Jüngstes Gericht

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Darstellung des Jüngsten Gerichts aus dem 19. Jahrhundert

Das Bild vom Weltgericht oder das Jüngste Gericht ist im Matthäusevangelium und in der Offenbarung des Johannes zu finden. Manchmal wird dieses Bild auch zu den Gleichnissen von Jesus Christus gezählt.

Das Bild im Matthäusevangelium

Das Bild vom Weltgericht ist Matthäusevangelium Kapitel 25 Vers 31 bis 46 zu finden. Mit diesen Worten beendet Jesus seine Abschiedsreden.[1] Hier ist zu lesen:

„Wenn aber der Sohn des Menschen kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle Engel mit ihm, dann wird er auf seinem Throne der Herrlichkeit sitzen; und vor ihm werden versammelt werden alle Nationen, und er wird sie voneinander scheiden, gleichwie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. Und er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zur Linken. Dann wird der König zu denen zu seiner Rechten sagen: Kommet her, Gesegnete meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt an; denn mich hungerte, und ihr gabet mir zu essen; mich dürstete, und ihr tränktet mich; ich war Fremdling, und ihr nahmet mich auf; nackt, und ihr bekleidetet mich; ich war krank, und ihr besuchtet mich; ich war im Gefängnis, und ihr kamet zu mir. Alsdann werden die Gerechten ihm antworten und sagen: Herr, wann sahen wir dich hungrig und speisten dich? Oder durstig und tränkten dich? Wann aber sahen wir dich als Fremdling, und nahmen dich auf? Oder nackt und bekleideten dich? Wann aber sahen wir dich krank oder im Gefängnis und kamen zu dir? Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch, insofern ihr es einem der geringsten dieser meiner Brüder getan habt, habt ihr es mir getan.Dann wird er auch zu denen zur Linken sagen: Gehet von mir, Verfluchte, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln; denn mich hungerte, und ihr gabet mir nicht zu essen; mich dürstete, und ihr tränktet mich nicht; ich war Fremdling, und ihr nahmet mich nicht auf; nackt, und ihr bekleidetet mich nicht; krank und im Gefängnis, und ihr besuchtet mich nicht. Dann werden auch sie antworten und sagen: Herr, wann sahen wir dich hungrig, oder durstig, oder als Fremdling, oder nackt, oder krank, oder im Gefängnis, und haben dir nicht gedient? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch, insofern ihr es einem dieser Geringsten nicht getan habt, habt ihr es auch mir nicht getan. Und diese werden hingehen in die ewige Pein, die Gerechten aber in das ewige Leben.[2]

Das Bild im Korintherbrief

Der 2. Korintherbrief fasst das Jüngste Gericht wie folgt zusammen:

„Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richtstuhl Christi, auf daß ein jeglicher empfange, nach dem er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei gut oder böse.[3]

Das Bild in der Offenbarung des Johannes

In der Offenbarung des Johannes sieht Johannes folgendes Bild:

Darstellung von Albrecht Dürer aus dem Jahr 1510

„Dann sah ich einen großen weißen Thron und den, der auf ihm saß; vor seinem Anblick flohen Erde und Himmel und es gab keinen Platz mehr für sie. Ich sah die Toten vor dem Thron stehen, die Großen und die Kleinen. Und Bücher wurden aufgeschlagen; auch das Buch des Lebens wurde aufgeschlagen. Die Toten wurden nach ihren Werken gerichtet, nach dem, was in den Büchern aufgeschrieben war. Und das Meer gab die Toten heraus, die in ihm waren; und der Tod und die Unterwelt gaben ihre Toten heraus, die in ihnen waren. Sie wurden gerichtet, jeder nach seinen Werken. Der Tod und die Unterwelt aber wurden in den Feuersee geworfen. Das ist der zweite Tod: der Feuersee. Wer nicht im Buch des Lebens verzeichnet war, wurde in den Feuersee geworfen.[4]

Aus der Offenbarung 20 Vers 4 geht hervor, wer mit diesem Gericht beauftragt wird:

„Dann sah ich Throne; und denen, die darauf Platz nahmen, wurde das Gericht übertragen. Ich sah die Seelen aller, die enthauptet worden waren, weil sie an dem Zeugnis Jesu und am Wort Gottes festgehalten hatten. Sie hatten das Tier und sein Standbild nicht angebetet und sie hatten das Kennzeichen nicht auf ihrer Stirn und auf ihrer Hand anbringen lassen. Sie gelangten zum Leben und zur Herrschaft mit Christus für tausend Jahre.[5]

Deutungen

Die evangelische Kirche in Deutschland setzt dieses Endgericht mit dem Tag des Herrn gleich, das im Alten Testament immer wieder mal erwähnt wird.[6] Allerdings gibt es auch die Sichtweise, dass der Tag des Herrn mit dem Auferstehungstag Christi gleichgesetzt werden kann.[7]

In der Neuapostolischen Kirche

Die Neuapostolische Kirche geht davon aus, dass es bereits den Frommen des Alten Bundes bewußt war, dass sie nicht alle Gesetze aus dem moasischen Gesetz erfüllen konnten, allerdings stand in ihnen die Überzeugung:[8]

„Wer das Gesetz erfüllt, ist gerecht; ihm widerfährt Heil. Wer das Gesetz übertritt, ist Sünder; ihm droht das Gericht.[9]

Aus diesem Grund wird dieses Moasische Gesetz von Apostel Paulus kritisch hinterfragt und dieses Gesetz nur als Zuchtmeister bezeichnet, um auf Jesus Christus aufmerksam zu machen.[10]

Die NAK erkennt aus Matthäus 24 Vers 40 + 41 und aus Lukas 17 Vers 34, dass sich die Wiederkunft Christi und die Entrückung an einem alltäglichen Tag ereignen wird und dass hierbei bereits ein gnädiges Gerichtsurteil vollzogen wird.[11] Für neuapostolische Christen wäre die Entrückung eine Grundgewissheit des Glaubens.[12]

Nach dem Satan für eine kurze Zeit über die Erde gefegt hat, wird er bezwungen von Gott. Jetzt folgt eine Auferstehung der Toten zum Endgericht, bei dem Jesus Christus über alle Menschen richtet, die nicht bei der ersten Auferstehung dabei waren. Wessen innere Haltung sich zu Jesus Christus ausgerichtet hat und nicht den Teufel gefolgt ist, der der hat einen Eintrag im Buch des Lebens und wird somit gnädig angenommen und zum Bewohner der neuen Schöpfung.[13]

Der Tag des Herrn hat für die NAK eine andere Stellung als in der vorher genannten, er steht für die Wiederkunft von Jesus Christus.[14]

In der VAG

Bis zur Einführung des Apostolicums als neuem Glaubenbekenntnis der Vereinigung Apostolischer Gemeinschaften im Jahr 2005, glaubten auch die apostolischen Christen, dass sie bei der Wiederkunft Christi entrückt würden und so dem Jüngsten Gericht entgingen. Im aktuellen Glaubensbekenntnis ist jedoch der letzte Satz im 2. Artikel wieder eingefügt, der vorher in einem eigenen Glaubensartikel behandelt wurde. Er lautet nun:

"von dort wird er wiederkommen, zu richten die Lebenden und Toten."

Demnach glauben apostolische Christen nun, dass die Wiederkunft Christi identisch ist mit dem Jüngsten Gericht bzw. dass bei der Wiederkunft das Endgericht stattfinden wird, in dem Christus als Anwalt für die Gläubigen tätig wird.

Von 1984 bis 2005 hieß der sechste Glaubensartikel der VAG:

"Ich glaube, dass sich Jesus Christus bei seiner Wiederkunft mit seinen Erstlingen vereinigen wird. Mit Ihnen wird er im Reiche des Friedens regieren und am Ende der Zeit zum Jüngsten Gericht erscheinen und alle übrigen Menschen nach ihren Werken richten. Nachdem Jesus Christus alles untertan sein wird, schafft Gott der Vater einen neuen Himmel und eine neue Erde, darin er sein wird alles in allem."

Daraus folgte, dass apostolische Christen und anderen Christen durch ihren Glauben bei der Wiederkunft entrückt würden. Später würden sie dann am Jüngsten Gericht quasi als "Zuschauer" erscheinen.

Verwendung in Schillers Stück Die Räuber

In Friedrich Schillers Stück Die Räuber wird das Jüngste Gericht als Albtraum von Franz Moor gedeutet. Im Vorfeld wird davon berichtet wird Franz Moor seinen Bruder Karl Moor um sein Erbe betrügt und dieser zu einem Räuber wird.[15]

Im 5. Kapitel im 1. Akt, wird Franz Moor von einem Alptraum heimgesucht aus dem er verstörrt und verwirrt aufwacht.[16] Er erzählt seinem Diener Daniel davon, wie er vom Jüngsten Tag träumt und sieht wie die Toten als Gerippe auferstehen und wieder ein menschliches Aussehen erhalten. Diese Menschen werden von Gott auf einen Berg gerufen und dort begegnen ihm drei Richter.[17] Der erste hat einen großen Siegelring, der einen Zweifler als Wurm erkennt.[18] Der zweite hat einen Spiegel der Seele, der die jeweiligen Seelen in ihrer wahren Form als Schlange, Geparden und oder Tiger erkennt.[19] Der Dritte hat eine eherne Waage in der Hand, die Gedanken der Kinder Adams erkennt.[20] Als der Name von Franz Moor ertönt, wird er gewogen und seine Todsünden werden zu Gebirgsmassen, die Gott ihm nicht vergibt. Allerdings gleicht das Blut der Versöhnung das Gewicht der Berge aus, bis ein älterer Mann eine Locke in die Waagschale der Sündenberge wirft. Danach schrumpfen sie zusammen.[21] Allerdings wird jedem Menschen vergeben außer Franz Moor und er fällt in den Abgrund.[22] Sein Diener Daniel behauptet schließlich das Träume von Gott kommen würden.[23]

Kurz darauf spricht er mit dem Pfarrer Moser den er verhöhnt, während ihm der Pfarrer ruhig und sachlich antwortet.[24] Dennoch beginnt er im weiteren Verlauf Geschichte zu Gott zu beten und begeht Selbstmord nachdem auch sein Schloss abbrennt.[25]

Aus der Debatte mit dem Pfarrer und dem Vorfeld geht eindeutig hervor, dass Franz Moor auf sich langsam sein Ende vorbereitet hat und dieser Traum für ihn die Gewissheit wurde, dass er Angst vor dem Tode hatte.[26]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Matthäusevangelium Kapitel 25 Vers1
  2. Matthäusevangelium Kapitel 25 Vers 31 bis 46 in der Elbfelderübersetzung
  3. 2. Korinther 5, 10
  4. Offenbarung 20,11 - 15 in der Einheitsübersetzung
  5. Offenbarung 20,4 in der Einheitsübersetzung
  6. http://www.ekd.de/glauben/abc/juengstes_gericht%20.html
  7. Z. B. IgnMagn 9,1; Did 14,1; Barn 15,9; Justin Apol. I,67,3 ff.
  8. NAK, Katechismus der Neuapostolischen Kirche, Punkt 4.7.2 auf S. 201
  9. NAK, Katechismus der Neuapostolischen Kirche, Punkt 4.7.2 auf S. 201
  10. NAK, Katechismus der Neuapostolischen Kirche, Punkt 4.7.3 auf S. 201
  11. NAK, Katechismus der Neuapostolischen Kirche, Punkt 10.1.2 auf S. 368
  12. NAK, Katechismus der Neuapostolischen Kirche, Punkt 10.1.2 auf S. 368
  13. NAK, Katechismus der Neuapostolischen Kirche, Punkt 10.1.2 auf S. 368
  14. NAK, Katechismus der Neuapostolischen Kirche, Punkt 3.4.15 auf S. 152
  15. grobe Zusammenfassung des Stücks
  16. Reclam, Friedrich Schiller, Die Räuber, S. 127 - 129
  17. Reclam, Friedrich Schiller, Die Räuber, S. 130
  18. Reclam, Friedrich Schiller, Die Räuber, S. 130
  19. Reclam, Friedrich Schiller, Die Räuber, S. 130
  20. Reclam, Friedrich Schiller, Die Räuber, S. 130
  21. Reclam, Friedrich Schiller, Die Räuber, S. 131
  22. Reclam, Friedrich Schiller, Die Räuber, S. 131
  23. Reclam, Friedrich Schiller, Die Räuber, S. 131
  24. Reclam, Friedrich Schiller, Die Räuber, S. 132 ff
  25. Reclam, Friedrich Schiller, Die Räuber, S. 133 ff
  26. http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/105283.html