Johann Evangelist Georg Lutz

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Johann Evangelist Georg Lutz (oft: Johann E.G. Lutz oder Johann Georg Lutz)(* 12. März 1801 im bayerischen Burg; + 9. Juli 1882 in Esslingen), war ein katholischer, evangelischer und katholisch-apostolischer Geistlicher. Er spielte eine entscheidende Rolle für die Entstehung der apostolischen Bewegung im allgemeinen und der katholisch-apostolischen Gemeinden in Deutschland.

Johann Evangelist Georg Lutz

Biographie

Herkunft und Ausbildung

Johann Georg Lutz stammte aus ärmlichen Verhältnissen. Jedoch wurde ihm durch Förderung durch einen Verwandten Ausbildung und das Theologiestudium ermöglicht. Er hielt seine Ausbildung auf dem Gymnasium und in dem damals unter der Leitung von Dr. Johann Balthasar Gerhauser stehenden Seminar zu Dillingen. Einige seiner Lehrer waren Geistesverwandte von Johann Michael Sailer, und dieser übte durch seine Schriften und durch persönliche Kontakte einen bedeutenden Einfluß auf ihn aus. Am 7. Juni 1823 fand seine Priesterweihe statt, anschliessend wirkte er als Vikar in Grimoldsried bei Schwabmünchen.

Ankunft in Karlshuld

Im August 1826 wurde Lutz Pfarrer in Karlshuld, einer Armensiedlung im Donaumoos. Das ihm zugewiesene Haus war schon so tief im moorigen Untergrund versunken, dass Lutz den Fußboden etwa dreißig Zentimeter tief ausheben musste, um aufrecht in seiner Wohnung stehen zu können. Die ersten Gottesdienste hielt Lutz unter freiem Himmel, denn das Holzgebäude welches als Kirche diente, war baufällig.

Tätigkeit in Karlshuld

In seiner bescheidenen und hilfsbereiten Art gelang es dem unermüdlichen Lutz, die Menschen allmählich mit dem Evangelium vertraut zu machen, sie dafür zu begeistern. Durch seine Predigttätigkeit erreichte er bei vielen der Gemeindemitglieder einen Sinneswandel. Als der Wunsch in seiner Gemeinde laut wurde, Gottes Wort zu Hause nachlesen zu können, schenkte der junge Pfarrer jeder Familie ein Neues Testament. Für seine Pfarre Karlshuld entwickelte er auch sonst ein starkes soziales Engagement. Er entwickelte Beschäftigungsmodelle und organisierte Spendenaktionen und gewann schnell die Herzen der notleidenden Bevölkerung. Neben seiner intensiven Seelsorgearbeit an seiner Gemeinde richtete er auch ein Sozialwerk ein, mit dessen Einnahmen er die unvorstellbare materielle Not in Karlshuld in den Jahren 1829/30 linderte, die durch schwere Unwetter, Überflutung des Donaumooses und der Vernichtung des größten Teils der Ernte verschärft worden war.

Auch wird berichtet, dass Pfarrer Lutz von seinen Einkünften Nahrungsmittel für die Schulkinder kaufte, Spendenaufrufe schrieb, Berichte über die soziale Not in seiner Pfarrei verfasste, Bilder, malte, welche das Elend im Donaumoos zeigten und deren Verkaufserlöse seinem Unterstützungsfond zuflossen. Um die Not wirksam zu bekämpfen, kaufte Lutz für seine Gemeindemitglieder Kühe, damit die Familien sich selbst mit Milch, Butter und Käse versorgen konnten und ihnen damit eine gewisse Grundversorgung gesichert war. Die bei der Überflutung des Donaumooses durch das Hochwasser um 1829 zerstörten Häuser und Scheunen konnten mit den Geldern, die durch Lutz Spendenaufrufe aus vielen Teilen Bayerns eingingen, wieder aufgebaut werden. Für seinen Einsatz bei der Verbesserung der sozialen Verhältnisse in Karlshuld wurde Lutz vom bayrischen König mit dem "goldenen Civil- Verdienst-Ehrenzeichen" ausgezeichnet.

Probleme mit der Amtskirche

Lutz, mittlerweile sehr angesehen in seiner Gemeinde und darüber hinaus, bekam ab 1830 Probleme mit der Amtskirche: Lutz mehrfach wegen "mystizistischer Abweichungen" von der Lehre der katholischen Kirche vor das Augsburger Ordinariat geladen, gab aber befriedigende Erklärungen ab und wurde nur ermahnt, fortan alles Ungewöhnliche und Aufsehenserregende zu vermeiden, und unter die Aufsicht eines benachbarten Pfarrers gestellt. Im Vorfeld hierzu hatte er die Schriften von Martin Boos studiert. Wahre Ursache waren jedoch die Vorfälle, welche sich ab 1828 in seiner Pfarrei ereignet hatten.

(zu den Ereignissen in Karlshuld siehe: Artikel Karlshuld)

Ab diesem Zeitraum traten Weissagungen durch Gemeindemitglieder vor - und Lutz lies diese nach anfänglichem zögern zu und untersagte diese nicht. Auch teilte er diese Vorfälle seinem Bischof mit, der ihm auch dazu riet, diese zuzulassen, da man nicht wisse, ob sie nicht wirklich von Gott kommen. Jedoch wurde Lutz Verhältnis zur Amtskirche immer angespannter. Die Probleme mit dem bischöflichen Ordinariat in Augsburg nahmen immer zu nachdem er nicht genehmigte, besondere Andachtsstunden, wohl im Zusammenhang mit den Geistesgaben, gehalten hatte) Als er im Oktober 1831 auf eine Pfarrei in der Münchener Diözese versetzt werden sollte, weigerte er sich Karlshuld zu verlassen und trat 1831 mit einem Großteil seiner Gemeinde (rund 700 Gemeindemitglieder) aus der römisch-katholischen Kirche aus - was für die damalige Zeit einen Skandal darstellte. Einige Quellen behaupten,er hätte daraufhin versucht eine apostolische Gemeinde zu gründen - dieser Aussage muss jedoch widersprochen werden, da Lutz erst 1842 mit der katholisch-apostolischen Bewegung in Kontakt kam. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass Lutz eine Art "freie Gemeinde" etablieren wollte. Dies wurde von der bayrischen Landesregierung verboten, daher trat er im Februar 1832 zum evangelischen Glauben über. Er hoffte nun in Karlshuld bleiben zu können und weiterhin die Gottesdienste im "altchristlichen" (also eher katholischen) Ritus halten zu können. Auch das protestantische Oberkonsistorium hielt seine Entfernung aus Karlshuld notwendig und ernannte ihn zum Pfarrverweser in Wassertrudingen. Schon bald sah er sich von der evangelischen Kirche getäuscht und bezeichnete schon ab Juni 1832, dass er seinen Übertritt als eine Übereilung bereue, und bat um Wiederaufnahme in die katholische Kirche. Dieser Bitte wurde entsprochen und er wurde nach Widerruf und Ablegung des tridentinischen Glaubensbekenntnisses am 16. November 1832 wieder in die Katholische Kirche aufgenommen. Er bewog auch den größten Teil seiner mit ihm evangelsich gewordenen Gemeindemitglieder seinem Schritt zu folgen und wieder in die katholische Kirche zurück zu kehren. 1834 wurde Lutz dann aus Karlshuld versetzt und Pfarrer in Tafertshofen im Kapitel Oberroth.

Kontakte mit den katholisch-apostolischen Gemeinden

1842 machte er dann zum ersten mal Bekanntschaft mit der katholisch-apostolischen Gemeinde. Im Jahr 1843 wurde J.G. Lutz Kammerer und kurze Zeit später Dekan des Kapitels Oberroth. Er scheint nebenher immer wieder Kontakte zur katholisch-apostolischen Gemeinde gehabt zu haben. Nachweislich ist, dass er 1844 Freundschaft mit William Renny Caird geschlossen hatte, der ihm berichtete, dass es in England und Schottand wieder Apostel gebe, die die Gabe des Heiligen Geistes spendeten. Sehr erstaunt war Lutz, als er hörte, auch in England und Schottland seien Weissagungen mit fast demselben Wortlaut wie in Karlshuld zu hören gewesen. Seine Auseinandersetzungen mit dem Augsburger Ordinariat wurden dadurch wieder stärker. Vor allem, durch seine Freundschaft mit dem katholisch-apostolischen Geistlichen William Renny Caird wurden seine Konflikte mit der katholischen Amtskirche verstärkt.

Unter Cairds Mitwirkung veröffentlichte er 1847 anonym eine Deutung der Bibel im Sinne der katholisch-apostolischen Eschatologie: „Über den Rathschluß Gottes mit der Menschheit und der Erde“, dann 1848 alleine, aber gleichfalls anonym, die Schriften „Brüfet die Geister, ob sie aus Gott sind" , „Die Hoffnungen der Kirche Christi und des Volkes Israel in der Gegenwart", und schliesslich 1849 „Das prophetische Wort des Herrn und unsere Zeit oder Betrachtungen über Matth. 24 und 25“. Im November 1854 wurde vom Bischöflichen Ordinariat in Augsburg eine Untersuchung gegen Lutz eingeleitet eingeleitet. Lutz legte 1855 das tridentinische Glaubensbekenntnis ab und erklärte, er verwerfe alles, was in der Schrift „Rathschluß“ den Lehren der katholischen Kirche widerspreche sein möge. Er wurde zunächst vom von der Funktion als Dekan enthoben und die erwähnten vier Schriften verboten (der „Rathschluß“ wurde am 6. Dezember 1855 auch in Rom auf den Index gesetzt[1].). Nach dem Tode des Bischofs Richarz, während der Dompropst Allioli vorläufiger Bistumsverwalter war, wurde Johann Georg Lutz im Februar 1856 verdächtig Anhänger der katholisch-apostolischen Lehren ("Irvingianismus") zu sein und zu einem zeitweiligen Aufenthalt im "Strafhaus" zu Villingen, einer kirchlichen Disziplinareinrichtung, verurteilt. Er wurde aufgefordert, sieben Sätze zu unterschreiben.Er verweigerte jedoch die Unterzeichnung von zwei der sieben Sätze. Da er die Unterzeichnung der Sätze: "Die katholische Kirche ist die allein seligmache Kirche" und "Die angeblichen Apostel der Irvingianer sind entweder Betrüger oder Betrogene", verweigerte, wurde das Verfahren zur Exkommunikation eingeleitet.


Schreiben Lutz' vom 9. März 1857, einem Tag nach seiner Exkommunikation über das erhaltene Dekret. Hier beglaubigte Kopie des Originals.

Am 8. März 1857 erhielt Lutz sein Exkommunikations-Dekret auf dem Postweg. Mit ihm wurden weitere etwa 20 Anhänger exkommuniziert. Lutz selber fühle sich erleichtert und dankbar. Anschließend reiste Lutz nach England, um die dort bestehenden katholisch-apostolischen Gemeinden zu prüfen. Er erkannte diese Gemeinden als göttlich an und wurde im gleichen Jahr von Apostel Drummond in England versiegelt. Viele von dem mit ihm Exkommunizierten wurden in Folge der Exkommunikation auch polizeilich bedrängt. Viele von ihnen gingen ins liberalere Württemberg ins Exil. Lutz hingegen fand bis 1869 Exil in der Schweiz. Ihm folgten etwas zehn römisch-katholische Priester, die auch in die katholisch-apostolischen Gemeinden aufgenommen wurden.

In der Schweiz wirkte er in den katholisch-apostolischen Gemeinden Zürich und Bern in verschiedenen Ämtern. Jedoch erhielten schon 1861 die katholisch-apostolischen Gemeinden durch ein Rescript des bayrischen Königs Maximilian II. die Rechte einer Privatkirchengesellschaft (also einer Gemeinschaft mit Vereinsstatus) für Bayern. 1870 kehrte er als katholisch-apostolischer Evangelist nach Deutschland zurück. Lutz wirkte bis zu seinem Tode hauptsächlich in Baden-Württemberg und Bayern. Auch in Karlshuld entstand eine kleine katholisch-apostolische Gemeinde. Sein letzter Wirkungsort war Nürnberg. Er starb in Esslingen, wo er auch begraben liegt.

Werke

  • Bekenntnis der christlichen Wahrheit, wie solche in der Pfarrei Karlshuld auf dem Donaumoose erkannt und geglaubt wird, um 1831
  • Prüfet die Geister unserer Zeit, Verlag von Richard Preyß, Augsburg 1832
  • Feierstunde eines Christen (anonym), 3 Bde., Neuburg a.d.D. 1839-41
  • Der Ratschluß Gottes, 1842
  • Hoffnung der Kirche und des Volkes Israel, Verlag von Richard Preyß, Augsburg,vor 1855
  • Das prophetische Wort des Herrn, Verlag von Richard Preyß, Augsburg,vor 1855
  • Früchte des Geistes Jesu (anonym), 2 Bde., Regensburg 1842
  • Prüfet die Geister, ob sie aus Gott sind! (anonym), Augsburg 1848-54
  • Beleuchtung einiger religiöser Streitfragen, Ulm 1856
  • Abschiedswort an meine bisherige Pfarrgemeinde Oberroth, Kaufbeuren 1857
  • Gottes Werk in unserer Zeit, Verlag H. Müller, Ulm 1857
  • Erklärung der Grundsätze der katholischen Christen in Schwaben, welche unlängst vom bischöflichen Ordinariat Augsburg exkommuniziert worden sind, Verlag Heider und Zimmer, Frankfurt/Main 1857
  • Nothwehr wider ungleiche Waffen, H. Müller, Ulm 1858
  • Über den Rathschluß Gottes mit der Menschheit und der Erde (mit W.K.Caird), Stuttgart 1858 (zunächst anonym 1847 erschienen und auf den Index gesetzt)
  • Des Herrn Wort bleibt ewig, Basel 1868; Prüfung des Geistes unserer Zeit, Basel 1870
  • Lehr- und Streitschriften, Wiesbaden 1872
  • Die Bestimmung der Menschheit und der christlichen Kirche insbesondere im Lichte des Evangeliums Christi, Augsburg 1878
  • Christi Worte über Vollendung der Wege Gottes mit Seiner Kirche (mit W.K.Caird), Augsburg 1879
  • Erlebnisse eines badischen Bibelboten im Feldzuge 1870/71, Karlsruhe 1896.

Literatur

  • Joh. Evang. Georg Lutz, L. W. Scholler, Brüder Schwarzbeck, Göggingen, Basel 1891

Verweise

  1. Siehe Index Librorum Prohibitorum von 1948