Freier Wille

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In der christlichen Theologie wird die Frage des freien Willens vor allem im Hinblick auf das Verhältnis zwischen menschlichem Handeln und göttlicher Gnade diskutiert.

Es lassen sich drei historisch und konfessionell prägende Grundpositionen unterscheiden:

Vollkommene Freiheit (Pelagianismus)

Pelagius (ca. 350–420 n. Chr.) vertrat die Ansicht, dass der Mensch von Natur aus fähig ist, das Gute zu tun und sich ohne direkte Hilfe der Gnade für Gott zu entscheiden.

Kern: Der Wille ist vollkommen frei; Sünde ist eine individuelle Fehlentscheidung, keine unvermeidbare menschliche Verfassung.

Status heute: Diese Position wurde von der Kirche als Häresie verurteilt, beeinflusst aber bis heute stark liberale und humanistische Strömungen im Christentum.

Der „unfreie“ Wille (Monergismus)

Prominente Vertreter wie Augustinus (später), Martin Luther und Johannes Calvin betonten die Verderbtheit des menschlichen Willens durch die Erbsünde.

Luthers Position: In seinem Werk De servo arbitrio („Vom unfreien Willen“) argumentierte er, dass der menschliche Wille gegenüber Gott wie ein „Reittier“ ist – entweder wird er von Gott oder vom Teufel gelenkt. Der Mensch kann sich sein Heil nicht selbst aussuchen; nur Gott allein wirkt die Rettung (Monergismus).

Calvinismus: Hier wird die Souveränität Gottes so weit gefasst, dass von einer Prädestination (Vorherbestimmung) ausgegangen wird: Gott hat bereits vor der Zeit festgelegt, wer gerettet wird.

Zusammenwirken (Synergismus)

Dies ist die heute in der katholischen, orthodoxen und vielen evangelischen (insb. arminianischen) Kirchen vorherrschende Meinung.

Konzept: Gott bietet seine Gnade an, aber der Mensch muss dieser freiwillig zustimmen. Es ist ein Zusammenwirken (Synergie) von göttlicher Initiative und menschlicher Antwort.

Erasmus von Rotterdam: Er widersprach Luther und betonte, dass die Bibel den Menschen zu Umkehr und Gehorsam aufrufe – was nur Sinn ergebe, wenn der Mensch tatsächlich eine (begrenzte) Wahlfreiheit habe.

Zusammenfassung der Positionen

Zusammenfassung der Positionen
Position Hauptvertreter Rolle des Menschen
Monergismus Luther, Calvin Passiv; der Wille ist ein „Sklave der Sünde“, Heil kommt allein von Gott
Synergismus Kath. Kirche, Erasmus Kooperativ; Gott gibt die Kraft, der Mensch muss sich frei entscheiden
Pelagianismus (Pelagius) Autonom; der Mensch kann aus eigener Kraft das Gute wählen


In aktuellen theologischen Debatten wird oft betont, dass „Freiheit“ im christlichen Sinne weniger die Auswahl zwischen Optionen bedeutet, sondern die Befreiung zu etwas – nämlich zur Liebe zu Gott und den Mitmenschen.