stamm Juda entstand durch Umbenennung der Apostelbezirk Holland und hieraus die heutigen Gebietskirche Niederlande. Bis 1872 gehörte auch das Gebiet des heutigen Nordrhein-Westfalen zum Stamm Juda.

Bedeutung in Hersteld Apostolische Zendingkerk und Nachfolger

In der HAZK galt und gilt die Bezeichnung Juda nach wie vor für die Niederlande. Die Rolle Judas gegenüber den anderen Stämmen spielte sowohl bei der Spaltung 1897, als auch bei den Spaltungen 1969 bis 1971 eine Rolle. Die HAZK nach 1971 nennt sich in Abgrenzung zur sogenannten Hersteld Apostolische Zendingkerk II deshalb Hersteld Apostolische Zendingkerk- stam Juda.

Bedeutung in der Apostolischen Gemeinde Wiesbaden und Nachfolger

Literatur

  • In der Welt, aber nicht von der Welt, Die Gotteskinder der Neuapostolischen Kirche, Horst Hartmann, Libri Books on Demand, 2000

Weblinks