Neuapostolische Kirche Hamburg-Blankenese

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Die Neuapostolische Kirche Hamburg-Blankenese steht seit ihrer Erbauung 1930 in der Godeffroystraße 13, 22587 Hamburg. Das Gebäude verfügt über einen Feierraum sowie mehrere Nebenräume. 2006 hatte die Gemeinde 110 aktive Mitglieder.

Die Krisenjahre 2006/2007

Die Gemeinde Hamburg-Blankenese war bekannt für ihr reges Gemeindeleben (Hauskreise, Gesprächsgruppen). Aus Mangel an neuapostolischem Schriftgut zu verschiedenen Themen wurde bei Bibelkreisen und anderen Zusammenkünften auf evangelische Literatur aus dem Brunnen-Verlag zurück gegriffen. Viele Gemeindemitglieder fühlten sich vom Informationsabend am 24.01.2006 in Uster (Schweiz), in dessen Rahmen neue Erkenntnisse der Neuapostolischen Lehre weltweit verbreitet wurden, vom neuen Leitbild „Dienen und Führen in der NAK“ aus dem Jahr 2004 vom Stammapostel Richard Fehr und den aktuellen Umsetzungsbemühungen in der Neuapostolischen Gebietskirche Mitteldeutschland durch den Bezirksapostel Wilfried Klingler, mittels der Vision "Unsere Gemeinden im Jahre 2010", inspiriert.

Dadurch begünstigt, kam es in den Jahren 2006 und 2007 zu einem längerfristigen Konflikt zwischen der Leitung der Gebietskirche Norddeutschland und Gläubigen aus Blankenese. Dieser Konflikt kulminierte am 12.11.2006 in einem Brief von Gemeindemitgliedern und Amtsträgern der Gemeinde an den Stammapostel Wilhelm Leber, welcher von 55 Gemeindemitgliedern unterzeichnet wurde. In diesem Schreiben beklagten sich die Gemeindemitglieder wegen einer - ihrer Meinung nach - ungerechten Behandlung durch die Kirchenleitung.

In dem Schreiben verweisen die Autoren auf ihre neuen Aktivitäten und berichten, dass die daraus entstandenen Fragen als lästig und sie selbst als unbequem empfunden werden. Außerdem werde ihnen unterstellt, dass sie das Apostelamt als überflüssig ansähen, was aber nicht stimme. Seit Beginn des Jahres 2006 sei dem Priester Oliver John der Verbleib im aktiven Dienst verwehrt und er somit beurlaubt worden. Der Priester G. S. dürfe seit Jahresmitte 2006 bis auf weiteres keine Gottesdienste mehr halten. Priester und Diakone würden in langen Gesprächen einer intensiven Glaubensprüfung unterzogen.

Am 04.12.2006 antwortete der Stammapostel und stellte seine Sehensweise dar. Ihm werde berichtet, dass in diesen Kreisen die offiziellen Lehrpositionen der Kirche nicht unbedingt unterstützt würden. Ein besonders kritischer Punkt sei die Frage, welche Vollmachten dem Apostelamt gegeben seien. In dieser Entwicklung seien maßgeblich auch Amtsträger der Gemeinde einbezogen, die zurzeit beurlaubt oder nur eingeschränkt tätig seien. Er selbst hätte an dem Uster-Abend deutlich gemacht, dass er erwarte, dass sich die Amtsträger ganz hinter die Lehrmeinung der Kirche stellen. Am Ende übergibt er die weitere Klärung dem Bezirksapostel Karlheinz Schumacher unter Einbindung des Apostels Rüdiger Krause und des Bezirksältesten Jörg Steinbrenner.

Daraufhin erfolgte noch ein weiteres Schreiben der Gemeinde am 11.12.2006 ähnlichen Inhaltes an den Bezirksapostel Karlheinz Schumacher, welches am 29.12.2006 beantwortet wurde. Es sei nicht die Frage der Aktivitäten wichtig, sondern die Frage des Inhaltes. Nicht die Entwicklung der Gemeinde sei entscheidend, sondern die Richtung, welche sie nähme. Keineswegs könne er zustimmen, dass es allein richtig wäre, „auf der Ebene des Stammapostels“ neuapostolische Grundsätze festzuzurren und demgegenüber gleichzeitig auf Gemeindeebene „Toleranz“ walten zu lassen.

Die Lage spitzte sich weiterhin zu, so dass der Bezirksapostel Karlheinz Schumacher nach einem Besuch am 04.01.2007 wieder am 11.01.2007 zu einer Ämterbesprechung in der Gemeinde eintraf. Er hatte zum Jahreswechsel alle Amtsbrüder der Gemeinde aufgefordert, schriftlich oder mündlich darzulegen, ob sie mit den Predigtaussagen von Stammapostel Wilhelm Leber, die dieser am 26. November 2006 in Osnabrück verkündet hatte, übereinstimmen. Während des Gottesdienstes hatte Stammapostel Wilhelm Leber den exklusiven Anspruch der NAK und die Heilsnotwendigkeit der neuapostolischen Apostel zur Zubereitung der Brautgemeinde bekräftigt.

Am 14.01.2007 wurde der Gemeinde die Amtsniederlegung des Priesters Oliver John und des Diakons Lars Rohloff durch ein Schreiben des Apostels Rüdiger Krause bekannt gegeben.

Am Sonntag, den 15.04.2007, wurde der Gemeinde durch den zuständigen Bezirksvorsteher, den Bezirksältesten Jörg Steinbrenner, mitgeteilt, dass die Diakone Thomas H., Harald V., Michael Röper und die Lehrbeauftragte Claudia J. von ihren Aufgaben entbunden sind.

Mit Schreiben vom 27.04.2007 wendete sich die Internet-Redaktion „wwb - wie weiter Blankenese“ mit einem offenen Brief an den Bezirksapostel Wilfried Klingler und bat ihn darum, sie als Exklave seines Bezirkes aufzunehmen oder um anderweitige Hilfe. Bezirksapostel Klingler lehnte dieses Ansinnen mit Schreiben vom 29.04.2007 ab.

Am 05.05.2007 teilte die Initiative „wwb - wie weiter Blankenese“ Apostel Rüdiger Krause schriftlich mit, dass sie ihre Amtsträger wieder zurück bekommen wollen. Am Mittwoch, den 09.05.2007 wurde der bisherige Gemeindevorsteher Priester Rüdiger Knobloch aus gesundheitlichen Gründen von seiner Vorsteheraufgabe für Hamburg-Blankenese entlastet und Evangelist Werner Neubauer als neuer Vorsteher für die Gemeinde Hamburg-Blankenese eingesetzt. Der scheidende Vorsteher Rüdiger Knobloch war seitdem weiter als „normaler“ Priester in der Gemeinde tätig. Danach antwortete der Apostel Rüdiger Krause am 04.06.2007 schriftlich dem „wwb - wie weiter Blankenese“ und rechtfertigte seine Maßnahmen.

Folgen der Krise

Vorherige Situation

Vor der Krise gab es ca. 160 Mitgliedern (davon rund 40 Kinder), Priester Rüdiger Knobloch, - der Sohn des früheren Bezirksapostels Günter Knobloch -, war Vorsteher und der Altersdurchschnitt der Gemeinde lag bei 37 Jahren.

Erste Phase der Krise

20 Geschwister haben über einen Zeitraum von über 3 Jahren die Gemeinde verlassen und sind in eine NAK-Nachbargemeinde gewechselt. Von diesen 20 waren 4 Geschwister dabei, deren Motiv für den Gemeindewechsel hauptsächlich darin bestand, dass sie den Stress des Konfliktes der Gemeinde mit der Kirchenleitung nicht aushalten konnten oder wollten. Das Motiv der anderen 16 lag hauptsächlich darin, dass man sich mit der neuen Spiritualität der Gemeinde, der klaren Jesus-Zentriertheit, dem kritischen Hinterfragen der NAK-Lehre und den erweiterten geistlichen Angeboten, wie Bibelkreise etc. nicht identifizieren konnte.

Zweite Phase der Krise

  • 1 Priester hat sein Amt niedergelegt (Oliver John)
  • 1 Diakon hat sein Amt niedergelegt (Lars Rohloff)
  • 3 Diakone wurden ihres Amtes enthoben (Diakon Harald V., Diakon Michael Röper, Diakon Thomas H.)
  • Der Vorsteher wurde am 9. Mai 2007 aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt entlastet und dient nun der Gemeinde als Priester. (Rüdiger Knobloch).
  • 1 Lehrkraft der Vorsonntagsschule wurde ihrer Funktion enthoben. (Claudia J.)
  • Die Chorleiterin hat aufgegeben.

Dritte Phase der Krise

19 Mitglieder sind bis heute aus der NAK ausgetreten und haben die Gemeinde verlassen. Der Gottesdienstbesuch ist um über 60% zurückgegangen. Von der Restgemeinde besucht nur noch ein kleiner Teil regelmäßig die Gottesdienste. Die vorherigen Gemeindeaktivitäten kommen mehr und mehr zum erliegen.


Nachtrag

Am 17.06.2012 fusionierten die Gemeinden Blankenese und Altona. Während das Gebäude der NAK HH-Altona in Wohnraum umgewandelt wurde, nutzt die fusionierte Gemeinde das Kirchengebäude in Blankenese.[1]

Hintergründe

Die Hintergründe, welche zu den Amtsniederlegungen und Suspendierungen führten und die Ursachen der Krise in Blankenese waren vor allem theologischer Art. So wandten sich einzelne der Amtsträger protestantischen Lehrauffassungen zu, welche nicht mit der neuapostolischen Glaubenslehre vereinbar waren (bspw. zum Amtsverständnis, zum Wirken des Heiligen Geistes, zur Sündenvergebung).

Im Rahmen der Diskussion um die Geschehnisse in der NAK-Gemeinde Hamburg-Blankenese kam an einigen Stellen die Frage auf, ob und welche Verbindungen der Gemeinde Blankenese zu evangelikal-charismarischen Gruppen gab.

Hierzu gehört u.a. Anskar-Kirche von Wolfram Kopfermann. In Blankenese betrieb deren Vikar Frank Hoffmann eine Gemeindegründung. In diesem Rahmen veranstaltete er bereits um 2003 in der dortigen Grundschule Gebetskreise und stellte Kontakt zu örtlichen geistlichen Leitern her. Eine besondere Rolle spielte hierbei auch Markus Auras; auch er gehörte zur Anskar-Kirche. Er nahm Kontakt zu dem damaligen Bezirksapostel Leber auf, traf sich im März 2003 mit Stammapostel Fehr.[2] [3]Der Bezirksälteste von HH-West, Jörg Steinbrenner besuchte auf Weisung von W. Leber einen Glaubenskurs in der Anskar-Kirche. Auch Auras stellte Kontakt zu geistlichen Leitern in Hamburg her.

Auras suchte vor 2006 schon Kontakt zu Kopfermanns Konkurrent Helmut Bauer und seiner Wort und Geist in Röhrnbach bei Passau. Er trennte sich mit seiner Gemeinde Anskar-Winterhude von Kopfermann und wendete sich “Wort und Geist” zu, zwischenzeitlich hiess die Gemeinde Agape-Gemeinde. Diese Trennung führte die Angskar-Gemeinde in Hamburg in eine schwere Krise und führte fast zu deren Auflösung. Auras starb am 3. November 2006 bei einem Bibelschulbesuch von “Wort und Geist” in Röhrnbach, er wurde tot in seinem Zimmer gefunden. Sein Nachfolger in Winterhude, Ulrich Willers, trat mit der Gemeinde endgültig zu “Wort und Geist” über. In evangelikalen Diskussionsforen berichtet man, dass er die W&G-Sache aggressiv nach aussen trägt und damit in der Mission auch erfolgreich ist. Überhaupt wird in Foren der W&G vorgeworfen, schon bestehende Gemeinden zu übernehmen oder abgespaltene Teile der Gemeinden.

Einzelne Gemeindemitglieder aus Blankenese , welche sich von der NAK abwandten, traten in diese Gruppierungen über. Inwieweit diese evangelikal-charismatischen Gruppierungen die Krise in Blankenese hervorriefen, vertieften oder ob sie lediglich als Katalysator wirkten, muss hier offen bleiben.

Literatur

  • Brief der Gemeinde Hamburg-Blankenese an Herrn Dr. Wilhelm Leber vom 12.11.2008
  • Brief des Stammapostels Wilhelm Leber an Brynja John vom 04.12.2006
  • Brief der Gemeinde Hamburg-Blankenese an Herrn Karlheinz Schumacher vom 11.12.2006
  • Brief des Bezirksapostels Karlheinz Schumacher an Herrn E. Z. vom 29.12.2006
  • Offener Brief des „wwb –wie weiter Blankenese“ an Bezirksapostel Wilfried Klingler vom 27.04.2007
  • Brief des Bezirksapostels Wilfried Klingler an E. Z. („wwb – wie weiter Blankenese“) vom 29.04.2007
  • Brief des „wwb – wie weiter Blankenese“ an den Apostel Rüdiger Krause vom 05.04.2007
  • Brief des Apostel Rüdiger Krause an E. Z. („wwb – wie weiter Blankenese“) vom 04.06.2007

Weblinks

Verweise

  1. http://www.elbe-wochenblatt.de/altona/lokales/umzug-von-altona-nach-blankenese-d9675.html
  2. http://www.naktuell.de/0803/0803001.html
  3. http://www.glaubenskultur.de/artikel-194.html