Heu aus der Vergangenheit

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Das sogenannte "Heu aus der Vergangenheit" war zunächst eine despektierliche These über eine angebliche Aussage des damaligen Apostels Friedrich Krebs, die in den niederländischen Gemeinden von Krebs-Oppositionellen verwendet wurde.

Nach dieser Aussage habe Fritz Krebs die Bibel als „vertrocknetes Heu aus der Vergangenheit“ und „altes schmutziges Grubenwasser“ betracht und bezeichnet.

Hintergrund

Friedrich Krebs, zeitgenössisches Foto aus der ref.ap. Gemeinde Greiz

Die Behauptung, dass Krebs die Bibel nicht wertschätzen würde, wurde von Krebs-Oppositionellen unter Apostel Martinus van Bemmel geschürt und spielte bereits im Vorfeld der Kirchenspaltung 1897 in den Niederlanden zwischen Hersteld Apostolische Zendingkerk und Hersteld Apostolische Zendinggemeente in de Eenheid der Apostelen eine große Rolle.

Krebs hatte nach dem Tod des Apostels Schwarz 1895 den niederländischen Bezirk - Stamm Juda - vertretungsweise übernommen und die Trauerzeit bis zur Neuberufung eines Apostels für die Niederlande verlängert. Im Rahmen dessen bildete sich in den Gemeinden eine Opposition gegen Krebs, die ihm vorwarf, neue Lehren einzuführen.

Streitpunkte des seit 1895 schwelenden Konflikts waren insbesondere die von Krebs vertretenen Auffassungen, dass die neuen Apostel den neutestamentlichen Aposteln gleichzustellen seien und das Apostelamt einen Führungsanspruch über Propheten, Evangelisten und Hirten habe. Beide Fraktionen beriefen sich auf das Erbe des Apostels Schwarz und darauf, mit ihm in Einklang zu stehen, während die andere Seite davon abweichen würde.

In der niederländischen Publikation "Wachter Sions" vom November 1896 wurde ein Artikel publiziert, welcher von der Krebs-Opposition als Steilvorlage für ihre Kritik verwendet wurde.

1897 kam es zum endgültigen Bruch innerhalb der HAZK in zwei Glaubensgemeinschaften. Diese Auseinandersetzung wurde auch mittels Publikationen ausgefochten.

Der Artikel in Wachter Sions

In der Novemberausgabe der Wachter Sions 1896 erschien ein Artikel auf der Titelseite mit der Überschrift "Waak op!". Inhalt des Artikels ist die Vorbereitung der Brautgemeinde auf die Wiederkunft Christi. In diesem Artikel wird jeder aufgerufen, auf sein Glaubensleben aufzupassen und an seiner Stelle seinen gottgegeben Auftrag zu erfüllen.

Besonderes Augenmerk wird hier auf die verschiedenen Amtsstufen der Kirche gelegt. Es wird ausgeführt, wo die Aufgaben der einzelnen Ämter liegen und wo die besonderen Gefahren liegen. Insbesondere erfolgt in dieser Reihenfolge eine Unterweisung für Diakone, Priester, das Bischofs- oder Ältestenamt, das Apostelamt, für Evangelisten, Hirten und Propheten, schlussendlich nochmals für die Diakone und Diakonissen.

Im Artikel wird der Aufbau der Gemeinde mit dem Bau der Stiftshütte verglichen, wobei die Apostel hier die Aufgabe des Baumeisters übernehmen. Unterfüttert wird dies mit zahlreichen Bibelzitaten und -verweisen.

Als eine besondere Gefahr für die Gemeinde bzw. die Amtsträger wird herausgestellt, dass die eigene Meinung an Stelle der Kirchenlehre tritt und auch von den Amtsträgern in die Gemeinden getragen werden.

Besonderen Tadel erhalten die Hirten, die sich hüten sollen, den Gemeinden "altes Wasser" und "vertrocknetes Heu" vorzulegen. Hier ergeht die Aufforderung, das reine Wasser des Lebens zu reichen.

Weiteren Tadel erhalten auch die Propheten. Hier wird eine Analogie zu Mose gebildet. Dieser ist nach dem Artikel ein Vorbild des Apostels, welcher verantwortlich für die Errichtung der Stiftshütte war, und nicht Aaron und Miriam (als prophetisch Begabte).

Der Artikel schließt mit der nochmals dringlichen Aufforderung, die Gemeinden auf die Wiederkunft Christi zu rüsten.

Ursprung der These

Die Behauptung, die Bibel würde von Seiten Krebs' und der HAZEA-Anhänger als Heu aus der Vergangenheit betrachtet werden, taucht in der Kampfschrift De ware oorzaak der scheuring im Jahr 1897 das erste Mal auf. Dort heißt es auf den Seiten 27 und 28:

"Sie haben in der Schrift, von Ihnen "Wachter Sions" genannt, vom November 1896, Seite 3 und 4 geschrieben: "Und auch ihr Hirten, wachet über die Herde, welche euch von euren Vorgesetzten anvertraut worden ist und legt den Schafen nicht eure Meinungen und Einsichten als Nahrung vor, sondern das nach den Zeitumständen gegebene Wort, damit ihr die Schafe nicht mit dem vertrockneten Heu aus der Vergangenheit speist (Ihrer Weisheit nach und laut Ihrem Licht: aus der Heiligen Schrift), sondern mit dem frischen Grünfutter aus dem Heute (was wir euch sagen), mit dem den gegenwärtig gesandten Worte (von uns). Gebt den Schafen frisches Wasser, kein altes, schmutziges Grubenwasser, sondern frisches, lebendiges Quellwasser, Wasser des Lebens." (moderne Übersetzung 2014)

Das ist das Zitat, welches sich auch so - ohne die Interpretation der Gruppe um van Bemmel, welche hier in Klammern mit angegeben wurde - in Wachter Sions findet. Es ist nicht ersichtlich, sondern die Interpretation der van Bemmel-Gruppe, dass damit die Bibel gemeint sei.

Auf Seite 28 findet sich dann noch die Aussage:

"Das alte, übelriechende, stillstehende Wasser kann man ja überall bekommen von den trägen und faulen Hirten. Wir lehren euch, dass die Lehre der Bibel euch nichts nützt und das Gebet Jesu, Joh. 17, 20.21, euch nicht betrifft. Wir lehren euch, dass die Apostellehre nicht gut ist."

Diese Aussage sieht aus wie ein Zitat, ist aber in Wachter Sions, bis auf den ersten Satz nach derzeitigem Kenntnisstand zumindest in der sonst zitierten Ausgabe Wachter Sions November 1896 nicht zu finden. Es scheint sich hier vielmehr um eine Polemik der Gruppe um van Bemmel zu handeln.

Gegendarstellung

Die Krebs-treue Gruppe der HAZEA antwortete auf diese Schrift mit der Publikation Geen Scheuring, doch Afval. Hierin wird auch auf die These vom "Heu aus der Vergangenheit" aufgegriffen.

" Dasjenige, womit der Schreiber (Verkruisen) den Apostel Krebs fälschlich beschuldigt, tut er jedoch selbst, denn er als "Abgefallener" bezeugt mit dem Apostel Schwartz in einem und selbigen Geiste zu stehen, und schreibt also öffentlich, dass der Apostel Schwartz auch "abgefallen" war.

Es ist also nicht genug, die lebenden Apostel zu schmähen und zu verurteilen, auch der entschlafene Apostel Schwartz wird durch diese seine Schreiberei noch entehrt.

Um nun jeden in den Wahn zu bringen, dass er es wirklich gut meint und die Bibel hochschätzt, erzählt der Schreiber, dass die Apostel eine Einheit aufgestellt haben mit Verwerfung der Heiligen Schrift. Der weise Mann hätte sich nicht dummer ausdrücken können, denn wie wir schon zeigten, ist es gerade die Heilige Schrift, die sehen lässt, dass es der Wille des Vaters und des Sohnes war, dass Seine Apostel eins sein sollten. Wo nun der Herr Verkruisen sagt, dass dieses mit Verwerfung der Heiligen Schrift geschehen ist, zeigt er, dass gerade er die Heilige Schrift verwirft und demzufolge auch die Aposteleinheit nicht erkennt. Nun zitiert er weiter sehr viele Bibelstellen, um zu zeigen, auf welche Weise Jesus auftrat und was er sagte, und setzt da gegenüber die Menschen, welche sein Wort hörten und annehmen sollten, aber es nicht taten. Nach seiner Meinung ist jedoch für Jesus zu lesen "Verkruisen" und für Pharisäer und Sadduzäer u.s.w. Krebs und die andern Apostel. Dieses ist jedoch wieder geschehen vom Standpunkte Verkruisen und nicht vom Standpunkte Gottes, denn der Vater gab Seinen Sohn als den Apostel oder Gesandten in der Aposteleinheit und nicht in Verkruisen, der sich darüber erhebt. Er sagt: Krebs nennt dasjenige, was die Bibel lehrt, altes, trockenes Heu, und er selbst und die Seinen, welche, wie sie sagen, die Bibel so sehr hochschätzen, sie verwerfen dasjenige, was der Sohn durch seine lebenden Apostel lehrt. Nun ist es doch keine Frage mehr, wer sich gegen Gott in der Sendung Seines Sohnes stellt.

Nein, der Apostel Krebs nennt nicht – wie der Verkruisen fälschlich sagt – die Bibel altes, trockenes Heu, sondern wohl dasjenige, was der Verkruisen und die Seinen, nicht vom Heiligen Geiste getrieben, davon sagen und erklären.

Jesus jedoch nahm die bestehende Schrift, und, den Willen seines Vaters wissend durch den Heiligen Geist, womit er mit Ihm verbunden war, begegnete er den damals sich gläubig nennenden Juden mit dieser Schrift, um sie mit diesem "geschriebenen Worte", welches sie zu glauben behaupteten, von seiner Sendung zu überzeugen. Sie glaubten ihm jedoch nicht, und es war für sie eine Ehre, nicht zu seinen Jüngern zu gehören."

Die HAZEA wehrte sich erbittert gegen den genannten Vorwurf. Sie versuchte klar zu stellen, dass mit diesen Aussagen die Lehren der Krebs-Opposition gemeint gewesen seien, welche in den Jahren 1895-97 verkündigt wurde. Brisanterweise spricht der ursprüngliche Artikel von "Wachter Sions" von Hirten, welche die Schafe mit Heu fütterten und zu dreckigem Grubenwasser führten: Die maßgeblichen Krebsoppositionellen waren die Hirten Meijnders aus Amsterdam und der Hirte Verkruisen aus Haarlem.

Weitere Verbreitung

Die These vom Heu aus der Vergangenheit wurde von Kritikern und Beobachtern der (neu-)apostolischen Bewegung schon früh aufgegriffen.

Von protestantischer Seite wurde diese Aussage - teilweise bis in die Gegenwart - aufgegriffen, um die neuapostolische Ablehnung der sola scriptura-Lehre auf plakative Art und Weise zu unterstreichen.

Auch Kurt Hutten schreibt 1958 in Seher, Grübler, Enthusiasten:

"Die Neuapostolischen wissen nichts von einer viva vox evangelii, sondern vernehmen diese viva vox allein im Apostelwort, während die Schrift Museumswert hat. Von hier aus ist der Schritt nicht mehr weit zu despektierlichen Äußerungen über die Schrift, die nicht selten sind: sie verhalte sich zum 'zeitgemäßen' Gotteswort der Apostel wie Konserven zu frischen Lebensmitteln, wie Zisternenwasser zu Quellwasser." [1]

Auch in der 1993 im Verlag Friedrich Bischoff erschienenen Biografie über Friedrich Krebs wird diese Thematik aufgegriffen:

"Nach einiger Zeit [nach dem Tod von Apostel Menkhoff und Apostel Schwarz 1895] herrschten immer noch Unsicherheit und Zweifel in manchen Gemeinden, ob denn wirklich alles der Wille Gottes sei, was Apostel Krebs und die Brüder predigten. Hinzu kam, daß manches falsch verstanden oder von Böswilligen falsch ausgelegt wurde. Wenn beispielsweise der Apostel oder Stammbischof Niehaus davon sprachen, daß in der Bibel das alte Brot von gestern gereicht werde, während das Apostelwort von heute frisches Brot sei, so legten das manche so aus, als ob die Heilige Schrift nichts mehr gelten sollte, was damit keineswegs gemeint war. Schließlich lehrten und taten die Apostel der Endzeit nichts, was im Widerspruch zur Bibel stand. Im Gegenteil. Sie war und blieb die Basis, in der ihr Glaube verankert war."[2]

Verweise

  1. Kurt Hutten, Seher, Grübler, Enthusiasten, S.619.
  2. Scheibler, Susanne: Friedrich Krebs, S. 69.