Theodor Fontane

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Gemälde von Theodor Fontane

Heinrich Theodor Fontane (* 30. Dezember 1819 in Neuruppin; † 20. September 1898 in Berlin) war ein deutscher Schriftsteller und approbierter Apotheker. Er gilt als bedeutendster deutscher Vertreter des poetischen Realismus. Fontane kannte katholisch-apostolische Gemeindeglieder und ließ dies auch in einigen seinen Werken einfließen. Im Rahmen dieses Artikels werden lediglich Fontanes Bezüge zur apostolischen Bewegung dargelegt.

Berührungspunkte zur apostolischen Bewegung

1851 trat Fontane in die Redaktion der konservativ-reaktionären, pietistisch orientierten Neuen Preußischen (Kreuz-)Zeitung ein, zu deren Gründungskomitee unter anderem Otto von Bismarck gehört hatte. Für diese war er bis 1870 tätig. Mitbegründer und Chefredakteur (bis 1854) war das katholisch-apostolische Gemeindemitglied Hermann Wagener. Insbesondere die Person Wagners scheint der entscheidende Berührungspunkt Fontanes zur katholisch-apostolischen Bewegung gewesen zu sein.

Theodor Fontane, sagte Hermann Wagner in seinen Lebenserinnerungen politischen Weitblick nach und nannte ihn „eine Art Nebensonne zu Bismarck“.Er berichtet zudem, Wagener habe versucht, Bismarck einzuträufeln, „die verhasste Bourgeoisie durch die Sozialdemokratie zu bekämpfen“. Das heißt, er habe Bismarck zu seinen Gesprächen mit Ferdinand Lassalle angeregt.

Irvingianer in Fontanes Werken

In mindestens zwei Werken von Fontane tauchen katholisch-apostolische Charaktäre, die Fontane als Irvingianer zeichnet, vor.

Der Stechlin

"Der Stechlin" ist ein Roman. Er entstand in den Jahren 1895 bis 1897 und wurde erstmals 1897 in der Zeitschrift Über Land und Meer publiziert.

Hier taucht zum einen Ministerialassessor und Reserveoffizier von Rex auf, der im Begriff steht selbst Irvingianer zu werden und sich deshalb gewissen Anfeindungen anderer ausgesetzt. Dieser hat auch hierdurch gute Verbindungen nach England. Interessant ist hier der Brief des v.Rex an Stechlin:

Lieber Stechlin", so schrieb dieser, "ich höre eben, daß Sie nach London gehn. In der Zeitung,  wo’s  schon  gestanden  haben  soll,  hab’  ich  es  übersehn.  
Ich beglückwünsche  Sie  von Herzen  zu  dieser  Auszeichnung  und  lege  Ihnen  eine  Karte  bei,  die  Sie  (wenn’s  Ihnen  paßt)  bei meinem  Freunde  Ralph
Waddington  einführen  soll.  Er  ist  Advokat  und  einer  der  angesehensten Führer  unter  den  Irvingianern.  Fürchten  Sie  übrigens  keine  Bekehrungsversuche.
Waddington  ist ein durchaus feiner Mann, also zurückhaltend. Er kann Ihnen aber mannigfach behilflich sein, wenn Ihnen  daran  gelegen  sein  sollte,  sich  um  das
Wesen  der  englischen  Dissenter,  ihre  Chapels  und Tabernakels  zu  kümmern.  Er  ist  ein  Wissenschaftler  auf  diesem  Gebiet.  Und  ich  kenne  ja  Ihre Vorliebe
für derlei Fragen." 

Jener Ralph Waddington könnte einem der Apostel- entweder Thomas Carlyle oder Francis Valentine Woodhouse - nachempfunden worden sein. Die Charakterisierung entspricht hier eher der Person Carlyles. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass Fontane jenen über Wagner kennengelernt haben könnte.

Irrungen Wirrungen

Irrungen, Wirrungen ist ein Roman, der im Jahr 1888 erschien. Er behandelt die nichtstandesgemäße Liebe zwischen dem Baron und Offizier Botho von Rienäcker und der kleinbürgerlichen Schneidermamsell Magdalene (Lene). Beide können und wollen ihre Standesgrenzen nicht überwinden und heiraten schließlich einen anderen Partner, mit dem sie ein mäßig glückliches Leben bestreiten.

In diesem Roman heiratet schließlich der Hauptcharakter Lene den Fabrikmeister Gideon Franke. Als dieser ihr einen Heiratsantrag macht, fühlt Lene sich verpflichtet, ihm von ihrem Vorleben zu erzählen. Gideon, ein Laienprediger, der schon einen Amerika-Aufenthalt hinter sich hat, ist geneigt, über diese Vorgeschichte hinwegzusehen, sucht aber dennoch Botho in dessen Wohnung auf, um sich von der Beziehung zu Lene erzählen zu lassen. So erfährt der Baron erneut von Lene und auch davon, dass die von ihm verehrte alte Nimptsch inzwischen gestorben ist. Von alten Erinnerungen aufgewühlt, verbrennt er Lenes Briefe und die Blumen, die Lene mit einem ihrer Haare zusammengebunden hatte. Doch kann dieser symbolische Akt seine Sehnsucht nach seiner ehemaligen Geliebten nicht auslöschen. Anlässlich der Hochzeitsanzeige von Lene und Gideon Franke in der Zeitung gesteht sich Botho am Schluss des Romans ein: „Gideon ist besser als Botho.“

Gideon Franke ist ehemaliger Mennonit und war Irvingianer. Er gilt als (Mitbe-)Gründer einer neuen Sekte, wo er auch Prediger ist.

Gideon Franke stammt aus Bremen. Er wird von Fontane mit spießbürgerliches Aussehen gezeichnet, bleibt seinen Gefühlen treu und gilt als ordentlich, prinzipientreu, gebildet, anständig, unterhaltsam, ehrlich und zuverlässig. Franke war nach Amerika ausgewandert und in zahlreichen Berufen tätig. Nach seiner Rückkehr nach Berlin war Franke angesehen und hatte gute Position als Vorarbeiter inne.

Interessant ist bezüglich der Person des ehemaligen Irvingianers und Neubegründers, ob sich hier Anklänge an die Spaltung der apostolischen Bewegung 1863 in Fontanes Werk niederschlagen. Auch ist nicht auszuschließen, dass Gideon Franke einer apostolischen Person nachempfunden wurde.