Wilhelm Leber

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Wilhelm Leber (* 20. Juli 1947 in Herford) ist seit dem Pfingstfest am 15. Mai 2005 Stammapostel der Neuapostolischen Kirche und somit internationaler Kirchenpräsident und Oberhaupt des neuapostolischen Apostolates. Er folgte in diesem Amt Richard Fehr als achter Amtsinhaber, welcher ihn zu seinem Nachfolger bestimmte. Fehr erklärte, dass die Wahl von Leber auch auf eindeutige Zeichen Gottes zurückzuführen sei.

Leben

Wilhelm Leber wurde am 20. Juli 1947 in Herford, Nordrhein-Westfalen, in ein neuapostolisches Elternhaus geboren und kannte schon von Kindheit und Jugend an die Familie von Stammapostel Bischoff. Er studierte Mathematik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. 1973 bis 1977 arbeitete er als Assistent an einem Betriebswirtschaftslehre|betriebswirtschaftlichen Lehrstuhl an der Universität Hamburg.

1975 promovierte er zum Doktor der Naturwissenschaften (Dr. phil. nat.) über das Thema Konvergenzbegriffe für lineare Operatoren und Stabilitätsaussagen. Von 1977 bis 1991 war er für eine hamburgische Lebensversicherung tätig.

Am 9. September 1990 wurde Wilhelm Leber zum Apostel des Bezirks Bremen ordiniert, seit 1991 arbeitet er ausschließlich für die Neuapostolische Kirche.

Sein Aufgabenbereich erweiterte sich um die Bezirke Hamburg (22. November 1992), Mecklenburg-Vorpommern (16. Januar 1994) (diese drei Bezirke bilden derzeit die Gebietskirchen Norddeutschland) und Nordrhein-Westfalen (1. Januar 2003). Außerdem war er 6 Jahre lang für die Koordinationsgruppe der Kirche (Beratungskomitee) und 5 Jahre für die Gruppe Kirchenstrategie (Finanzen) tätig.

Heute lebt er mit seiner Familie in Buchholz in der Nordheide, hat jedoch noch eine Wohnung in Wetzikon bei Zürich, da sein offizieller Arbeitssitz die NAKI in Zürich-Schwamendingen ist. 1972 heiratete er Barbara Bischoff, eine Enkelin des Stammapostels Johann Gottfried Bischoff (1930-1960). Aus der Ehe gingen ein Sohn und eine Tochter hervor.

Ämter in der Neuapostolischen Kirche

Entwicklungen seiner Amtszeit

Verbreitung und Mission

Als Stammapostel Richard Fehr in den Ruhestand trat, gab es weltweit etwa 10.850.000 neuapostolische Christen.[1] Bis zum 31. Dezember 2007, also eineinhalb Jahre unter Stammapostel Wilhelm Leber, ist die Mitgliederzahl auf 11.239.935 neuapostolische Christen,[2] also etwa um 3,6% gestiegen, was ein erheblich geringerer Anstieg, als zuvor unter Richard Fehr, ist. Gründe dafür sind zum einen, dass unter den vorherigen Stammaposteln intensivere Missionsarbeit betrieben wurde, welche unter Leber aber abschwächte, da in den verschiedenen Gebietskirchen eine ungleichmäßige Finanzbelastung herrschte. Die freiwilligen Opfereinnahmen der NAK kommen bis zu 70% aus Deutschland, Schweiz, den Vereinigten Staaten und Kanada, welche dann für riesige Gebietskirchen in Afrika und Asien ausreichen müssen.

Kurz gesagt ist Stammapostel Leber auf eine Re-Organisation der Kirche aus, was die Gemeinden, Amtsträger und Finanzen betrifft.[3]

Daher ist eine der wichtigen Entwicklungen unter Wilhelm Leber die Verselbstständigung der Gebietskirchen. Bisher wurden dazu afrikanische Staaten zur Betreuung afrikanischen Gebietskirchen übergeben und sogenannte „Bezirksapostelhelfer“ beauftragt, Selbstständigkeit dort zu fördern, wo Mitgliederzahlen teilweise sehr hoch sind. In der Praxis: Madagaskar (60'000 neuapostolische Christen), vorher von Süddeutschland betreut, wurde von Südostafrika übernommen.[4] Apostel Shadreck Mundia Lubasi wurde als Bezirksapostel beauftragt, um Ostafrika (Kenia, Tansania, Uganda: 2 Mio. neuapostolische Christen) zu verselbstständigen.[5]

Kircheninternes und Öffentlichkeitsarbeit

In Deutschland existieren derzeit 2.500 neuapostolische Gemeinden, also mehr als nötig für den Kirchenvorstand. Da viele Gemeinden zu klein sind oder sich in Ausländerquartieren, deren Bewohner kaum Christen sind, befinden, sollen noch 10% der Gemeinden zusammen gelegt werden. Damit würden auch hohe Unterhaltskosten sinken.[3]

Stammapostel Leber strebt besonders danach, die Neuapostolische Kirche von innen nach außen in Lehre und Einssein zu stärken. Es werden dafür Lehrseminare durchgeführt sowie das Selbstbild der Kirche definiert.[6] Damit soll eine klar strukturierte Öffentlichkeitsarbeit durch Prospekte oder öffentliche Auftritte[7] ermöglicht werden. Außerdem erhofft man sich davon eine Prävention von Vorurteilen anderer Konfessionen und einen höheren Bekanntheitsgrad in Europa.[8]

In Ländern Süd- und Zentralafrikas ist die NAK durch externe Nachrichten und Infos per Radio und Fernsehen schon seit den 1980er Jahren sehr bekannt.[9] Bezirks- oder Stammapostelgottesdienste werden in Sambia, der Demokratischen Republik Kongo, Kenia und São Tomé und Príncipe landesweit im Fernsehen übertragen.[10]

Zudem ist die Neuapostolische Kirche an einer Aussöhnung und gemeinsamer Geschichtsaufarbeitung mit der Vereinigung Apostolischer Gemeinden interessiert.[11] Mit Aussteigern und Kritikern sollen Dialoge geführt werden.

Ökumene

Schon Stammapostel Fehr rief am 28. Oktober 1999 die Projektgruppe Ökumene ins Leben. Der ökumenische Dialog selbst wurde jedoch erst unter Leber richtig gefördert. Vorsitzender der Projektgruppe Ökumene ist Apostel Volker Kühnle (Süddeutschland, Nürtingen), der bereits einen großangelegten Vortrag zu diesem Thema hielt:Neuapostolische Kirche und Ökumene - Risiko oder Chance?

Bei der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) befindet sich die Neuapostolische Kirche auf lokaler Ebene in Memmingen und Aschaffenburg im Gaststatus.[12]

Als Beobachter und Kenner der Neuapostolischen Kirche ist Dr. Andreas Fincke in der Evangelischen Kirche bekannt. Kürzlich erschien durch ihn die Broschüre Und sie bewegt sich doch - Neues von der Neuapostolischen Kirche. Er sieht, ebenso wie der Religionsbeauftragte der EKS, Georg Schmid, eine positive Entwicklung der Kirche, nicht zuletzt wegen der Vorgänge im Bereich Ökumene. Die Neuapostolische Kirche ihrerseits betont jedoch, dass die Aussage der Heilsnotwendigkeit der Apostel nie durch Ökumene relativiert würde. Fincke sagte, es sei ein großes Problem, dass die Neuapostolische Kirche heute noch im Alltag stark benachteiligt wird.

Die Neuapostolische Kirche hat mit Stammapostel Leber, was stark auf den Schritt zur Ökumene hinweist, Taufen anderer christlicher Konfessionen anerkannt, sofern sie im Ritus der Trinität Gottes durchgeführt werden.

Offizielle Stellungnahme zur Botschaft

In einem Interview mit Redakteuren der EKD sagte Leber zur Ankündigung von Stammapostel Johann Gottfried Bischoff von 1951, dass Jesus noch zu seinen Lebzeiten wiederkommen würde:[13]

„Dass sich die Vorhersage von Stammapostel Bischoff nicht erfüllt hat, bleibt für mich eine ungeklärte Frage… Über die wahren Zusammenhänge möchte ich kein abschließendes Urteil fällen. Vielleicht hat Stammapostel Bischoff etwas falsch gedeutet, oder es wurden Bedingungen genannt, die wir nicht kennen… Das Thema ist kein Dogma mehr, jeder kann sich sein eigenes Urteil darüber bilden.“

Herausforderungen seiner Amtszeit

  • Eine Predigt bei einem Gottesdienst in Osnabrück[14] wie auch Aussagen über das Selbstbild der Neuapostolischen Kirche vom 4. Dezember 2007 brachten Leber Kritik ein, vor allem sich viele Kirchenmitglieder nicht mit der Aussage zufrieden geben wollen, dass Heil „durch Gottes Wille“ auch in anderen Kirchen erlangt werden könnte, jedoch die NAK das Werk Gottes und Kirche der wahren Apostel Jesu sei.[15] Weniger drastisch wird diese Aussage von anderen Konfessionen gesehen, da die Römisch-Katholische Kirche beispielsweise ein praktisch gleiches Selbstbild hat.[16] Die fehlverstandene Aussage, dass die Sündenvergebung ans NAK-Apostelamt gebunden sei, relativierte Stammapostel Leber Ende des Jahres 2008 und formulierte sie um, so dass Sünden schlussendlich „souverän“ durch Gott selbst erlassen würden.
  • Eigentlich sollte der Informationsabend vom 4. Dezember 2007 (auch) eine geschichtliche Darstellung in Zusammenarbeit mit der Vereinigung Apostolischer Gemeinden (VAG) sein. Weil Bezirksapostel Klingler jedoch aufgrund einer Krankheit keinen Kontakt mehr zur VAG aufnehmen konnte, führte dies dazu, dass der Geschichtsvortrag ohne Einverständnis der VAG vorgetragen wurde, was Stammapostel Leber harte Kritik einbrachte. Zwar basiert der Geschichtsvortrag auf schriftlichen Quellen, ist aber teilweise dennoch subjektiv und ohne Berücksichtigung anderer Quellen vorgetragen worden, was auch im Kreise der Kirche selbst zu massiver Kritik führte. Stammapostel Leber hat danach die VAG um Verzeihung gebeten und versicherte, für eine neue und objektivere Aufarbeitung zu sorgen.[11][17]

Veröffentlichung

  • Konvergenzbegriffe für lineare Operatoren und Stabilitätsaussagen. Dissertation im Fachbereich 12 (Mathematik) an der Universität Frankfurt am Main, 1975

Weblinks

Fußnoten

  1. Neuapostolische Kirche International: Zahlen, Daten, Fakten (Stand 31.12.2004). 17. März 2005
  2. Neuapostolische Kirche International: NAK Weltweit. (zuletzt aktualisiert am 24. September 2008)
  3. 3,0 3,1 Neuapostolische Kirche International: „Weichen für die Zukunft der Kirche stellen“. 1. Dezember 2006
  4. Neuapostolische Kirche International: Neuapostolische Kirche auf Madagaskar wird künftig von Südostafrika geleitet. 19. September 2007
  5. Neuapostolische Kirche International: Neuer Bezirksapostelhelfer für Ostafrika. 3. August 2007
  6. Neuapostolische Kirche International: Anmerkungen zum Selbstbild der Neuapostolischen Kirche. 14. Dezember 2007
  7. Neuapostolische Kirche International: Fernseh-Talkshow in Gambia.
  8. Neuapostolische Kirche International: Informationsabend am 04.12.2007: Eine Dokumentation. 4. Dezember 2007
  9. Missionsbericht Zaire. S. 34 und 50
  10. Neuapostolische Kirche International: Ein eigener Apostel für São Tomé e Príncipe. 15. Januar 2007
  11. 11,0 11,1 Neuapostolische Kirche International: Brief von Wilhelm Leber an Matthias Knauth (VAG). 4. Januar 2008
  12. naktuell.de: „Ist die Neuapostolische Kirche eigentlich noch eine Sekte?“. 4. August 2008
  13. Neuapostolische Kirche International: Stammapostel-Interview in „ideaSpektrum“: „Jeder Apostel ist zuerst ein Diener Gottes!“. 20. Juni 2006
  14. glaubenskultur-magazin: Dokumentiert: Strittige Predigtstellen vom Sonntag im O-Ton. 29. November 2006
  15. Christ im Dialog: Nach Osnabrück – Eine Eiszeit für die Ökumeniker in der NAK? 29. November 2006
  16. Katechismus der Katholischen Kirche. S. 72-73
  17. Neuapostolische Kirche International: Stammapostel Wilhelm Leber bietet der VAG weitere Gespräche an. 8. Januar 2008