Zwölf Stämme Israels

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Die Zwölf Stämme Israels bilden nach dem Tanach, der hebräischen Bibel, zusammen das von JHWH erwählte Volk Israel, die Israeliten. In der Geschichte der apostolischen Bewegung wurden oftmals die Arbeitsbereiche der Apostel nach einem Stamm der Zwölf Stämme benannt. Jedes Gebiet bildete einen geistlichen Stamm. Hierdurch sollte zum Ausdruck gebracht werden, dass sie alle zusammen das erwählte Volk der Gegenwart, das geistige neue Israel bilden.

Zwölf Stämme Israels


Bibel

Die in der Bibel überlieferten Ahnentafeln und Stämmelisten unterscheiden Anordnung, Zahl und Namen der Stämme, halten aber die übergeordnete Zwölfzahl fest. Eine Liste der zwölf Jakobsöhne erscheint im 1. Buch Mose dreimal:

Gen 29,31-30,24: Leas Söhne: Ruben, Simeon, Levi, Juda. Bilhas Söhne: Dan, Naftali. Silpas Söhne: Gad, Ascher. Leas Söhne: Issaschar, Sebulon (Tochter Dina). Rahels Sohn: Josef. Ihre Bitte um einen weiteren Sohn wird etwas später mit der Geburt Benjamins erhört (Gen 35,18). Gen 35,23-26: Leas Söhne: Ruben, Simeon, Levi, Juda, Issaschar, Sebulon. Rahels Söhne: Josef, Benjamin. Bilhas Söhne: Dan, Naftali. Silpas Söhne: Gad, Ascher (=1. Chron 2,1f). Die Namen der Stämme sind hier nach Stammesmüttern gruppiert, chronologisch bzw. nach Status ihrer Mutter (Jakobs erster Frau, zweiter Frau, deren Mägden als „Leihmüttern“). Ruben, Simeon, Levi und Juda stehen in beiden Auflistungen an erster Stelle und bildeten offenbar mit den übrigen Söhnen der Lea eine Einheit.

Gen 49,1-27: Jakob segnet vor seinem Tod jeden seiner Söhne: Ruben, Simeon, Levi, Juda, Sebulon, Issaschar, Dan, Gad, Ascher, Naftali, Josef und Benjamin. Man erfährt einiges über ihre Besonderheiten, ihr Stammesgebiet und ihr künftiges Schicksal. Simeon und Levi wird eine Zerstreuung angekündet, was auf späteres Fehlen eines eigenen Stammesgebietes hinweist. Juda erhält bereits die Ankündigung eines Herrschers: ein Hinweis auf das Königreich Juda und die dort aufgekommene Messiaserwartung. Dort ist dieser Text vermutlich entstanden.

Num 26,4-51: Zum Abschluss der Wüstenwanderung werden die direkten Nachkommen jedes der zwölf Söhne aufgelistet: Ruben, Simeon, Gad, Juda, Issaschar, Sebulon, Josef – aufgeteilt auf seine beiden Söhne Manasse und Efraim – Benjamin, Dan, Ascher, Naftali. Die Leviten sind hier zwar ebenfalls genannt, aber getrennt von den eigentlichen „Kindern Israels“. Dies wird damit begründet, dass sie kein eigenes Land erhielten und daher nicht zu den festen Bewohnern Israels zählten. Sie erhielten den Auftrag, als Priestergeschlecht für alle übrigen Stämme da zu sein. Nach der Landverteilung, die das Buch Josua in Jos 14-19 EU beschreibt, erhielt der Stamm Levi daher Wohnstädte innerhalb der übrigen Stammesgebiete (Jos 21).

Offenbar wurde in dieser späteren Version die Notwendigkeit empfunden, die Zwölfzahl nach dem Wegfall Levis aufrechtzuerhalten: Darum wurde der Stamm Josef in die Stämme Manasse und Efraim aufgeteilt. Zugleich rückte Gad an Levis Stelle, so dass auch die Anzahl der Söhne Leas sechs blieb. Daher hielt Martin Noth die Versionen, die Levi als eigenen Stamm an dritter Stelle nennen, für älter als die, in denen er fehlt. Die feste Reihung der sechs Söhne Leas erklärte er aus einer frühen Stammeseinheit, noch bevor die übrigen Stämme in das Siedlungsgebiet Israels einrückten.

Keine der Stämmelisten bildete demnach einen bestimmten, aus den Überlieferungen der Stämme bekannten historischen Siedlungszustand ab. Die drei erstgenannten Stammesgebiete waren laut Noth schon zu der Zeit, als spätere Stämme wie Josef und Benjamin hinzukamen, in größeren Einheiten aufgegangen; ihre Namen wurden gleichwohl festgehalten.

Die Zwölfzahl war vermutlich jedoch nicht ursprünglich. Das Deborahlied (Ri 5), das als einer der ältesten Bestandteile des Pentateuch gilt, nennt nur zehn Stammesgebiete: Efraim, Benjamin, Machir (= Manasse), Sebulon, Issaschar, Ruben, Gelead (=Gad?), Dan, Ascher und Naftali. Es fehlen Juda und Simeon, deren Siedlungsgebiet später das Südreich Juda bildete, sowie Levi, von dem sich die Priester Israels herleiten. Es handelt sich also vermutlich um eine Tradition des Nordreichs Israel.

Apostolische Bewegung

In der Apostolischen Bewegung wird die Einteilung insbesondere auf dem Hintergrund von Johannesoffenbarung, 7, 1-8, erklärlich. Dort heisst es

1 Danach sah ich vier Engel, die an den vier Ecken der Erde standen und die vier Winde der Erde zurückhielten, denn noch sollte kein Wind über die Erde, das Meer oder irgendeinen Baum hereinbrechen. 2 Und ich sah einen anderen Engel vom Aufgang der Sonne heraufkommen, der hatte das Siegel des lebendigen Gottes, und er rief mit lauter Stimme den vier Engeln zu, denen es gegeben war, die Erde und das Meer zu beschädigen: 3 Beschädigt weder die Erde noch das Meer noch die Bäume, denn erst müssen wir die, die unserem Gott dienen, mit einem Siegel auf ihren Stirnen kennzeichnen. 4 Und ich hörte die Zahl derer, die mit dem Siegel gekennzeichnet wurden: Es waren hundertvierundvierzigtausend Versiegelte aus allen Stämmen der Söhne Israels: 5 aus dem Stamm Juda zwölftausend, aus dem Stamm Ruben zwölftausend, aus dem Stamm Gad zwölftausend, 6 aus dem Stamm Asser zwölftausend, aus dem Stamm Naftali zwölftausend, aus dem Stamm Manasse zwölftausend, 7 aus dem Stamm Simeon zwölftausend, aus dem Stamm Levi zwölftausend, aus dem Stamm Isaschar zwölftausend, 8 aus dem Stamm Sebulon zwölftausend, aus dem Stamm Joseph zwölftausend und aus dem Stamm Benjamin zwölftausend Versiegelte.

Der „andere Engel“ wurde als Symbol für die gemeinsame Wirksamkeit der Apostel als ein Werk inmitten der Christenheit, gedeutet. Dieses Werk muss wie das der vier Engel ebenfalls von menschlichen Boten Gottes ausgeführt werdeb, aber von den Aufgaben der zu Beginn des Abschnitts erwähnten vier Engel unterschieden werden. Der andere Engel bezeichne somit Boten, die Christus vor seinem zweiten Kommen aussendet und mit der Vollmacht ausstattet, die Diener Gottes mit einem Siegel auf ihren Stirnen zu kennzeichnen (Versiegelungsengel). Bei diesem Siegel handelt es sich um ein Kennzeichen, das den Empfänger nicht allein als Eigentum Gottes ausweist, sondern ihn auch vor den folgenden Gerichten, die im Verlauf des siebten Siegels über die Christenheit hereinbrechen, bewahrt. Hiermit wird ab 1847 die Heilige Versiegelung gedeutet.

Die Anzahl der Versiegelten beträgt hundertvierundvierzigtausend, d.h. zwölf mal zwölftausend aus allen Stämmen der Söhne Israels, die in den Versen 5-8 namentlich aufgezählt werden. Die Einteilung des Alten Bundesvolkes in zwölf Stämme hat demnach auch für das Volk des Neuen Bundes eine Bedeutung. Es geht um die symbolische Repräsentation einer besonderen Auswahl - nämlich der "Erstlinge" der "großen Ernte Gottes" - aus dem ganzen geistlichen Israel, das wie das leibliche aus zwölf "Stämmen" besteht.

Bedeutung in der Katholisch-apostolischen Gemeinde (KAG)

1836 erklärte Apostel Henry Drummond aufgrund einer Prophezeiung, dass den Aposteln die Stämme Israels anvertraut würden. Jeder Apostel wurde daraufhin einem der 12 Stämme zugeordnet und erhielt ein Arbeitsgebiet. Die Aufteilung findet sich vielfach in der Literatur, wurde jedoch nie genau definiert und nie festgeschrieben.

Aufgrund ihrer Zuordnung zu den Stämmen wurden die Apostel auch als „Stammapostel“ bezeichnet. Dieses Amt bezeichnete hier die Führungsgewalt über einen der sogenannten "12 Stämme Israels", wobei mit "Stamm" jeweils eine bestimmte Weltregion bezeichnet wurde.


Bedeutung in der Allgemeinen christlichen apostolischen Mission (AcaM), der Apostolischen Gemeinde und Apostolischen Zending (AZ)

Nach der Trennung der Hamburger Gemeinde (nun: Allgemeine christliche apostolische Mission) von den Katholisch-apostolischen Gemeinden (KAG) wurde 1863 zunächst das zwölffache Apostelamt mit weiteren Apostelrufungen aufgefüllt, um die sechs bereits verstorbenen Apostel der KAG zu ersetzen. Aus diesem Grunde wurden den neu gerufenen Aposteln ebenfalls Stämme des Alten Testamentes beigeordnet. Diese waren aber mit der Geographie der KAG nicht identisch.

(Der Stamm Ephraim umfasste tatsächlich die Gemeinden in Hamburg und im Harz)


Bedeutung in der Neuapostolischen Gemeinde und Neuapostolische Kirche

Einige Zeit nach dem Tod des Apostels Schwarz wurde durch Apostel Krebs das Prinzip des zwölffachen Apostelamtes und die Zuordnung der Stämme des Alten Testamentes zu den Aposteln aufgegeben. Am 12.Juni 1898 erfolgte zudem für Jakob Kofmann in Amsterdam die nachweislich letzte Apostelberufung durch Prophetenmund. In den weiteren Jahren wurde ferner das Kollegialitätsprinzip unter den Apostel abgeschafft, die fortan nicht mehr für die Stämme des geistlichen Israel sondern für Apostelbezirke eingesetzt wurden. Der Begriff des Stammapostels wurde umgedeutet. Das Wort Stamm erhielt nun die Bedeutung als Baumstamm dessen starke Äste die Apostel bildeten. Der Stamm selbst stellt nun den Hauptapostel, den sogenannten „Stammapostel“ dar.

Jedoch überlebten einige Begriffe aus dieser Zeit noch bis in die Gegenwart. Etliche, zumeist europäische Gebietskirchen, gehen auf einen geistlichen Stamm aus der Zeit 1863-1905, zurück. Auch in der apostolischen Kultur ist eine gewisse "Stammesverwandtschaft" nach wievor vorhanden.

Kurioserweise taucht die Stammesbezeichnung Sebulon jedoch noch kurzeitig in den 1950er Jahren auf.

Bedeutung in der Hersteld Apostolische Zendingkerk und Nachfolger

Bedeutung in der Apostolischen Gemeinde Wiesbaden und Nachfolger

Apostolische Gemeinschaften, ohne Stammeszuordnung

Literatur

  • In der Welt, aber nicht von der Welt, Die Gotteskinder der Neuapostolischen Kirche, Horst Hartmann, Libri Books on Demand, 2000

Weblinks