Corona-Pandemie: Unterschied zwischen den Versionen
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In der offiziellen Stellungnahme der NAK Westdeutschland vom 5. Februar 2021 reagierte die Kirchenleitung auf die Vorwürfe rund um die Impfung von Bezirksapostel Rainer Storck. Die wesentlichen Punkte waren: | In der offiziellen Stellungnahme der NAK Westdeutschland vom 5. Februar 2021 reagierte die Kirchenleitung auf die Vorwürfe rund um die Impfung von Bezirksapostel Rainer Storck. Die wesentlichen Punkte waren: | ||
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'''Das Ziel der Veröffentlichung:''' Die Stellungnahme sollte verdeutlichen, dass kein systematisches „Vordrängeln“ vorlag, sondern eine situative Fehlentscheidung, die man transparent aufarbeiten wollte. | '''Das Ziel der Veröffentlichung:''' Die Stellungnahme sollte verdeutlichen, dass kein systematisches „Vordrängeln“ vorlag, sondern eine situative Fehlentscheidung, die man transparent aufarbeiten wollte. | ||
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Aktuelle Version vom 31. Januar 2026, 21:04 Uhr
Das Verhalten der Neuapostolischen Kirche während der Corona-Pandemie (2020–2022) war geprägt von einer schnellen digitalen Umstellung, strikter Gesetzestreue und einer verstärkten seelsorglichen Präsenz durch den Stammapostel.
Wie in anderen Kirchen auch, wurden staatliche Verordnungen umgesetzt, aber intern und extern auch kritisch gesehen. Medial bedeutsam war die kontrovers diskutierte bevorzugte Corona-Impfung von Bezirksapostel Rainer Storck.
Zentrale Maßnahmen und Verhaltensweisen der NAK
Schnelle Digitalisierung: Unmittelbar mit Beginn der Lockdowns im März 2020 wurden Präsenzgottesdienste weltweit ausgesetzt. Die NAK reagierte mit einem umfassenden Angebot an Video-Stream-Gottesdiensten (via YouTube, IPTV und Telefon), die oft zentral aus einer Gebietskirche für einen großen Bereich übertragen wurden.
Gesetzestreue: Die Kirchenleitung betonte stets die Einhaltung staatlicher Vorgaben. Hygienekonzepte wurden strikt umgesetzt, was unter anderem das Tragen von Masken, Desinfektion der Hände und den Verzicht auf das traditionelle Händeschütteln nach dem Gottesdienst umfasste.
Umgang mit dem Abendmahl: Da das Heilige Abendmahl ein zentrales Element ist, das in Online-Gottesdiensten nicht gespendet werden konnte, litten viele Mitglieder unter diesem „Entzug“. Stammapostel Schneider thematisierte dies regelmäßig und bot Trost an, bis die Feier unter strengen Hygieneauflagen wieder möglich war.
Hybride Rückkehr: Nach den Lockdowns etablierte die NAK ein Stufenmodell für die Rückkehr zum Gemeindeleben, wobei Online-Angebote parallel zu Präsenzgottesdiensten bestehen blieben, um auch Risikogruppen weiterhin zu erreichen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die NAK die Pandemie als Katalysator für ihre digitale Transformation nutzte und dabei eine hohe Disziplin bei der Umsetzung staatlicher Schutzmaßnahmen an den Tag legte.
Interne und externe Kritik
Das Verhalten der NAK während der Corona-Pandemie war nicht ohne Kritik. Die Kritik kam dabei sowohl aus den eigenen Reihen als auch von externen Beobachtern.
Interne Kritik
Ein Teil der Kritik entstand intern, vor allem an der Strenge und der Geschwindigkeit der Maßnahmen.
Übermäßige Härte: Einige Mitglieder empfanden die schnelle und umfassende Aussetzung von Präsenzgottesdiensten als übertrieben und unverhältnismäßig. Es gab das Gefühl, dass das geistliche Leben zu sehr den weltlichen Sicherheitsvorkehrungen untergeordnet wurde.
Fehlendes Abendmahl: Der Verzicht auf das zentrale Sakrament des Heiligen Abendmahls in den ersten Phasen der Pandemie war für manche Gläubige ein schwieriger Punkt, der seelsorgerische Fragen aufwarf.
Autoritäre Struktur: Kritiker der kircheninternen Hierarchie, wie der Ex-Priester Rolf Bose, sahen in der unbedingten und schnellen Umsetzung aller staatlichen Vorgaben eine Bestätigung für die autoritäre Führungsstruktur der Kirche.
Externe Kritik
Von außen wurde die NAK, wie auch andere Freikirchen, vor allem zu Beginn der Pandemie misstrauisch beäugt:
Falschmeldungen und Generalverdacht: Es gab vereinzelt Falschmeldungen in den Medien über angebliche Corona-Verstöße in als neuapostolisch bezeichneten Gebäuden, die die NAK umgehend dementieren musste. Dies trug kurzfristig zu einem Generalverdacht bei freikirchlichen Gemeinschaften bei.
Rolle der Kirchen allgemein: Ähnlich wie die großen Kirchen sah sich auch die NAK der allgemeinen gesellschaftlichen Debatte ausgesetzt, ob Gottesdienste hätten stattfinden dürfen oder ob die Kirchen zu schnell nachgegeben hätten, Hunderttausende Menschen allein zu lassen.
Impfskandal im Seniorenzentrum Gute Hoffnung?
Der Fall in Oberhausen im Februar 2021 betraf eine kontrovers diskutierte bevorzugte Corona-Impfung von Bezirksapostel Rainer Storck.
Der Vorfall: Rainer Storck (damals 63 Jahre alt) wurde im Impfzentrum Oberhausen, in der Nähe des kircheneigenen Seniorenzentrums Gute Hoffnung, geimpft, obwohl er laut der damals geltenden Priorisierungsgruppe noch nicht an der Reihe war.
Öffentliche Kritik: Lokale Medien (wie die WAZ) berichteten kritisch darüber und warfen die Frage auf, ob sich hochrangige Geistliche beim Impfen „vordrängeln“ würden.
Reaktion Storcks: Er räumte den Fehler ein und entschuldigte sich öffentlich. Er erklärte, die Einladung zur Impfung aufgrund seiner Tätigkeit als Seelsorger erhalten und in dem Moment nicht kritisch genug hinterfragt zu haben.
Frontal 21: Die mediale Ausweitung der Kritik
Der Beitrag der ZDF-Sendung Frontal 21 vom 9. Februar 2021 mit dem Titel „Impfdrängler: Wenn sich Funktionäre vordrängeln“ löste eine bundesweite Debatte über Moral und Privilegien während der Impfstoffknappheit aus.
Im Kern enthielt der Beitrag:
Aufdeckung von Einzelfällen: Die Redaktion deckte auf, dass bundesweit Politiker (darunter Landräte und Oberbürgermeister) sowie kirchliche Würdenträger Impfungen erhielten, obwohl sie nicht der damals am höchsten priorisierten Gruppe (über 80-Jährige, Pflegepersonal) angehörten.
Der Fall Rainer Storck: In diesem Kontext wurde auch der Bezirksapostel der NAK Westdeutschland thematisiert. Er wurde als Beispiel dafür angeführt, wie Führungspersonen „Grauzonen“ nutzten oder Einladungen annahmen, die eigentlich für medizinisches Personal oder Höchstbetagte vorgesehen waren.
Aus heutiger Sicht (Anfang 2026) lässt sich der Frontal 21-Beitrag des ZDF wie folgt bewerten:
Moralischer Zeigefinger vs. Aufklärung: Der Beitrag war journalistisch hochwirksam, nutzte aber eine sehr wertende Sprache („Vordrängeln“). Er traf den Nerv einer verunsicherten Bevölkerung, die monatelang auf Termine wartete.
Reputationsschaden für die NAK: Für die Neuapostolische Kirche war die Nennung in einem Atemzug mit „Impfdränglern“ besonders schmerzhaft, da Stammapostel Schneider zeitgleich weltweit zu Solidarität und Bescheidenheit aufrief.
Zeitnahe und detaillierte Aufarbeitung
Die NAK Westdeutschland versuchte, die Wogen durch eine zeitnahe und detaillierte offizielle Stellungnahme [1] zu glätten, in der auch Fehler eingeräumt wurden.
In der offiziellen Stellungnahme der NAK Westdeutschland vom 5. Februar 2021 reagierte die Kirchenleitung auf die Vorwürfe rund um die Impfung von Bezirksapostel Rainer Storck. Die wesentlichen Punkte waren:
Der Anlass: Die Impfung fand im Rahmen einer regulären Impfaktion in einem neuapostolischen Seniorenzentrum in Oberhausen statt.
Die Rechtfertigung: Die Kirchenleitung erklärte, dass Rainer Storck als Vorsitzender des Vorstands der Gebietskirche und in seiner Funktion als oberster Seelsorger der Einrichtung vor Ort war. Ihm sei eine Impfung angeboten worden, da am Ende des Tages Impfdosen übrig geblieben seien, die andernfalls hätten entsorgt werden müssen.
Das Eingeständnis: In der Stellungnahme räumte Rainer Storck ein, dass er die Entscheidung, das Impfangebot anzunehmen, im Nachhinein als „unbedacht“ und „unsensibel“ gegenüber der allgemeinen Priorisierungssituation empfand.
Die Entschuldigung: Er entschuldigte sich ausdrücklich für die Irritationen, die sein Verhalten ausgelöst hatte. Er betonte, dass es nie seine Absicht gewesen sei, sich ein Privileg zu verschaffen oder sich vorzudrängen.
Das Ziel der Veröffentlichung: Die Stellungnahme sollte verdeutlichen, dass kein systematisches „Vordrängeln“ vorlag, sondern eine situative Fehlentscheidung, die man transparent aufarbeiten wollte.
