Hexenglaube

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Auch Zauberer wie Simon werden in der Bibel erwähnt

Als Hexenglaube bezeichnet man den Diskurs, der die vermeintlich reale Existenz von Hexen und ihr meist negativ geschildertes Wirken beschreibt sowie die Methoden, die zu ihrer Bekämpfung angezeigt erscheinen. Der Hexenglaube war vor allem in der Frühen Neuzeit von Bedeutung. Zu ihr zählten die damaligen Theologen, die heute oft als Hexentheoretiker bezeichnet werden, als Hauptelement den Teufelspakt, der sogleich mit dem Vertrag mit dem Teufel auch einen Abfall von Gott und somit Gotteslästerung bedeutete. Eng damit verbunden war die Vorstellung der so genannten Teufelsbuhlschaft, also Geschlechtsverkehr zwischen Hexe/Hexer und dem Teufel oder einem Incubus bzw. Succubus. Als drittes Element wurde der Hexensabbat in Verbindung mit dem Hexenflug genannt. Das vierte Element der Hexenlehre stellte die Schadenszauberei dar.

Ursprünge und historische Entwicklungen

Tituba und Abigail Williams und Betty Parris beim Vodoo-Spiel
Darstellung der Hexenprozesse von Salem

Der Ursprung dieses Hexenglaubens geht auf die griechisch-römische Mythologie zurück. Hauptsächlich wird als Ursprung auf Zauberinnen wie Medea und Circe verwiesen. Auch die griechische Göttin Hekate, wurde als Ursprung der Magie und Zauberei angesehen. Männliche Hexer, werden in der Bibel und den Apokryphen, als Zauberer bezeichnet. Die Bibel selbst geht auf die Hexerei unter anderem mit folgenden Worten aus dem 2. Buch Mose ein:

„Die Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen.[1]

Die Legenda aurea bezeichnet die Heiligen Drei Könige als Sterndeuter, Philosophen und Magier, während die Bibel daraufhin deutet, dass es sich um Könige handelt. Apostel Johannes begegnete zusammen mit dem Diakonen Philippus dem Zauberer Simon, der die Gabe der Spendung des Heiligen Geistes kaufen wollte. Nach der passenden Antwort des Apostels lässt er sich taufen.[2] In den Petrusakten gibt es noch einen Eintrag über Simon, er möchte vor Kaiser Claudius in einem Forum seine Göttlichkeit unter den Beweis stellen und erhebt sich in die Lüfte. Apostel Petrus betet, Gott solle dem Geschehen Einhalt gebieten, mit diesen Worten:

„Doch möge er nicht sterben, sondern bloß unschädlich gemacht werden und sich den Schenkel an drei Stellen brechen. Und Simon stürzte vom Himmel und brach sich den Schenkel an drei Stellen. Da warfen alle Steine auf ihn und gingen heim und vertrauten von nun an Petrus.[3]

In der Katholischen Kirche wurde die Zauberei in den Katechismus aufgenommen und ausdrücklich untersagt, da diese „schwer gegen die Tugend der Gottesverehrung“ sei, selbst wenn sie dazu dienen sollten, „Gesundheit zu verschaffen“.[4] Unheilvolle Bedeutung gewann in Europa die Hexenlehre im Zusammenhang mit den Hexenprozessen. Lieferten der Teufelspakt, die Teufelsbuhlschaft und die angebliche Schadenszauberei die Inhalte für die Zusammenstellung der Straftatbestände angeblicher Hexen, so lieferte die vermeintliche Anwesenheit an Hexensabbaten die Begründung für eine weitere Anwendung der Folter – denn schließlich galt es, weitere Hexen herauszupressen, die man doch auf dem Sabbat gesehen haben musste. Der Hexenflug, der als Zeichen für die durch den Teufel vermittelten übernatürlichen Eigenschaften der Hexen galt, gab eine Begründung für die Wirksamkeit des Hexenbades. Schwammen die angeblichen Hexen mit überkreuz gebundenen Händen und Füßen an der Oberfläche, so galt dies als Zeichen ihrer teuflischen Leichtigkeit, was oft als Indiz für die Schuld der Angeklagten galt. Ertranken sie, wie es von natürlichen Menschen zu erwarten war, galten sie als unschuldig. Ein besonders populäres Buch über die Erkennung von Hexen, war im Mittelalter der Hexenhammer von dem Dominikaner Heinrich Kramer.

In Amerika sorgten die Hexenprozesse von Salem im Jahre 1692 dafür, dass mindestens 20 Frauen hingerichtet, 55 Menschen unter Folter zu Falschaussagen gebracht, 150 Verdächtigte inhaftiert und weitere 200 Menschen der Hexerei beschuldigt wurden.[5] Ein Auslöser für die Hexenprozesse waren die Aussagen von Abigail Williams und ihrer Cousine Betty Parris. Diese Aussagen kamen zustande nach dem sich die beiden Mädchen im Winter 1691/1692 seltsam verhielten und von Anfällen heimgesucht wurden, bei denen sie mit den Armen herumgerudert haben. Durch die Aussagen der Kinder kam ans Licht, dass sie zusammen mit der Sklavin Tituba Voodoo-Spiele gespielt haben.[6] Heute wird vermutet, dass diese Reaktionen von Mutterkorn verursacht wurden.[7]

Seit vielen Jahren ist im Europa und Amerika ist der Hexenglauben ebenfalls wieder neuentfacht. Eine der bekanntesten Gruppierungen dieser Art ist die neureligiöse Bewegung Wicca.[8] Diese gehört dem Neuheidentum an. Die Religion Wicca sieht sich als die „Religion der Hexen“ an. Die meisten Anhänger bezeichnen sich als Hexen. Es gibt viele unterschiedliche Gruppierungen die unter anderem synkretistisch und eklektisch sowie anti-patriarchalisch sind.[9]

Hexerei und okkulte Gewalt in Afrika (bana bandoki)

In afrikanischen Ländern südlich der Sahara werden immer mehr Kinder der Hexerei bezichtigt, verfolgt, geschlagen und getötet. Der Kinderhexenwahn ist in Nigeria um das Jahr 2000 ausgebrochen. Die meisten „bana bandoki" („Hexenkinder") sind von ihren Familien verstoßen worden und auf der Straße gelandet. Sie gelten als zaubermächtig. Angeblich benutzen sie ihre magischen Fähigkeiten dazu, um andere Menschen zu schädigen. Viele Erwachsene sehen in ihnen die Verkörperung des Bösen. Allein in Kinshasa, der kongolesischen Hauptstadt, soll es Zehntausende verhexter Kinder geben. Die Demokratische Republik Kongo mit 65 Millionen Einwohnern, die sich zu 70 Prozent zum Christentum bekennen, ist der drittgrößte Staat Afrikas und fast sieben Mal so groß wie Deutschland. Dort sind die betroffenen Kinder oft erst neun oder zehn Jahre alt. Weil ihre Eltern befürchten, von ihren eigenen Sprösslingen durch Zauberei ins Unglück gestürzt zu werden, duldet man sie nicht mehr in der Nähe, sie müssen Haus, Familie und Dorf verlassen. In vielen Städten, aber auch auf dem Land stößt man auf Tausende verhexter Straßenkinder.

Zehntausende Minderjähriger sind von den Folgen der Bezichtigungen betroffen. Sie werden geschlagen, angekettet, verbrannt, mit Säure übergossen und nicht selten getötet. Dämonologie, Hexerei und Exorzismus wirken als probate Mittel bei der Selbstbehauptung, Abgrenzung und inneren Festigung von Glaubensgemeinschaften.

Angeblich erkennt man ein verhextes Kind daran, dass es von früh an frech ist, lügt, stiehlt und sich den Erwachsenen widersetzt. Hauptsächlich werden Kinder und Frauen wegen angeblicher Hexerei verfolgt. Männer sind weniger verwundbar, weil ihr sozialer Status solider ist. Im Fischerhafen der nigerianischen Stadt Ibaka haben sich Hexenkinder in Rudeln zusammengerottet, ausgesetzte, kranke und in panischer Angst vor Killertrupps vegetierende Jungen und Mädchen, die sich von rohen Fischabfällen ernähren. Die Überzeugung, dass es Hexen gibt, ist ein fester Bestandteil des orthodoxen afrikanischen Christentums. Besonders jene christlichen Kirchen, Gemeinschaften und Gemeinden, die der Pfingstbewegung zugehören oder ihrem Geist nahestehen, haben sich auf diesem Gebiet einen Namen gemacht: Mount Zion Lighthouse / Leuchtturm Berg Zion, Kreuzzug der geborenen Herrscher, Apostolische Kirche - Urchristliche Mission, Gemeinschaft der Sieger und Botschaft Christi.

Hexenprozesse in Afrika

Quellen über den konkreten Ablauf von Hexenprozessen zu finden, gestaltet sich als sehr schwierig. Viele Menschen, die der Hexerei bezichtigt werden, sehen nie ein Gericht: Sie werden einfach gelyncht. In Nigeria nach Angaben "Austrian Center for Country of Origin & Asylum Research and Dokumentation (ACCORD)" werden "Kinderhexen" aus ihren Dörfern vertrieben, ausgesetzt, gefoltert und getötet. Folter wird laut ACCORD auch eingesetzt, um sie zu Geständnissen zu bringen: Sie würden tagelang verhört, misshandelt, bekämen Drogen und sagten oft in Trancezuständen aus. In vielen Regionen Afrikas ist der Staat schwach. Die Menschen orientieren sich viel mehr an kleinräumigen, traditionellen Strukturen, meist "Fürstentümern", die hierarchisch organisiert sind und das Leben der Menschen nach uralten Regeln organisieren. Diese Gemeinschaften verfügen auch über eine eigene Tradtion der Rechtssprechung.

Hexenglaube in der Neuapostolischen Kirche

Heute kommt der Hexenglaube im subsaharischen Afrika wo die Neuapostolische Kirche stark vertreten ist vor. Aus Sicht der neuapostolischen Glaubenslehre gibt es weder Zauberei noch Hexerei. Exorzismen sind in der Neuapostolischen Kirche nicht üblich. Die Neuapostolische Kirche vertritt die Überzeugung, dass Jesus Christus durch sein Opfer Teufel und Dämonen endgültig die Macht genommen hat. Im Jahr 2013 Gab der Stammapostel einen Artikel an die Afrikanischen Gebietskirchen heraus der sich mit dem Phänomen des Hexenglaube befasst. Weltweit wurde in einer Sondernummer der Leitgedanken im Februar 2013 eine Zusammenfassung des ausführlichen Artikels für Afrika veröffentlicht. Die Neuapostolische Kirche versucht durch ihre Predigten und durch eine aktive Seelsorge ihre Mitglieder und dessen Umfeld davon zu überzeugen, dass Magie und Hexerei Aberglaube sind. In der Sondernummer der Leitgedanken zum Gottesdienst heisst es unter anderem:" ... Der Hexenglaube ist in weiten Teilen Afrikas verbreitet und findet sich von daher auch in der Vorstellungswelt unserer dortigen Geschwister... Weiter heißt es in dem Schreiben ...Ebenfalls ist es wichtig, deutlich zu machen, dass das, was uns widerfährt, keine Auswirkungen von Hexerei sind. Manchmal lässt Gott Dinge zu, um unseren Glauben zu prüfen. Manchmal sind unliebsame Situationen schlicht das Ergebnis unseres eigenen Handelns"...

Popkulturelle Bezüge zum Hexenglauben

Hänsel und Gretel ist eines der bekanntesten Hexenmärchen der Gebrüder Grimm

Popkulturell existieren viele Märchen, Filme, Bücher, Fernsehserien und sonstige Medien über Hexen. Wobei viele dieser fiktiven Hexen als abgrundtief böse Wesen dargestellt werden. Beispiele lassen sich in den alten Märchen Hänsel und Gretel und Schneewittchen und die sieben Zwerge finden, in dem die Hexen dafür sorgen, dass Menschen manipuliert und getötet werden. Daneben regen Hexen auch die erotischen Fantasien an, da diese beschriebenen Märchen in ihren ursprünglichen Fassungen durchaus auch erotische Szenen enthalten. Dieses Bild hat sich in Europa und Amerika verschoben, da es in der Literatur und im Film durchaus auch gute und chaotische Hexen gibt. Beispielsweise die Serie Verliebt in eine Hexe aus den 1960er Jahren, in der sich Darrin Stephens in eine Hexe namens Samantha verliebt hat und diese völlig chaotisch aber liebvoll ist. Weitere positive Hexenbilder sind beispielsweise Bibi Blocksberg, Hermine Granger (bekannt aus Harry Potter) und Sabrina Spellman (bekannt aus Sabrina – total verhext!).

Weblinks

Literatur

  • Wolfgang Behringer: Hexen und Hexenprozesse in Deutschland. dtv 2000, ISBN 3-423-30781-1.
  • Heinrich Kramer: Der Hexenhammer. Malleus maleficarum. dtv 2000, ISBN 3-423-30780-3.
  • Friedrich von Spee: Cautio Criminalis oder Rechtliches Bedenken wegen der Hexenprozesse. dtv 2000, ISBN 3-423-30782-X.
  • Brian P. Levack: Hexenjagd. Die Geschichte der Hexenverfolgungen in Europa. C. H. Beck, 2003, ISBN 3-406-42132-6.
  • Heike Albrecht: Hexenglauben, Hexenverfolgung, Hexenwahn im Deutschland der Frühen Neuzeit – Ansatz einer soziologischen Analyse. Diplomica, 2002, ISBN 3-8324-5556-6.
  • Ulrich Molitor: Von Unholden und Hexen. Originalausgabe 1489, Neu ins Deutsche übersetzt von Nicolaus Equiamicus 2008. ISBN 978-3866080898.
  • Leitgedanken zum Gottesdienst Sonderausgabe Nr.2 ISSN 1867-8661

Fußnoten

  1. 2. Mose 22 Vers 17
  2. Apostelgeschichte 8 Vers 14 - 25
  3. Petrusakten 32
  4. KKK 2117
  5. http://ehistory.osu.edu/osu/books/rid/004/index.cfm?page=1903
  6. http://homepages.rpi.edu/~caporl/home/Notes_files/Satan%20Loosed.pdf
  7. http://homepages.rpi.edu/~caporl/home/Notes_files/Satan%20Loosed.pdf
  8. Reena Perschke: Wicca, Pagan, Freifliegende. In: Religion in Berlin. Ein Handbuch. Hrsg. Nils Grübel, Stefan Rademacher. Weissensee Verlag, Berlin 2003, S. 525.
  9. Reena Perschke: Wicca, Pagan, Freifliegende. In: Religion in Berlin. Ein Handbuch. Hrsg. Nils Grübel, Stefan Rademacher. Weissensee Verlag, Berlin 2003, S. 525.