Handauflegung

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Die Handauflegung ist in vielen Religionen eine symbolische Geste der Übertragung von Segen, Kräften oder Vollmacht. Auch in den apostolischen Gemeinschaften ist die Handauflegung als Segenszeichen üblich.

Altes Testament und Judentum

Segenshandlungen wurden bereits im Alten Testament (Tanach) durch eine Handauflegung begleitet. Zu den wohl bekanntesten Handauflegungen gehört die Segnung von Ephraim und Manasse, die vom Stammvater Jakob (Beiname: Israel) vollzogen wurde. Sie findet sich beschrieben in 1. Mose, Kapitel 48,13ff LUT:

„13 Dann nahm sie Josef beide, Ephraim an seine rechte Hand gegenüber Israels linker Hand und Manasse an seine linke Hand gegenüber Israels rechter Hand, und brachte sie zu ihm. 14 Aber Israel streckte seine rechte Hand aus und legte sie auf Ephraims, des Jüngeren, Haupt und seine linke auf Manasses Haupt und kreuzte seine Arme, obwohl Manasse der Erstgeborene war. 15 Und er segnete Josef und sprach: Der Gott, vor dem meine Väter Abraham und Isaak gewandelt sind, der Gott, der mein Hirte gewesen ist mein Leben lang bis auf diesen Tag, 16 der Engel, der mich erlöst hat von allem Übel, der segne die Knaben, dass durch sie mein und meiner Väter Abraham und Isaak Name fortlebe, dass sie wachsen und viel werden auf Erden.“

Jedoch kennt das Alte Testament nicht nur die Übertragung von Segen durch Handauflegung. Auch zur Übertragung von Sünden auf ein Opfertier (1. Mose 4,22ff) wurde eine Handauflegung praktiziert:

„22 Wenn ein Fürst sündigt und tut aus Versehen irgendetwas von alledem, was der HERR, sein Gott, zu tun verboten hat, und wird schuldig, 23 und seine Sünde, mit der er gesündigt hat, wird ihm zu Bewusstsein gebracht, dann soll er seine Opfergabe bringen, einen Ziegenbock, ein Männchen ohne Fehler. 24 Und er soll seine Hand auf den Kopf des Ziegenbockes legen und ihn schlachten an dem Ort, wo man das Brandopfer vor dem HERRN schlachtet: ein Sündopfer ist es.“

Diese Identifikation wird sehr deutlich in 3. Mose 4 EU gezeigt, wo die Gebote bezüglich des Sündopfers festgehalten sind und fünfmal die Handauflegung erwähnt wird (V. 4. 15: 24. 29 u. 33). Das Prinzip der Übertragung von Sünden tritt sehr augenscheinlich in 3. Mose 16,21 EU zutage. Der Hohepriester hatte dem Bock die Hände aufzulegen und die Missetat des Volkes Israel zu bekennen. Wieder fand in gewissem Sinne eine Übertragung statt.

Ein solches Opfertier konnte erst dann stellvertretend geschlachtet werden, wenn der Sünder sich mit ihm eins gemacht hatte.

Neues Testament

Auch Jesus Christus praktizierte nach den Erzählungen des Neuen Testaments häufig die Handauflegung. Ein Beispiel unter vielen ist die Kindersegnung in Matthäus 19,13ff LUT:

„13 Da wurden Kinder zu ihm gebracht, damit er die Hände auf sie legte und betete. Die Jünger aber fuhren sie an. 14 Aber Jesus sprach: Lasset die Kinder und wehret ihnen nicht zu mir zu kommen; denn solchen gehört das Himmelreich. 15 Und er legte die Hände auf sie und zog von dort weiter.“

Auch die von Jesus vollzogenen Krankenheilungen waren häufig vom Auflegen der Hände begleitet (Lk 4,40 LUT).

„Und als die Sonne untergegangen war, brachten alle ihre Kranken mit mancherlei Leiden zu ihm. Und er legte die Hände auf einen jeden und machte sie gesund.“

Die Apostelgeschichte berichtet von Handauflegungen im Zusammenhang von Ordination, Empfang des Heiligen Geistes und Krankenheilung.

Ordination

... sie wählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Judengenossen aus Antiochia. Diese Männer stellten sie vor die Apostel; die beteten und legten die Hände auf sie. Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem. (Apostelgeschichte 6,5ff LUT)

Geistempfang

Als diese hinabgekommen waren, beteten sie für sie, damit sie den Heiligen Geist empfangen möchten; denn er war noch auf keinen von ihnen gefallen, sondern sie waren allein getauft auf den Namen des Herrn Jesus. Dann legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist. (Apostelgeschichte 8,15ff ELB)

Krankenheilung

In dieser Gegend hatte der angesehenste Mann der Insel, mit Namen Publius, Landgüter; der nahm uns auf und beherbergte uns drei Tage lang freundlich. Es geschah aber, dass der Vater des Publius am Fieber und an der Ruhr darnieder lag. Zu dem ging Paulus hinein und betete und legte die Hände auf ihn und machte ihn gesund. Als das geschehen war, kamen auch die andern Kranken der Insel herbei und ließen sich gesund machen. Und sie erwiesen uns große Ehre; und als wir abfuhren, gaben sie uns mit, was wir nötig hatten. (Apostelgeschichte 28,7ff)

Auch die so genannten Gnadengaben können laut 1. Timotheus 4,14 und 2. Timotheus 1,6 durch das Auflegen der Hände erweckt (frei gesetzt) werden. Der Apostel Paulus mahnt hier Timotheus, die ihm durch Handauflegung erweckten Gnadengaben nicht zu vernachlässigen.

In 1. Timotheus 5,22 warnt Paulus seinen jungen Mitarbeiter, einem Menschen vorschnell die Hände aufzulegen, um ihn von seinen Sünden frei zu sprechen, denn so mache er sich mitschuldig. Paulus will Timotheus somit vor dem falschen Gebrauch dieser Gabe schützen.

Nach den biblischen Berichten über das Handauflegen sind es also vor allem fünf Bereiche, in denen dieser Ritus zur Anwendung kommt:

  • Vermittlung von Segen
  • Heilung von Krankheiten und Gebrechen
  • Empfang des Heiligen Geistes
  • Weihe zum Dienst für Gott (Ordination)
  • Vermittlung besonderer Gnadengaben.

Kirchliche Praxis

In allen apostolischen Gemeinschaften wird die Handauflegung als Segenszeichen praktiziert. Die Art und der Umfang können jedoch varieren.

katholisch- apostolische Gemeinden

Neuapostolische Kirche

In der Neuapostolischen Kirche, die auf Grund des Einflusses des Calvinismus sehr karg an liturgischen Formen und Segenzeichen ist, ist dennoch die Handauflegung als Segensgeste sehr präsent. Sie wird bei nahezu allen sakramentalen Handlungen und Handlungen, denen sakramentalen oder sakrament-ähnlichen Charkater inneliegt, vollzogen.

Taufe

Bei der Spendung der Heiligen Taufe wird, nachdem der Täufling mit Wasser im (kleinen) Kreuzzeichen bezeichnet wurde, vom vollziehenden Amtsträger die Hand (auf Stirn oder Kopf) aufgelegt.

Versiegelung

Bei der Spendung der Heiligen Versiegelung ist die Handauflegung des Apostels, neben dem Gebet, das kennzeichnende Segenszeichen. Die Handauflegung ist hier fundamental für die Sakramentspendung. Auch der katholisch-apostolische Name "apostolische Handauflegung", welcher oftmals für die Versiegelung genutzt wurde, spricht diese Aussage an. Die Handauflegung folgt dem biblischen Vorbild und ist sowohl Segenszeichen als auch Mitteilung bestimmter Gnadengaben (Heiliger Geist). Üblich ist hier eine Handauflegung auf Stirn oder Kopf.

Konfirmation

Auch zur Konfirmation, als eigenverantwortliche Übernahme und Bestätigung von Taufe und Versiegelung, wird der Segen mit einer Handauflegung (ebenfalls auf Stirn oder Kopf) gespendet.

Verlobung und Verlobung

Bei der Spendung von Ehe- und Verlobungssegen wird die Hand nicht auf Kopf- oder Stirn, sondern auf die ineinandergelegten rechten Hände der Brautleute gelegt.

Ordination

Bei einer Ordination werden nach neuapostolischem Verständnis die aus dem Apostelamt resultierende Vollmacht und Kraft zu pastoralen und sakramentalen Aufgaben (teilweise) übermittelt. Zur Ordination ist, auch wenn sie mit einem Segen abschließt, die Handauflegung somit nicht primär als Segenszeichen, sonder vielmehr als Weihe zu einem besonderen Dienst und Erteilung bestimmter Gnadengaben zu sehen. Auch bei der Ordination werden die Hände (ebenfalls auf Stirn oder Kopf) durch den Apostel aufgelegt.