Schladen

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Schladen ist ein Ort am Rand des Harzes im heutigen Niedersachsen, Landkreis Wolfenbüttel. Schladen ist die nach der Trennung der Allgemein christlichen apostolischen Mission von den katholisch-apostolischen Gemeinden 1863 die erste Tochtergemeinde in Deutschland. Schladen war die Muttergemeinde der heutigen Gebietskirche Mitteldeutschland, von ihr aus wurden etliche Gemeinden gegründet und aus ihr gingen etliche Apostel hervor.

Entstehung

Fritz Vollbohm

In Schladen wohnten die Eheleute Vollbohm, die drei Söhne hatten. Einer ihrer Söhne, Christel, der in Hamburg lebte und dort mit der apostolischen Bewegung in Kontakt gekommen war, hatte sich ihr angeschlossen. Er war bereits vor 1863 Mitglied der katholisch-apostolischen Gemeinde und war 1863 mit Preuß und Geyer gegangen. Auf Grund eines Trauerfalls in Hamburg reiste der in Schladen lebende Fritz Vollbohm zu seinem in Hamburg lebenden Bruder. Dort berichtete ihm sein Bruder von der apostolischen Bewegung und Fritz Vollbohm lernte Apostel Preuß kennen. In Schladen zurückgekehrt, berichtete Fritz Vollbohm seinen Eltern und einer Nachbarin, der Witwe Niemeyer, von seinen Kontakten mit der apostolischen Gemeinde um Preuß. Er hatte aus Hamburg eine Liturgie mitgebracht, deren Inhalt das Interesse der Leute so erregte, dass man beschloss den Apostel zu einem Gottesdienst einzuladen. Die Witwe Niemeyer besass ein eigenes Haus mit einem großen Zimmer und Fritz Vollbohm fragte sie, ob sie ihr Haus für einen apostolischen Gottesdienst zur Verfügung stellen würde und den Apostel Preuß beherbergen würde. Die Witwe Niemeyer stimmte zu.

Preuß besucht Schladen

Schladen gehörte damals zum Königreich Hannover, in dem keine Religionsfreiheit herrschte. Somit benötigte man eine behördliche Genehmigung, wenn man (auch in einem Privathaus) einen religiösen Vortrag halten wollte. Wohl in Unkenntnis dieser Rechtslage hatte man versäumt eine solche Genehmigung für den Gottesdienst des Apostels einzuholen. Apostel Preuß wurde deshalb, nachdem er abends im Haus der Witwe Niemeyer einen Gottesdienst gehalten hatte, am nächsten Morgen verhaftet und in das Spritzenhaus im zehn Kilometer entfernten Wöltingerode eingesperrt. Dort war er drei Tage inhaftiert, bis er als "harmlos" identifiziert wurde. Dieser Vorfall sprach sich in der Kleinstadt Schladen rasend schnell herum und bewirkte, dass die Aufmerksamkeit vieler Leute auf die apostolische Lehre gelenkt wurde. Dem ersten Gottesdienst von Apostel Preuß in Schladen besuchten u.a. die Familie Vollbohm, die Witwe Niemeyer, mit ihrem neunjährigen Sohn, H.F. Niemeyer, dem späteren Apostel, das Bahnwärterehepaar Fischer (die späteren Schwiegereltern des Apostels Wilhelm Sebastian), sowie der spätere Apostel Ruff.

Folgebesuche von Preuß und Geyer

In der Folgezeit besuchten der Apostel Preuß und der Prophet Geyer abwechselnd Schladen "und unter Lärm, Hohn und Spott, sowie unter Steinhagel, sammelte der Herr in Schladen alsbald ein Häuflein (...)" (H.F.Niemeyer)

Erste Versiegelung

Beudetsam für Schladen war die erste Heilige Versiegelung, welche am 17. Juli 1864 (nach Weinmann am 25. Juli 1865) in einem kleinen Wäldchen zwischen Schladen und dem Dorf Buchladen stattfand. Ein gutes Dutzend Männer, Frauen und Kinder aus den umliegenden Orten hatten nachts ihre Häuser verlassen und machten sich zusammen mit dem aus Hamburg angereisten Apostel Carl Wilhelm Louis Preuß auf den Weg zur nahen Grenze zwischen den Königreichen Preußen und Hannover. In einer Senke, bereits auf preußischem Boden, unter freiem Himmel versammelten sie sich. "Apostel Preuß nahm seinen Hut ab und faltete die Hände… So begann der erste Gottesdienst mit Heiliger Versiegelung und nach Hamburg die Gründung der zweiten Gemeinde der „neuen Ordnung“." Unter den Versiegelten befand sich ein Mann, der die übrigen an Körpergröße weit überragte, der Bahnmeister Friedrich Krebs aus Schladen sowie die späteren Apostel Georg Gustav Adolf Ruff und Heinrich F. Niemeyer. Friedrich Krebs und Fritz Vollbohm , wahrscheinlich auch G.G.A. Ruff empfingen in diesem Gottesdienst das Unterdiakonenamt.

Weissagung und Erfüllung

In diesem Versiegelungsgottesdienst unter freiem Himmel auf preußischem Boden wurde die Weissagung ausgesprochen:

"Es soll ein Königreich zerfallen und dadurch wird mein Volk frei sein"

Nur ein paar Monate später, im Jahr 1866, brach Krieg zwischen Österreich und Preußen aus. Das Königreich Hannover, welches auf der Seite des Kriegsverlierers Österreich gestanden hatte, wurde von Preußen annektiert. In der Folge herrschte auch in Schladen Religionsfreiheit und die Beschränkungen für die Gemeinde waren größtenteils gefallen.

In der Folge breitete sich der apostolische Glaube in der näheren Umgebung aus. Gemeinden in Braunschweig, Wolfenbüttel, Vinenburg, Wedela und Osterrode entstanden.

Weitere Entwicklung

Nachdem die preußische Religionsfreiheit auch in Schladen herrschte, fanden regelmässige Gottesdienste statt. Die Witwe Niemeyer stellte hierzu ihr Haus zur Verfügung. Auch im näheren Umfeld entstanden weitere neuapostolische Gemeinden (sogenannte Harzgemeinden). Nachdem die Gemeinde durch Wegzüge (Krebs nach Wolfenbüttel, Niemeyer nach Australien, Ruff nach Worms, Vollbohms in die nähere Umgebung) und Todesfälle immer weiter geschrumpft war, wurden die Gottesdienste in Schladen in den 1880er Jahren eingestellt.

Gemeindeneugründung

Nach dem Zweiten Weltkreig fanden wieder neuapostolische Gottesdienste in Schladen statt. 1948 wurde eine neuapostolische Gemeinde gegründet. Diese bestand bis April 2008 und wurde in die Gemeinde Dorstadt integriert.

Weblinks