Entrückung: Unterschied zwischen den Versionen

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Mit dem Begriff '''Entrückung''' bezeichnet man in einem mythologischen oder biblischen Zusammenhang das Phänomen, dass eine Person leibhaftig aus der irdisch-konkreten Erscheinungswelt in eine himmlische Sphäre versetzt wird. Im [[Altes Testament|Alten]] und im [[Neues Testament|Neuen Testament]] werden mehrere dieser Ereignisse beschrieben. Im übertragenen Sinn wird der Begriff auch für einen Zustand „geistiger Ferne“, wie etwa im Rausch oder dem Traum, der Meditation oder der Trance verwendet.
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Mit dem Begriff '''Entrückung''' bezeichnet man in einem mythologischen oder biblischen Zusammenhang das Phänomen, dass eine Person leibhaftig aus der irdisch-konkreten Erscheinungswelt in eine himmlische Sphäre versetzt wird. Im Alten und im Neuen Testament werden mehrere dieser Ereignisse beschrieben. Im übertragenen Sinn wird der Begriff auch für einen Zustand „geistiger Ferne“, wie etwa im Rausch oder dem Traum, der Meditation oder der Trance verwendet.
  
In der Geschichte der apostolischen Bewegung spielt die Entrückung eine besondere Rolle. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird oftmals die Entrückung der Erstlinge mit "Wiederkunft Christi" bezeichnet. Früher wurde auch vielfach von der [[erste Auferstehung|ersten Auferstehung]] gesprochen.  
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In der Geschichte der apostolischen Bewegung spielt die Entrückung eine besondere Rolle. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird oftmals die Entrückung der Erstlinge mit "Wiederkunft Christi" bezeichnet. Früher wurde auch vielfach von der ersten Auferstehung gesprochen.  
  
 
== Altes Testament ==
 
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Im Alten Testament wird eine Entrückung von [[Henoch]] ({{B|1 Mos|5|24}}; {{B|Heb|11|5}}) und von [[Elia]] {{Bibel|2 Kön|2|11}} berichtet. Beide wurden demnach wegen ihres Glaubens durch [[Gott]] hinweg- und in den Himmel aufgenommen. Dabei stellte man sich den Aufenthalt in dauernder Nähe Gottes vor (vgl. [[Garten Eden|Paradies]]), bei dem die Entrückten dem Tode entzogen waren.
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Im Alten Testament wird eine Entrückung von Henoch ({{B|1 Mos|5|24}}; {{B|Heb|11|5}}) und von Elia {{Bibel|2 Kön|2|11}} berichtet. Beide wurden demnach wegen ihres Glaubens durch [[Gott]] hinweg- und in den Himmel aufgenommen. Dabei stellte man sich den Aufenthalt in dauernder Nähe Gottes vor (vgl. Paradies), bei dem die Entrückten dem Tode entzogen waren.
  
 
== Neues Testament ==
 
== Neues Testament ==

Aktuelle Version vom 14. Januar 2018, 22:01 Uhr

Mit dem Begriff Entrückung bezeichnet man in einem mythologischen oder biblischen Zusammenhang das Phänomen, dass eine Person leibhaftig aus der irdisch-konkreten Erscheinungswelt in eine himmlische Sphäre versetzt wird. Im Alten und im Neuen Testament werden mehrere dieser Ereignisse beschrieben. Im übertragenen Sinn wird der Begriff auch für einen Zustand „geistiger Ferne“, wie etwa im Rausch oder dem Traum, der Meditation oder der Trance verwendet.

In der Geschichte der apostolischen Bewegung spielt die Entrückung eine besondere Rolle. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird oftmals die Entrückung der Erstlinge mit "Wiederkunft Christi" bezeichnet. Früher wurde auch vielfach von der ersten Auferstehung gesprochen.

Altes Testament

Im Alten Testament wird eine Entrückung von Henoch (Vorlage:1 Mos (Bibel) 1 Mos 5,24 EU; Vorlage:Heb (Bibel) Heb 11,5 EU) und von Elia (Vorlage:2 Kön (Bibel) 2 Kön 2,11 EU) berichtet. Beide wurden demnach wegen ihres Glaubens durch Gott hinweg- und in den Himmel aufgenommen. Dabei stellte man sich den Aufenthalt in dauernder Nähe Gottes vor (vgl. Paradies), bei dem die Entrückten dem Tode entzogen waren.

Neues Testament

Im Neuen Testament wird in Vorlage:Offb (Bibel) Offb 12,5 EU von der Entrückung eines Kindes gesprochen. Dieses wird von einer mit der Sonne bekleideten Frau (Sonnenfrau)geboren und zu Gott entrückt. Hier wird auf die Entrückung der Erstlinge, d.h. einer Schar treuer Gläubiger, vor dem Einsetzen der großen Drangsal hingewiesen. Von diesem Ereignis spricht die Bibel öfter (1.Kor 15, 51f; 1.Thess 4, 16ff), ohne jedoch dabei das Wort Entrückung zu gebrauchen (dafür: "hinrücken", griech. harpazo/ apantäsis u.a.). Paulus weist in 1.Thess 4, 15 darauf hin, daß es sich bei dem Wissen von der Entrückung um das verläßliche Wort Christi selbst handelt. Die Entrückung ist eine Frucht der Auferstehung Christi, der der "Erstling" geworden ist unter vielen Brüdern (1.Kor 15, 23; vgl. Rö 8, 29; Kol 1, 15ff). Bei seiner Wiederkunft werden die Toten, die in Christus gestorben sind (1.Thess 4, 16), auferweckt und unmittelbar in den Himmel aufgenommen (V. 17). Gleichzeitig geschieht die Entrückung und Vollendung derer, die noch leben und Christus angehören (1. Thess 4, 15-17; vgl. 1. Kor 15, 52). Sie werden "verwandelt", d.h. mit einem neuen Leib ausgestattet. (1.Kor 15, 44-58; 2. Kor 5, 2ff) Sodann werden sie zu Christus emporgerückt, um für ewig bei ihm zu sein (1.Thess 4, 17).[1]

Nach 1.Kor 15, 23f stellt die Entrückung. einen besonderen Abschnitt in der Heilsgeschichte Gottes dar. Sie ist von dem letzten Gericht, dem die zweite Auferstehung unmittelbar voraufgeht, zu unterscheiden. Die Entrückung ist somit ein fester Bestandteil der christlichen Erlösungshoffnung.

Für die Lehre von der Entrückung werden ferner die Worte Jesu aus Matthäus 24,40-41 herangezogen: "Dann werden zwei auf dem Felde sein; einer wird angenommen, und der andere wird verworfen werden. Zwei werden mahlen auf der Mühle; eine wird angenommen, und die andere wird verworfen werden."


Frühere Entrückungs-Lehren

In der frühen Christenheit finden sich Zeugnisse, dass der Glaube an eine Entrückung der Erstlinge sehr lebendig war. Im ersten Clemensbrief(ungefähr um 96 n. Chr. geschrieben) finden sich Hinweise hierauf. Möglicherweise bezieht sich Clemens auf Philipper 4,3 „Wahrhaftig, Sein Wille wird sich bald und plötzlich erfüllen, wie auch die Heilige Schrift bezeugt, indem sie sagt, ‚Er wird schnell kommen und es nicht hinauszögern’“. Weiterhin findet sich in der um 70 - 180 n. Chr.entstandenen Didache in Kapitel 16, Abs. 1: „Sei während deines Lebens ständig wachsam; mach deine Lampe nicht aus, lass deine Lenden nicht unbekleidet, sondern sei bereit, weil niemand die Stunde kennt, in der der Herr zurückkehrt.“

In der byzantinischen apokalyptischen Tradition vertrat Pseudo-Ephraem im 4. Jahrhundert ein Konzept, dass zwischen der Entrückung der christlichen Gemeinde und der Wiederkunft Christi (Parusie) 3 1/2 Jahre ansetzte. Er meinte, die Trübsalszeit würde so lange dauern.[2] Fra Dolcino († 1307) lehrte die Entrückung und die zeitlich davon abgesetzte Wiederkunft Christi auf der Erde. Dolcino war der Ansicht, dass nur seine Gruppe der Apostelbrüder entrückt würde.[3] Der Baptist Morgan Edwards publizierte in Philadelphia 1788 ein Buch, in dem er wie Pseudo-Ephraem die Ansicht mit den 3 1/2 Jahren zwischen Entrückung und Wiederkunft Christi lehrte.[4]

Entrückung im 19. Jahrhundert

Bis in das 19. Jahrhundert spielte die Entrückung für die christliche Lehre nur eine marginale Rolle und wurde meist als detaillierte Beschreibung der zweiten Wiederkunft Christi gesehen. Populär wurde sie vor allem durch John Nelson Darby, der in den 1830er Jahren die Lehre von einer zukünftigen Trübsalszeit mit Verweis auf Mt 24 und Mk 13 verbreitete. Diese sogenannte Große Trübsal wurde von den Kirchenvätern und Reformatoren wie Martin Luther oder Johannes Calvin als Ereignis gesehen, das in der Vergangenheit liegt und im Zusammenhang mit der Tempelzerstörung im Jahr 70 n. Chr. und der darauffolgenden Judenverfolgung gesehen wurde. Ein Teil der neocalvinistischen Bewegung ist immer noch dieser Meinung. Seit Darby hat sich in grossen Teilen der evangelikalen Bewegung die Deutung verbreitet, dass die Entrückung am Ende der Weltgeschichte liege. Es folgte eine Diskussion, ob die Entrückung – die nun losgelöst vom zweiten Kommen Christi gesehen wurde – vor/während oder nach der Großen Trübsal eintreten werde, wobei die Vorentrückungslehre am weitesten verbreitet ist.

Bemerkenswert ist jedoch die Quelle aus der Darby schöpfte: Besonders für Darby und seine Entwicklung der Lehre von der Entrückung waren die Ereignisse um die Erweckung in Westschottland. Dort hatte im Frühjahr 1830 Margaret MacDonald eine Vision, dass ein Teil der Gemeinde Christi, nämlich besonders zugerüstete und versiegelte Gotteskinder vor dem Auftreten des Antichrists entrückt werden würden, und nicht die Läuterung der großen Drangsal ausstehen müssten. Im Sommer 1830 reist Darby nach Schottland, um die dortigen Ereignisse zu prüfen. Für zwei bis drei Wochen wohnt er bei der Familie Campbell, lernte dort auch die Brüder James MacDonald, George MacDonald und Margaret MacDonald kennen und hörte sie in Zungen reden. Später berichtet er über diese Ereignisse in der Schrift "The Irrationalism of Infidelity". Er stand jedoch den Geistesgaben skeptisch gegenüber. Er nennt die Vorgänge in Port Glasgow eine "Verblendung". Er sei dort zwar freundlich, aber nur als Prüfender, der noch nicht glaubt, zugelassen worden. Auffallend ist jedoch, dass Darby 1829 die Lehre von der Vorentrückung nicht kannte, nach 1830 diese Lehre jedoch vertrat. [5]


Die Brüderbewegung, der Darbyismus des 19. Jahrhundert formulierte die Lehre von der Entrückung im Zuge des Dispensationalismus. Dies erfolgte in Anlehnung an die katholisch-apostolische Lehre der Periodisierung. Der Dispensationalismus lehrt eine prämillenaristische Eschatologie, in der eine 1000-jährige Herrschaft Jesu Christi über die Erde erwartet wird. Dieser Herrschaft gehe eine Große Trübsalszeit voraus, in der der Antichrist über die Erde herrsche. Christen würden laut dispensionalistischen Vorstellungen vor/während oder nach der Trübsalszeit von der Erde entrückt. Eine Veranschaulichung ist im Alten Testament das Bild von Henoch, der vor dem grossen Gericht (Sintflut) entrückt wurde. Als biblische Belegstellen werden 1 Kor 15,23.51.52 EU, Lk 17,34-36 EU und vor allem in 1 Thess 4,16ff. EU herangezogen. Laut der dispensationalistischen Auslegung dieser Stellen würden von einem Moment auf den anderen sämtliche gläubigen Christen in einer Art Himmelfahrt von der Erde verschwinden. Das zugrundeliegende griechische Verb harpazo, das mit entrücken übersetzt wurde, bedeutet an sich reißen, rauben. Matthäus 24,40: Dann werden zwei auf dem Felde sein. Der eine wird angenommen, der andere nicht.


In der evangelikalen Bewegung ist die Ansicht verbreitet, dass Jesus Christus zusammen mit seiner zuvor entrückten Gemeinde am Ende der Trübsalszeit und vor dem Millennium auf die Erde zurückkommen würde. Die Lehre von der Entrückung fand also aus katholisch-apostolischen Kreisen über Darby und die Brüderbewegung Eingang (oder Wiedereingang) in weite Kreise des protestantischen Christentums.

Entrückung in der apostolischen Bewegung

Zeitpunkt der Entrückung

Basierend auf Apg 1,7 EU gehört es zur gängigen theologischen Lehrmeinung, dass der exakte Zeitpunkt der Entrückung weder berechnet werden kann noch darf. Hingegen unterstützen viele Autoren, dass es bezüglich von anderen in der Bibel angekündigten Ereignissen durchaus die Möglichkeit einer plausiblen Abfolge-Einordnung ergibt. So hat Mark Hitchcock in der christlichen Fachliteratur vier verschiedene Hauptmodelle entdeckt: Die Entrückung vor der Großen Trübsal, nach 3 1/2 Jahren der auf sieben Jahre veranschlagten Trübsalszeit, nach der Trübsalszeit oder nach 5 1/2 Jahren innerhalb der Trübsalszeit. Das letztere Denkmodell ist in der Literatur nicht so verbreitet. Es geht davon aus, dass die Entrückung vor der Öffnung des siebten Siegels Vorlage:Offb (Bibel) Offb 8,1 EU stattfinden wird.[6]

„Christen mögen uneins sein über den Zeitpunkt oder über die Ereignisse, die sich um sein Kommen herum abspielen werden, und manche erkennen die verschiedenen Stadien seines Kommens nicht an. Aber alle stimmen darin überein, dass er wiederkommen wird, um die Toten aufzuerwecken und zu richten, ehe er sie in die Ewigkeit führt.“

Tim LaHaye: Die Entrückung[7]

Verweise

  1. http://www.johannesoffenbarung.de/entrueck.htm
  2. Mark Hitchcock: Könnte die Entrückung heute stattfinden? Christlicher Mediendienst, Hünfeld 2008, ISBN 978-3-939833-13-0, S. 116.
  3. Mark Hitchcock: Könnte die Entrückung heute stattfinden? Christlicher Mediendienst, Hünfeld 2008, ISBN 978-3-939833-13-0, S. 118f.
  4. Mark Hitchcock: Könnte die Entrückung heute stattfinden? Christlicher Mediendienst, Hünfeld 2008, ISBN 978-3-939833-13-0, S. 120.
  5. H. Stadelmann, "Die Entrückung – vor oder nach der Trübsal? Über den Ursprung der Vorentrückungslehre", in: Die Botschaft, 124. Jhg., Dez. 1983, 6f.
  6. Mark Hitchcock: Könnte die Entrückung heute stattfinden? Christlicher Mediendienst, Hünfeld 2008, ISBN 978-3-939833-13-0, S. 58f.
  7. Tim LaHaye: Die Entrückung. Wer muss durch die Trübsal? Christliche Verlagsgesellschaft, Dillenburg 2005, ISBN 3-89436-459-9, S. 102.

Siehe auch