Martin Luther

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Martin Luther gemalt von Lucas Cranach

Martin Luther (* 10. November 1483 in Eisleben, Grafschaft Mansfeld; † 18. Februar 1546] ebenda) ist die zentrale Persönlichkeit der Reformation, deren Wirken kirchengeschichtliche und weltgeschichtliche Bedeutung gewann. Durch sein Wirken und durch die Übersetzung der Bibel ins Deutsche kann er als einer der Wegbereiter der apostolischen Bewegung angesehen werden. Zusätzlich wird seine Bibelfassung in einer überarbeiteten Version in der Neuapostolischen Kirche verwendet, daneben fanden einige seiner Kirchenlieder wie Vom Himmel hoch, da komm ich her oder in Ein feste Burg ist unser Gott einen Eintrag ins Neuapostolische Gesangbuch.

Lebenslauf

Seine Eltern waren der Hüttenmeister Hans Luder (1459–1530) und dessen Ehefrau Margarethe, geb. Lindemann (1459–1531). Auf Grund von mehreren Varianten den sich die Eltern für den Nachnamen gewählt wie beispielsweise Lüder, Luder, Loder, Ludher, Lotter, Lutter oder Lauther, beschloss ihr Sohn Martin sich für den Nachnamen Luther in den Jahren 1512 bis 1517 zu entscheiden.[1] [2]

Seine Schulbildung absolvierte er an der Mansfelder Stadtschule und an der Magdeburger Domschule. Er wurde unter anderem von den Brüdern vom gemeinsamen Leben, einer Erweckungsbewegung des Mittelalters unterrichtet. 1501 begann Luther sein Studium an der Universität Erfurt und schloss dieses Studium mit dem Magister artium ab. Eigentlich sollte 1505 Jura weiterstudieren, allerdings kam er am 2. Juli 1505 in ein schweres Gewitter und versprach der Heiligen Anna ein Mönch zu werden, wenn er das überleben sollte.[3] Er überlebte dieses Gewitter und trat am 17. Juli 1505 in das Kloster der Augustiner-Eremiten in Erfurt ein.[4]

Sein Beichtvater Johann von Staupitz, der Generalvikar der Kongregation, empfahl Luther daraufhin für ein Theologiestudium und versetzte ihn zu diesem Zwecke im Herbst 1508 nach Wittenberg. Hier widmete er sich unter anderem der Forschung und durfte im Jahr 1510 oder 1511 nach Rom reisen. Um das genaue Jahr der Rom-Reise wird in der Wissenschaft diskutiert.[5] Auf jeden Fall nahm er wie viele Reisenden in Rom, beschwerlichen Weg über die „Heilige Treppe“ am Lateran auf seinen Knien auf sich, um die vermeindliche Sündenvergebung für sich und seine verstorbenen Verwandten zu erlangen. Die damalige Buß- und Ablasspraxis stellte Luther damals nicht in Frage, dennoch kann diese Reise Schlüsselerlebnis gedeutet werden, da er dieses Erlebnis immer wieder erwähnte.[6]

Im Sommer 1517 erlebte er wie sich der Ablasshandel immer weiter zum Geschäftsmodell entwickelte und entschied sich gegen dieses Geschäftsmodell vorzugehen. Einer der bekanntesten Werbeslogans dieser Zeit stammte von Johann Tetzel und lautete:

„Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt.[7]

Darstellung des Thesenanschlags

Am 31. Oktober 1517 soll Luther 95 Thesen an die Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg angeschlagen haben. Ob das tatsächlich so stattgefunden hat, darüber streiten sich viele Gelehrte. Stattdessen wird davon ausgegangen, dass sich die Thesen durch Buchdruck verbreitet haben und das diese Thesen sich hierdurch verbreitet haben.[8]

Diese Thesen beinhalteten unter anderem folgende Inhalte:

  • 1: Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht „Tut Buße“ u.s.w. (Matth. 4,17), hat er gewollt, daß das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll.[9]
  • 2: Dieses Wort kann nicht von der Buße als Sakrament – d. h. von der Beichte und Genugtuung –, die durch das priesterliche Amt verwaltet wird, verstanden werden.[9]
  • 3: Es bezieht sich nicht nur auf eine innere Buße, ja eine solche wäre gar keine, wenn sie nicht nach außen mancherlei Werke zur Abtötung des Fleisches bewirkte.[9]
  • 4: Daher bleibt die Strafe, solange der Hass gegen sich selbst - das ist die wahre Herzensbuße - bestehen bleibt, also bis zum Eingang ins Himmelreich.[9]
  • 5–6: Der Papst kann nur Strafen erlassen, die er selbst auferlegt hat.

Schließlich wurde Luther der Härsie bezichtigt und nach Rom zitiert, wo er diesen Aussagen widersprechen sollte. Was Luther nicht tat. Am 17. April 1521 stand Luther vor dem Reichstag zu Worms, wurde vor den versammelten Fürsten und Reichsständen verhört und letztmals zum Widerruf aufgefordert. Nach einem Tag Bedenkzeit und im Wissen, dass dies seinen Tod bedeuten könne, lehnte er mit folgender Begründung ab:

„[Da] mein Gewissen in den Worten Gottes gefangen ist, ich kann und will nichts widerrufen, weil es gefährlich und unmöglich ist, etwas gegen das Gewissen zu tun. Gott helfe mir. Amen.“

Die oft zitierte Version „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen“, ist nicht belegt. Sie findet sich auf einem Holzschnitt aus dem Jahr 1557.

Die Lutherbibel 1912

Schließlich wurde er durch das Wormser Edikt zum Vogelfreien verurteilt und geächtet. Der Geächtete wurde am Abend des 4. Mai 1521 auf dem Heimweg nahe Schloss Altenstein in Bad Liebenstein von Friedrichs Soldaten heimlich entführt und auf der Eisenacher Wartburg festgesetzt, um ihn der Gefahr zu entziehen. Dort übersetzte er unter dem Namen Junker Jörg die Bibel vom lateinischen ins Deutsche. Trotz seines Untertauchens setzte sich die Reformation in Bewegung und es entstand die lutheranische Kirche, die auch als evangelische Kirche bezeichnet wird.

Katharina von Bora war gemeinsam mit weiteren acht Nonnenzu Ostern im April 1523 aus dem Kloster Nimbschen geflohen und lebte seitdem in Wittenberg.[10] Schließlich verlobte sich Luther mit ihr und heiratete sie. Den Rest seines Lebens bezog sich auf Theologie und entstanden zahlreiche Schriften und einige Kirchenlieder. Am 18. Februar 1546 verstarb Luther.

Abendmahlsverständnis

Hauptartikel: Realpräsenz

Luthers Lehre über das Abendmahl war anders, das von der katholischen Kirche geprägte Verständnis. Er sah darin die Realpräsenz Christi in Brot und Wein und schrieb über das Abendmahl:

„Wer das IST in Jesu Zusage „Das ist mein Leib/mein Blut“ nicht wörtlich verstehe, der entferne sich vom rechtfertigenden Glauben selbst.[11]

Andere Reformatoren wie Andreas Karlstadt und Ulrich Zwingli vertraten eine andere Auffassung, das dieses Brot und der Wein nur ein reines Erinnerungsmahl seien, die an den einmaligen Opfertod Christi erinnern sollten. Hier entbrach ein Streit zwischen Theologen der als Marburger Religionsgespräch (1. bis 4. Oktober 1529) bezeichnet wird.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. A. Rübsam: Beziehungen des Adelsgeschlechts von Lüder zum Stift Fulda im Mittelalter. Fulda 1907.
  2. Willi Wild: http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2016/11/07/der-reformator-war-ein-luder/ Der Reformator war ein Luder |Interview mit Jürgen Udolph auf mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de}}
  3. Martin Brecht: Martin Luther. Band 1: Sein Weg zur Reformation, 1483–1521. 2. Auflage. Stuttgart 1983, S. 24. Heinz Schilling: Martin Luther. Rebell in einer Zeit des Umbruchs. Eine Biographie. München 2012, S. 68.
  4. Martin Treu: Martin Luther in Wittenberg. Ein biografischer Rundgang. Hrsg.: Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt. 2. Auflage. 2006, S. 9.
  5. Heinrich Böhmer: Luthers Romfahrt. Deichert, Leipzig 1914.
  6. Hans Schneider: Martin Luthers Reise nach Rom – neu datiert und neu gedeutet. In: Werner Lehfeldt (Hrsg.): Studien zur Wissenschafts- und zur Religionsgeschichte. Walter de Gruyter, Berlin/ New York 2011, ISBN 978-3-11-025175-3, S. 1–157, besonders S. 6.
  7. Luise Schorn-Schütte: Die Reformation. Vorgeschichte, Verlauf, Wirkung. C.H. Beck, München 2006, S. 32.
  8. Martin Treu: An die Türen der Wittenberger Kirchen – Neues zur Debatte um den Thesenanschlag
  9. 9,0 9,1 9,2 9,3 http://www.luther.de/leben/anschlag/95thesen.html
  10. Martin Treu, a. a. O., S. 76; Volkmar Joestel, a. a. O., S. 46.
  11. Zitat von Martin Luther