Kurt Hutten: Unterschied zwischen den Versionen

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*''Die Glaubenswelt des Sektierers. Das Sektentum als antireformatorische Konfession – sein Anspruch und seine Tragödie''. Furche, Hamburg 1957
 
*''Die Glaubenswelt des Sektierers. Das Sektentum als antireformatorische Konfession – sein Anspruch und seine Tragödie''. Furche, Hamburg 1957
 
*''Weltraum, Mensch und Himmelreich''. Calwer (Hefte 43), Stuttgart 1961
 
*''Weltraum, Mensch und Himmelreich''. Calwer (Hefte 43), Stuttgart 1961
*''Asien missioniert im Abendland'' (hrsg. mit [[Siegfried von Kortzfleisch]]). Kreuz, Stuttgart 1962
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*''Asien missioniert im Abendland'' (hrsg. mit Siegfried von Kortzfleisch). Kreuz, Stuttgart 1962
 
*''Seelenwanderung – Hoffnung oder Alptraum der Menschen?'' (mit Siegfried von Kortzfleisch). Kreuz, Stuttgart 1962; 2. erg. A. ebd. 1966
 
*''Seelenwanderung – Hoffnung oder Alptraum der Menschen?'' (mit Siegfried von Kortzfleisch). Kreuz, Stuttgart 1962; 2. erg. A. ebd. 1966
 
*''Christen hinter dem Eisernen Vorhang''. 2 Bände. Quell, Stuttgart 1962/63
 
*''Christen hinter dem Eisernen Vorhang''. 2 Bände. Quell, Stuttgart 1962/63

Aktuelle Version vom 15. Januar 2018, 21:52 Uhr

Kurt Hutten (* 6. März 1901 in Langenburg; † 17. August 1979 in Ludwigsburg) war ein deutscher evangelischer Theologe, Apologet und Publizist. Hutten war ausserdem Sektenbeauftragter der evangelischen Kirche Deutschlands und beschäftigte sich im Laufe dieser Tätigkeit auch mit apostolischen Gemeinschaften.

Biografie

Hutten besuchte nach der vorgeschriebenen Schulzeit von 1915 bis 1919 die Evangelischen Seminare Maulbronn und Blaubeuren und studierte anschließend Evangelische Theologie an der Universität Tübingen. 1923 legte er das erste theologische Examen ab und erhielt eine Stelle bis 1927 als Vikar in Schnaitheim und Mergentheim. Seine Promotion zum Doktor der Philosophie absolvierte Hutten 1928 bei dem Tübinger Religionswissenschaftler Jakob Wilhelm Hauer.
Weitere Stationen seines beruflichen Werdegangs waren nun:

  • 1930 Geschäftsführer beim Evangelischen Volksbund Württemberg
  • 1935 Redakteur des Evangelischen Pressedienstes (EPD)
  • 1939 Schriftleiter des Evangelischen Gemeindeblatts für Württemberg
  • 1941 Vertreter Württembergs beim Rat der Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands in Berlin

Ab Mitte 1943 wurde Hutten zum Wehrdienst eingezogen und geriet bis September 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Von 1952 bis 1960 war Hutten dann verantwortlich für das Deutsche Pfarrerblatt und leitete danach acht Jahre lang die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Stuttgart. 1970 übernahm er das Amt des „Beauftragten für religiöse Minderheiten“ innerhalb der EKD. Sein Sektenbuch Seher, Grübler, Enthusiasten – erstmals 1950 erschienen – wurde zu einem „Klassiker“. 1982 erschien es in letzter Bearbeitung, die bis 1997 noch dreimal unverändert nachgedruckt wurde.

Arbeitsphilosophie

Im Vorwort seines bekanntesten Werkes Seher, Grübler, Enthusiasten beschreibt Hutten die Ausgangsposition seiner Arbeit: "Unsere Kirche steht auf der Grundlage der Bekenntnisse der Reformation, sie ist gewiß, daß in der Botschaft von der Rechtfertigung durch den Glauben die zentrale Wahrheit der Heiligen Schrift ausgesprochen und der Schlüssel zum Verständnis des Gotteswortes gegeben ist. Von diesem Standort her habe ich habe ich auch eine Beurteilung der dargestellten Gemeinschaften versucht."

Huttens höchstes Ziel war ein grosser Dialog mit den bekanntesten Sondergemeinschaften, sprich u.a. Zeugen Jehovas, Neuapostolische Kirche, Adventisten und Mormonen. Hutten nahm mit praktisch allen Gemeinschaften Kontakt auf und sandte Publikationen über jede Gemeinschaft dieser zur Kenntnisnahme zu. Während viele Weltanschauungen nur als Protest zu präsenten Verhältnissen zu interpretieren seien, machte er sich über die wichtigsten Sondergemeinschaften die Überlegung, dass sie "Töchter der grossen Kirchen" seien und sich die grossen Kirchen deswegen fragen müssten, ob sie Schuld am sektiererischen Fundamentalismus tragen.

Hutten identifizierte sich auch mit Sondergemeinschaften und konnte ihren Unmut über Kritik aus evangelischer Position nachvollziehen: "Gelegentlich wurde ich von dem Leiter dieser oder jener Gemeinschaft gebeten, ich möge sie aus dem Buch herausnehmen, da sie keine Sekte sei. Auch wenn ich solche Wünsche nicht erfüllen konnte, habe ich für das dahinterstehende Motiv volles Verständnis".

Seine Arbeit wird heute als unverzichtbar für Theologie und Religionswissenschaft gewertet und führte schon 1960 zu einem Vertrauen aufgrund seiner Sachlichkeit und Toleranz, dass er von der EKD 1960 zum "Beauftragten für religiöse Minderheiten" ernannt wurde.

Hutten und die Neuapostolische Kirche

Neben anderen Sondergemeinschaften beklagte auch die Neuapostolische Kirche trotz der toleranten Arbeitsphilosophie Huttens, dass sie sich gewissermaßen verfolgt fühle. Diese Empfindung geht höchst wahrscheinlich auf die Aussagen in Huttens bekanntestem Werk Seher, Grübler, Enthusiasten zurück, die fundamentalistische Endzeiterwartung der Sondergemeinschaften sei eine Reaktion aus Unzufriedenheit mit der grösstenteils fehlenden Eschatologie der grossen Kirchen. Amtsträger der Kirche warnten vor Hutten als "Feind".

Als Kurt Hutten am 10. Juli 1960 die Nachricht von Stammapostel Bischoffs Tod erhielt, leitete er diese sofort an das örtliche Büro der deutschen Presse-Agentur weiter. Da er stets vom örtlichen Gemeindepfarrer in Frankfurt über Bischoffs Zustand informiert wurde, entstand die unkorrekte Geschichte, Hutten hätte evangelische Funktionäre dazu beauftragt.

Hutten vermutete das Ende der NAK, da sich die Mehrzahl [der Gläubigen] wie vor den Kopf geschlagen fühle - und nun überhaupt nichts mehr glauben wolle. Diese Vermutung stützte sich auf Stammapostel Bischoffs Aussage[1]:"Wenn ich sterben würde ... dann wäre Gottes Werk vernichtet."

Hutten und die Apostolische Gemeinschaft

Kurt Hutten hatte einen guten Kontakt zu Apostel Peter Kuhlen, insbesondere während der Botschaftszeit und nach seinem Ausschluss. Mit großem Interesse und wohlwollend verfolgte Hutten die Gründung und Entwicklung der Apostolischen Gemeinschaft. Anlässlich des Ruhestandes von Peter Kuhlen am 5. April 1970 schrieb er diesem einen ermunternden und brüderlichen Brief:

"Mit großer Bewegung habe ich im Herold gelesen, dass Sie am 5. April in den Ruhestand treten werden. Und ich habe mich gefreut, dass Ihres Lebenswerkes mit so viel Dank und Anerkennung gedacht wurde. Erlauben Sie mir, dass ich Ihnen ebenfalls die Hand reiche und Ihnen danke. ich bin zwar nur ein Außenstehender, aber ich habe die Geschehnisse und damit auch Ihren Weg mit innerer Anteilnahme verfolgt.

Es war eine tiefe Tragik, dass Sie vom Amt des Stammapostelhelfers und designierten Nachfolgers von J.G. Bischoff zurücktreten mussten - eine Tragik nicht nur für Sie, sondern auch für die Neuapostolische Kirche. Denn mit Ihnen wäre ein Mann an die Spitze getreten, der in der Bindung an das biblische Wort den maßlosen Auswucherungen des Stammapostelamtes Einhalt geboten und die ganze Kirche wieder auf eine gesunde Basis gestellt hätte.

Es war Ihnen nicht vergönnt, Ihre Überzeugung innerhalb der Neuapostolischen Kirche durchzusetzen. Aber Sie haben einen tapferen Kampf gekämpft. Wer ein wenig Einblick in die inneren Verhältnisse und die geistige Atmosphäre der Neuapostolischen Kirche jener Jahre hatte, der konnte ermessen, wie viel Mut und Glaubenskraft nötig war, diesen Kampf durchzustehen. Und nach dem durch Ihre Ausstoßung besiegelten Bruch lag die schwere Last der Sammlung und Leitung der mit Ihnen verbundenen Gemeinden auf Ihren Schultern. Sie haben sich als ein guter Hirte erwiesen, haben gleichermaßen für die äußeren Dinge wie für die geistliche Nahrung gesorgt und haben, vor allem den Gemeinden das Bild eines Apostels vorgelebt, der seine Würde nicht in geistlichen Machtansprüchen sucht, sondern in der Demut des Dienstes und der auch die Gläubigen zur Demut ruft." (zitiert nach Der Herold, 33. Jhg. Januar 1987, S. 18-19)

Würdigungen

„...einen exzellenten Beobachter der traditionellen Sekten und religiösen Sonderbewegungen, die er mit Sorgfalt, Fairness und kaum zu übertreffender Anschaulichkeit in Ihren Anliegen, Praktiken uns Glaubenssystemen beschreibt. Er war nicht der Abwehr des Sektirerischen, die ihn dabei zuerst und vor allem bestimmte, sondern eine selbstbewusste, eigene , theologische Perspektive, die auf Polemik weitgehend verzichtete und verbunden war mit der Bereitschaft, den fremden, anderen Glauben von innen her zu verstehen. Die kritische Auseinandersetzung mit religiösen Gegenwelten fand ihre Begründung in theologischen, nicht moralischen Kategorien.“

Dr. Reinhard Hempelmann: In memoriam zu Huttens 100. Geburtstag, 2001

Bedeutendste Werke

  • Nationalsozialismus und Christentum. Evangelischer Volksbund, Stuttgart 1932
  • Christus oder Deutschglaube? Ein Kampf um die deutsche Seele. Steinkopf, Stuttgart 1935
  • Ein neues Evangelium? Zu der Forderung einer „völkischen Reformation“ der Kirche. Quell, Stuttgart 1936
  • Seher, Grübler, Enthusiasten. Das Buch der traditionellen Sekten und religiösen Sonderbewegungen. Quell, Stuttgart 1950; 12. A. ebd. 1982, ISBN 3-7918-2130-X
  • Die Glaubenswelt des Sektierers. Das Sektentum als antireformatorische Konfession – sein Anspruch und seine Tragödie. Furche, Hamburg 1957
  • Weltraum, Mensch und Himmelreich. Calwer (Hefte 43), Stuttgart 1961
  • Asien missioniert im Abendland (hrsg. mit Siegfried von Kortzfleisch). Kreuz, Stuttgart 1962
  • Seelenwanderung – Hoffnung oder Alptraum der Menschen? (mit Siegfried von Kortzfleisch). Kreuz, Stuttgart 1962; 2. erg. A. ebd. 1966
  • Christen hinter dem Eisernen Vorhang. 2 Bände. Quell, Stuttgart 1962/63
  • Was glauben die Sekten? Modell, Wege, Fragezeichen. Quell, Stuttgart 1965
  • Die Presse als Kanzel? Verkündigung in der Publizistik 1938–1967. Quell, Stuttgart 1967
  • Zukunft – Paradies oder Weltuntergang? Brockhaus, Wuppertal 1974, ISBN 3-417-00471-3

Internetlinks

Quellen

  1. [Der Spiegel - Ausgabe 38/1960 vom 14.09.1960]