Taufen am Karfreitag?
Die Taufe am Karfreitag bezeichnet den Vollzug des christlichen Initiationssakraments an dem Gedenktag des Leidens und Sterbens Jesu Christi.
Während die Spendung der Taufe in den meisten christlichen Konfessionen aus liturgischen Gründen untersagt oder unüblich ist, gibt es in einigen Gemeinschaften – wie der Neuapostolischen Kirche – Abweichungen von dieser Praxis.
Liturgischer Hintergrund
Der Karfreitag ist im Christentum primär als Tag der Stille, der Klage und der Grabesruhe Jesu geprägt.
Da die Taufe theologisch die Teilhabe an der Auferstehung und ein freudiges „neues Leben“ symbolisiert, wird sie traditionell in die Osternacht oder auf den Ostersonntag gelegt. Ein beliebter Tag für Taufen ist auch der 6. Sonntag nach Trinitatis (er fällt meist in den Juli), der als Tag der Tauferinnerung begangen wird.
Praxis nach Konfessionen
Römisch-katholische und Orthodoxe Kirche
In der katholischen Kirche ist die Feier der Sakramente am Karfreitag (mit Ausnahme von Beichte und Krankensalbung) kirchenrechtlich untersagt. Auch in der Orthodoxie finden am „Großen Freitag“ aufgrund des streng a-liturgischen Charakters keine Taufen statt.
Evangelische Kirchen
In der evangelischen Tradition ist die Taufe am Karfreitag theoretisch möglich, da kein striktes Verbot existiert. In der Praxis wird sie jedoch aufgrund des ernsten Charakters des Tages (Bußtag) fast flächendeckend vermieden.
Neuapostolische Kirche
In der Neuapostolischen Kirche wird der Karfreitag als Feiertag zum Gedenken an das Opfer Jesu begangen. Entgegen der weitläufigen Annahme, dass an Trauertagen keine Sakramente gespendet werden, zeigt die Praxis, dass Taufen am Karfreitag durchgeführt werden (können).
So wurde beispielsweise in der Gemeinde Neuschoo im Jahr 2025 die Heilige Wassertaufe im Rahmen des Karfreitagsgottesdienstes vollzogen [1]. Aber auch Heilige Versiegelungen durch einen Apostel [2], Ordinationen [3] und Hochzeitsjubiläen [4] sind in der NAK am Karfreitag möglich.
Apostolische Gemeinschaft
Es gibt zwar kein explizites Verbot für Taufen, Versiegelungen und andere Kausalien am Karfreitag, da er traditionell jedoch als stiller Feiertag zum Gedenken an den Tod Christi begangen wird, verbieten sich eigentlich "fröhliche Feiern". Das Sakrament des Abendmahls wird allerdings immer gefeiert.
Die Nottaufe
Unabhängig von allen Verboten oder Traditionen ist die sogenannte Nottaufe in allen christlichen Kirchen bei akuter Lebensgefahr jederzeit (auch am Karfreitag) zulässig.
Zusammenfassung
Während die katholische und orthodoxe Kirche die Taufe am Karfreitag strikt ausschließen, ist sie in evangelischen Gemeinschaften theoretisch möglich, in der NAK wird am Karfreitag auch „praktisch“ getauft, versiegelt, ordiniert und gefeiert...
Einzelnachweise
- ↑ https://neuschoo.nak-nordost.de/db/499889
- ↑ https://www.nak-dornhan-villingen-schwenningen.de/db/336419?utm_campaign=0C4D6692-2A96-11E6-81BA-E145EF146B76&utm_medium=rss&utm_source=94
- ↑ https://www.nak-aachen.de/db/8124819/Startseite/Ordination-von-Diakoninnen-und-Priestern-fuer-den-Bereich-Aachen
- ↑ https://www.nak-augsburg-noerdlingen.de/db/139191/Aktuelles/Karfreitag-Segenstag
