Neuapostolische Gemeinde Gumbinnen

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Die Neuapostolische Gemeinde Gumbinnen war eine zum Apostelbezirk Königsberg gehörende Kirchengemeinde, die von 1907-1945 bestand. Heute besteht dort seit 1990/91 eine Neuapostolische Kirchengemeinde unter dem Namen Gussew.

Chronik

Als Gründungsjahr der Neuapostolischen Gemeinde Gumbinnen gilt das Jahr 1907[1]. Die ersten neuapostolischen Gottesdienste fanden sonntagnachmittags um 15.30 Uhr [2] im Parterre der Dragonerstraße 6, später Moltkestraße, statt, danach etwa ab 1910 in einem gemieteten Raum in der Gartenstraße. Dort versammelten sich die ersten Gemeindemitglieder, u. a. die Familien Deinath, Pawasserat, Reitz, Röwer, zum sonntäglichen Gottesdienst. Ab 1913 fanden die Gottesdienste in der Bismarckstraße 37 statt.

Die Gemeinde im 1. Weltkrieg

Bereits im ersten Kriegsjahr des ersten Weltkriegs war Gumbinnen von Kampfhandlungen bedroht und die Gemeinde in ihrer Existenz bedroht: Am 1. August 1914 kam bereits die Front näher und Kanonendonner war in der Stadt zu hören. Am 19. und 20. August tobte die sog. Schlacht bei Gumbinnen, welche zur Folge hatte, dass zwei Drittel von Ostpreußen russisch beseetzt wurden. Mittwoch, den 19. August 1914, hielt der derzeitige Gemeindevorsteher Paul Meyer den letzten Gottesdienst vor vielen aus den Grenzdörfern geflüchteten neuapostolischen Christen.

Während des Gottesdienstes klirrten die Fensterscheiben vom Kanonendonner, die Kapelle bebte. Am nächsten Morgen, am Donnerstag, den 20. August 1914 zog das deutsche Militär in Richtung Insterburg ab, die Bezirksregierung und der Magistrat hatten die Stadt verlassen.

Auch die Gemeinde floh darauf hin (wohl zum großen Teil gemeinschaftlich) aus Gumbinnen: Nachdem der letzte Flüchtlingszug bereits abgefahren war, blieb nur gegen Mittag des 21. August 1914 die mühsame, aufregende und gefahrvolle Flucht der Gemeinde Gumbinnen mit einem Wagen und herrenlos aufgefundenen Pferden übrig. Gerastet wurde auf dem Gut Judtschen, unter Mühen um gegen elf Uhr abends Insterburg erreicht. Hier führte der erste Weg zur Neuapostolischen Gemeinde in der Gartenstraße 20, jedoch auch hier war wegen der nahenden Front kein längeres Verbleiben möglich. Trotz des fehlenden Ausweises des Insterburger Magistrats, der Zugang zum letzten Flüchtlingszug gewährt hätte, kam Hilfe von einem Postbeamten, der die Gumbinner durch den Posthof auf den Bahnsteig und somit in den Zug einsteigen ließ. In der Nacht zum Sonntag, 23. August 1914, wurde Königsberg erreicht. Hier verlangten die Behörden jedoch wegen der Bedrohung, dass sich alle Flüchtlinge ins Innere des Deutschen Reichs begeben sollten.

Nur wenige Gemeindemitglieder wagten sich nach einem Monat, als sich eine Rückkehrmöglichkeit ergab, zur Rückkehr nach Gumbinnen. An der Kirchentür wurde ein in russischer und deutscher Sprache verfasstes Plakat mit dem Text: „Hier wohnen friedliche Einwohner" befestigt. Allmählich kamen immer mehr Gemeindemitglieder nach Gummbinnen zurück, so dass am Sonntag, den 30. September 1914 die ersten Gottesdienste nach der Flucht stattfinden konnten. Kurze Zeit später mussten die Gemeindemitglieder noch einmal vor der russischen Armee fliehen. Dieser Zustand endete erst am 1. Februar 1915, nach dem die deutsche Armee in Ostpreußen wieder die Oberhand gewann.

In der Zeit der Weimarer Republik (1918-1933)

Nachdem auch das bisherige Gemeindelokal in der Bismarckstraße zu klein geworden war, erwarb die Kirchenverwaltung ein in der Kasernenstraße 7 gelegenes Grundstück mit einem zuvor in Konkurs geratenen Fabrikationsbetrieb. Der Umbau der geräumigen Halle zu kirchlichen Zwecken begann 1930/31. Es entstand ein Kirchenschiff mit Empore, einer Sakristei, einem Konfirmandensaal und einer Wohnung. Das Gebäude war umgeben von einem großen Garten mit vielen Blumen und Sträuchern, ausgestattet mit einer Wasserpumpenanlage. Die Krichenweihe fand Weihnachten 1932 statt.

nach 1933 - 1945

Die Mitgliederzahl der Gemeinde Gumbinnen betrug zuletzt etwa 400 Seelen. Das Gemeindeleben kam durch Flucht und Vertreibung ab Oktober 1944 ganz zum Erliegen, die Gumbinner Gemeindemitglieder, soweit sie das Kriegsende unbeschadet überstanden haben, wurden in alle Winde zerstreut.

nach 1990

Nachdem seit 1990/91 wieder Gottesdienste im heutigen Gussew (vormals Gumbinnen), Oblast Kaliningrad (vormals Königsberg), stattfinden, besteht dort erneut eine Neuapostolische Gemeinde, die sich sonntags um 10 Uhr im Kulturhaus zum Gottesdienst versammelt.

Weblinks/Quellen

Verweise

  1. Zeitschrift „Unsere Familie" 1935, Seite 282 (Nr. 7)
  2. Adress-Buch der Neuapostolischen Gemeinden und deren Vorsteher und Kirchenlokale von 1908, Seite 25.