Hure Babylon

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Italienische Darstellung der Hure Babylon auf einer Tarotkarte

Die Hure Babylon ist eine der biblischen Allegorien für die Gegner der Gläubigen im Allgemeinen und das römische Weltreich im Speziellen. Ihre wirkungsreichste Beschreibung findet sich im Neuen Testament in der Offenbarung des Johannes im Kapitel 17 und 18. Diese Allegorie spielte und spielt in der Eschatologie vieler apostolischer Gemeinschaften eine besondere Rolle.

Die Hure Babylon in der Johannesoffenbarung

n der Offenbarung des Johannes wird die Hure Babylon stets als „die Große“ bezeichnet (Βαβυλὼν ἡ μεγάλη in Offb 14,8; 16,19; 17,5; 18,2; 18,18; 18,10; 18,21). Ihre Kennzeichen sind Hurerei und Gräuel (d. h. Götzendienst), ja sie ist sogar der Ursprung, die „Mutter“ dieser Sünden (Offb 17,5 NA: ἡ μήτηρ τῶν πορνῶν καὶ τῶν βδελυγμάτων τῆς γῆς). Der Reichtum und die Pracht der Hure Babylon sind vergänglich, von einem Tag auf den anderen, ja sogar in einer Stunde (Offb 18,17.19) wird sie in bitterste Armut, Nacktheit und Einsamkeit gestürzt werden. Darüber werden sich die unter der Herrschaft der Hure Leidenden, allen voran die Christen, freuen und laut jubeln (Offb 19,1-3).

Deutung im Verlauf der Geschichte

In der Alten Kirche findet sich früh die Deutung von Offb 17 auf Rom (Irenäus von Lyon und Hippolyt von Rom). In dieser Deutungstradition steht auch Cassiodor (* um 485; † um 580). Andreas von Caesarea (um 600) deutet in seinem wichtigen Kommentar zur Apokalypse die Hure auf die gesamte weltliche Macht. In der Reformationszeit haben Martin Luther und John Knox die römisch-katholische Kirche als Hure Babylon bezeichnet, wie vor ihnen bereits Girolamo Savonarola und Friedrich II. anlässlich seines ausgedehnten Streits mit Papst Gregor IX.

Auch Dante nutzt dieses Bild im 19. Gesang des Inferno und im 32. Gesang des Purgatorio für seine Kritik an der Amtsführung des Papstes Bonifaz VIII. Dieser soll die Kirche durch Lügen und Betrug an sich gebracht haben, was eine Anspielung auf die umstrittene Abdankung Coelestin V. ist.

katholisch-apostolische Deutung

Nach Sicht katholisch-apostolischer Autoren ist die in der Johannesoffenbarung beschriebene große Hure ist zunächst ein Bild für die Kirche im letzten Stadium ihres Abfalls. Sie ist identisch mit der Gesamtheit aller Konfessionen bzw. aller Getauften, die in der Zeit des Endes die wahren Boten Gottes verkennen und sich zur "Kirche" des Antichristen formieren, die alles geistlich Unreine im höchsten nur denkbaren und praktikablen Maße in sich vereinigen wird.

Doch nicht allein in bezug auf diese "Endgestalt" der Hure Babylon, sondern auch im Rückblick auf die vergangenen Jahrhunderte der Kirchengeschichte wird gesagt, daß die große Hure an vielen Wasserläufen sitzt. Die Deutung dazu wird Vers 15 gegeben: Die Wasserläufe sind Völker und Scharen und Nationen und Sprachen. Damit wird unterstrichen, daß nicht an einen besonderen Teil der Kirche zu denken ist. Vielmehr weist der universale Einfluß der Hure auf die gesamte Christenheit hin, deren verderbliches Treiben von jeher die weit verzweigten Arme der Völkerwelt verunreinigt hat. Die englischen Apostel betonen auch im Testimonium den babylonischen Charakter der Christenheit. Bezüglich der Ablehnung des Testimoniums und der Sendung der Apostel des weitüberwiegenden Teiles der Christenheit schrieb Woodhouse 1847: He [God] would have healed Babylon; but she would not be healed. (Jer. I 1.9). The time is come for complete deliverance. Therefore does he send forth the cry: "Babylon the great is fallen." (Rev. XVIII.2)." [1]

Verweise

  1. „Anonymes Schreiben aus Berlin an König Friedrich Wilhelm IV. betr.. Die christliche Kirche usw., 1847“ Blatt 5/6,Geheimen Staatsarchiv (Stiftung Preußischer Kulturbesitz) in Berlin Dahlem unter GStA PK, I. HA Rep. 89 Geheimes Zivilkabinett, jüngere Periode, Nr. 22806,