Johanna Dierheimer
Hier ist eine zusammenfassende Darstellung des Lebenswegs von Johanna Dierheimer, basierend auf den Aufzeichnungen der Neuapostolischen Kirche und den Beständen im Staatsarchiv Ludwigsburg.
Herkunft und Glaubensweg
Johanna Dierheimer wurde am 13. Januar 1894 als Johanna Weinberg in Stuttgart geboren. Obwohl sie jüdischer Abstammung war, trat sie später der Neuapostolischen Kirche (NAK) bei. Dieser Umstand prägte ihre Identität während der NS-Zeit massiv, da sie nach den Nürnberger Rassegesetzen als Jüdin verfolgt wurde, sich jedoch innerhalb ihrer christlichen Gemeinde beheimatet fühlte.
Leben in der „privilegierten Mischehe“
Lange Zeit bot ihr die Ehe mit ihrem nicht-jüdischen Ehemann einen gewissen Schutz vor der sofortigen Deportation. In diesen sogenannten „privilegierten Mischehen“ blieben jüdische Partner oft bis in die späten Kriegsjahre von den Massentransporten in die Vernichtungslager verschont. Dennoch war Johanna Dierheimer massiven Repressalien, Hunger und ständiger Angst ausgesetzt.
Deportation nach Theresienstadt
Gegen Ende des Krieges griff der Schutz ihrer Ehe nicht mehr. Johanna Dierheimer wurde in das Konzentrationslager und Ghetto Theresienstadt verschleppt. Dort erkrankte sie schwer und litt unter den unmenschlichen Bedingungen. Im Gegensatz zu vielen anderen Insassen überlebte sie die Haft und kehrte nach der Befreiung des Lagers im Jahr 1945 in ihre Heimatstadt Stuttgart zurück.
Hilfe durch die Gemeinde und Nachkriegszeit
Nach dem Krieg legte sie Zeugnis darüber ab, wie sie die Verfolgung überstehen konnte. Laut einer Aussage vom 24. Mai 1946 wurde sie während der Zeit der Unterdrückung finanziell und materiell durch Amtsträger ihrer Kirchengemeinde unterstützt. Diese Hilfe sicherte ihr und ihren Kindern in den kritischen Momenten das Überleben. Johanna Dierheimer blieb ihrer Kirche bis zu ihrem Tod im Jahr 1971 treu verbunden.
Quellen
Primärquellen (Archivbestände) Landesarchiv Baden-Württemberg (Staatsarchiv Ludwigsburg): Bestand EL 350 I (Landesamt für die Wiedergutmachung): Hier finden sich Akten zu Entschädigungsverfahren, die Details zu ihrer Verfolgung und ihrem Aufenthalt im Ghetto Theresienstadt enthalten. Die Online-Suche des Landesarchivs ermöglicht den Zugriff auf entsprechende Findmittel.
Aussage vom 24. Mai 1946: Ein zentrales historisches Dokument, in dem Johanna Dierheimer die Unterstützung durch ihre Kirchengemeinde während der NS-Zeit schriftlich bezeugt.
Sekundärquellen (Kirchenhistorie & Gedenkarbeit) Neuapostolische Kirche (NAK): Die kircheninterne Berichterstattung zur Aufarbeitung der eigenen Geschichte während der NS-Zeit, insbesondere Berichte über jüdische Mitglieder in Stuttgart, wie auf nac.today dokumentiert.
Stolperstein-Initiativen: Datenbanken und Publikationen von Stolpersteine Stuttgart, die den Kontext der Verfolgung in der Landeshauptstadt und die Kriterien für das Gedenken bereitstellen.
Internationale Datenbanken United States Holocaust Memorial Museum (USHMM): Einträge in der Names Search Database zu Deportationslisten nach Theresienstadt, in denen Johanna Dierheimer namentlich geführt wird.
