Gebetshaltungen in apostolischen Gemeinschaften
In den Katholisch-apostolischen Gemeinden spielen Gebetshaltungen eine zentrale Rolle, da sie die Wiederherstellung der urchristlichen Ordnung und die Ehrfurcht vor der Liturgie betonen [1].
Katholisch-apostolische Gemeinden
1. Das Stehen als liturgische Grundhaltung
In der katholisch-apostolischen Tradition ist das Stehen die Haltung des Gottesdienstes und des Lobpreises.
Bedeutung: Es symbolisiert die Würde der „Königlichen Priesterschaft“ und die Bereitschaft der Braut Christi, dem Herrn entgegenzugehen.
Kontext: Große Teile der Liturgie, insbesondere der Introitus, die Hymnen und das Glaubensbekenntnis, werden stehend vollzogen.
2. Das Knien als Ausdruck tiefer Demut
Anders als in vielen modernen evangelischen Strömungen ist das Knien hier ein unverzichtbares Element.
Bedeutung: Es zeigt die Unterwerfung unter die Autorität Gottes und die Reue des Sünders.
Kontext: Das allgemeine Sündenbekenntnis zu Beginn des Gottesdienstes sowie die Gebete während der Eucharistie (Abendmahl) werden konsequent kniend verrichtet. In historischen katholisch-apostolischen Kapellen sind dafür oft gepolsterte Kniebänke für die gesamte Gemeinde vorgesehen.
3. Das Erheben der Hände (Amtsträger)
Während die Gemeinde meist die Hände faltet, gibt es für Amtsträger spezifische Gesten:
Orantenhaltung: Bei liturgischen Gebeten breitet der Liturg die Arme aus, um die Gemeinde vor Gott zu repräsentieren.
Handauflegung: Ein zentrales Element ist die Versiegelung (oder Handauflegung durch Apostel), bei der die Hände als Kanal für den Heiligen Geist dienen. Dies ist ein direktes biblisches Erbe (Apg 8,17).
4. Besondere Ehrfurchtsgesten
Die Liturgie ist stark von einer Ehrfurcht vor dem Heiligtum geprägt:
Verbeugung: Beim Betreten des Altarraums oder vor dem Altar (als Ort der Gegenwart Christi) verbeugen sich die Amtsträger oft leicht.
Sitzordnung: Das Sitzen bleibt ausschließlich den Phasen der Belehrung (Lesung und Predigt) vorbehalten, um die Hierarchie zwischen dem aktiven Gebet (Stehen/Knien) und dem passiven Empfangen (Sitzen) zu wahren.
Vergleich zur Neuapostolischen Kirche
In der Neuapostolischen Kirche hat sich dies sehr vereinfacht:
Das Händefalten während des Gebets ist die universelle Norm für die Gemeinde.
Das Sitzen der Gemeindemitglieder erfolgt beim Gebet vor dem Gottesdienst und dem Gebet nach dem Abendmahl.
Das Stehen erfolgt während aller Gebete der Amtsträger und dem Vorlesen des Bibelwortes.
Das Knien wird heute fast nur noch bei besonderen Anlässen wie der Ordination praktiziert.
Beim Beten zu Hause ist das „Knien an der Bettkante“ verbreitet (vgl. [2] ab 22:40).
