Enkhuizen

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Enkhuizen (Westfriesisch: Henkhúze) ist eine niederländische Stadt im Norden der Provinz Nordholland der Region West-Friesland. In der Gemeinde wohnen 17.724 Menschen (Stand Januar 2006). Enkhuizen ist ein für die apostolische Geschichte der Niederlande bedeutender Ort. In Enkhuizen bildete sich die zweite Gemeinde der HAZK. Viele wichtige Personen der apostolischen Bewegung in den Niederlanden stammen aus Enkhuizen und Umgebung. Noch heute finden sich in der Kleinstadt Enkhuizen nahezu alle apostolischen Gruppierungen der Niederlande. Bei der Volkzählung 1947 gaben nahezu 4% der Bevölkerung an "apostolisch" zu sein. Dies war der höchste Wert in einer niederländischen Kommune.

Vorgeschichte

Das geistliche Klima in den angestammten niederländischen Kirchen hatte sich für etliche, welche nach Wärme und Geborgenheit suchten, abgekühlt und war in amtskirchlichen Strukturen erstarrt. Sie sprachen von einer "kargen Wüste" und "fehlender Seelennahrung". Im Jahr 1855 hatten sich in Enkhuizen einige Leute versammelt, die sich selbst die "Waarheidsvrienden" (Wahrheitsfreunde) nannten. Sie trafen sich zu Gebetsversammlungen. Diese fanden nicht parallel zu den landeskirchlichen Gottesdienszeiten statt, da die Wahrheitsfreunde Zwietracht vermeiden wollten. Bei einer Auktion im April 1860 wurde ein Gebäude erworben. Es war die Immobilie Westerstraat 172, wo heute das Dokumentationszentrum der Apostolisch Genootschap untergebracht ist (Dieses Zentrum wurde mittlerweile auch geschlossen). Der Preis betrug 860 Gulden. Hierfür wurde eine Hypothek von 400 Gulden aufgenommen. Kurz darauf stellte die Gesellschaft einen Evangelisten ein: Gerrit Frederik Lankamp.

Am 4. Mai 1865 wurde eine Satzung erlassen und der Name ‘Vereniging tot verbreiding der Waarheid’ (Vereinigung für die Verbreitung der Wahrheit) angenommen. Artikel 2 dieser Satzung lautet: "Das Ziel des Vereins ist: Förderung von Wissen der biblischen Geschichte und der Heimat durch öffentliche Lesungen, Vorträge, Verteilung von Schriften, Zusammenkünfte und Schulen, in denen christliche Erziehung genossen wird."

Die Mitglieder hatten einen Sendungsauftrag. Es folgte eine Ausbreitung der Tätigkeit nach Hoorn, Purmerend und Medemblik. In Enkhuizen selbst wurde sogar einige Zeit eine Schule betrieben. Im kommunalen Jahresbericht von 1869 heißt es, dass eine Schule von einer "christlichen Sekte" geschlossen wurde, weil der Lehrer nicht befugt erscheint, zu lehren.

Schwarz in Enkhuizen

Ehemaliges Kirchengebäude HAZGEA/Später ApGen, heute Blumenladen

Die Mission des Apostel Friedrich Wilhelm Schwarz erreichte bald Enkhuizen. Einige Mitglieder der "Wahrheitsfreunde" besuchten seine Gottesdienste in Amsterdam und luden ihn ein nach Enkhuizen kommen. Im Jahr 1869 besuchte er die Enkhuizer Gruppe. Nach seinem ersten Besuch in Enkhuizen liessen sich 160 Menschen versiegeln. Einer der Männer, die zuerst von den Ideen von Schwarz überzeugt wurden, war der Zimmermann Tjipke Korff (1844-1917). Er wurde von einer Krankheit, die durch die Handauflegung von Lankamp geheilt und war vom apostolischen Glauben fasziniert.

Prophetisch folgten sehr schnell Berufungen zu Ämtern: Ein Freund von Korff, selbst auch Tischler, Jacob Kofman (1843-1911) wurde zum Evangelisten und Everhardus Smit zum Propheten gerufen und am 12. Dezember 1869 wurde der 25-jährige Korff zum Hirten berufen. Die Hersteld Apostolische Zendingkerk (HAZK) in Enkhuizen war geboren. Im Jahre 1878 wurde Kofman zum Bischof berufen.

Teile der Bürgerschaft von Enkhuizen waren der neuen Gemeinde gegenüber feindselig gesonnen. So wurden beispielsweise die Fenster in den Versammlungsraum in der Westerstraat mit Steinen beworfen. In den 1890er Jahren - mehr als dreißig Jahre später- wurde das Gebäude nach den Entwürfen von Korff umgebaut, so wie es heute noch aussieht.

Die Spaltung von 1897 in Enkhuizen

Apostel Jacob Kofmann (Foto aus der Neuapostolischen Rundschau)

Auch in Enkhuizen spaltete sich 1897 die Hersteld Apostolisch Zendingskerk in zwei Gruppen auf. Ursache war die Nachfolge von Apostel Schwarz. Der gerufene Nachfolger von Schwarz, Martinus van Bemmel, wurde nach kurzer Zeit von Apostel Friedrich Krebs für abgesetzt erklärt. Die Ursachen der Spaltung lagen jedoch tiefer: Streitpunkte waren die Stellung des Prophetenamtes, die Vereinheitlichung der apostolischen Gemeinden unter Krebs - kurz die sogenannte Lehre vom Neuen Licht. Auch die Gemeinde in Enkhuizen spaltete sich in zwei Gruppen: Zum einen die Gruppe um Apostel Martinus van Bemmel, zum anderen die Gruppe um den deutschen Apostel Friedrich Krebs. Die Anhänger van Bemmels nannten sich weiterhin Hersteld Apostolische Zendingskerk, die Gruppe um Krebs nannte sich zur Unterscheidung Hersteld Apostolische Zendinggemeente in de Eenheid der Apostelen (HAZEA). Die alten Glaubensbrüder, Freunde und Kollegen Tjikpe Korff und Jacob Kofman hatten sich fortan nichts mehr zu sagen. Korff blieb Vorsteher der HAZK-Gemeinde, Bischof Kofman wurde kurze Zeit später zum Apostel der HAZEA gerufen.

Weitere Entwicklung der HAZEA bis 1925

Die HAZEA behielt nach 1897 das Kirchengebäude im Nieuwsteeg, heute Westerstraat 172. Juristisch war nämlich die Gruppe um Kofman Rechtsnachfolger der Schwarz'schen HAZK. Jedoch befand sich das Kirchengebäude von Enkhuizen noch im Besitz der Gesellschaft zur Verbreitung der Wahrheit, welche es im Jahr 1860 erworben hatte (diese Gesellschaft hatte juristisch immer noch Bestand). Durch notariellen Kaufvertrag von 19. Januar 1906 kaufte diese Vereinigung - vertreten durch die Herren Kofman, Van Oosbree und Folkert Posthuma - das Kirchengebäude an die HAZEA - vertreten durch die Herren Kofman, Posthuma und Van Oosbree! Es wird also deutlich, dass die Vereinigung zur Verbreitung der Wahrheit personell identisch mit der HAZEA Ortsgemeinde Enkhuizen war. Posthuma aus Enkhuizen war zu jener Zeit auch die Hausdruckerei der landesweiten HAZEA.

Apostel Kofman starb 1911. Bereits 1910 wurde von Krebs sein Stellvertreter Johannes Hendrik van Oosbree (1862-1946) benannt. Er war ein Lebensmittel-Großhändler, der von Amsterdam nach Enkhuizen gezogen und sich dort in der Westerstraat 13 niedergelassen hatte.

Spaltung in der HAZEA 1925/26

Der Sohn des im Jahr 1869 bereits berufenen Propheten Everhardus Smit, Hendrikus Jacobus Smit (1882-1965), heiratete im Jahr 1911 eine Tochter des Apostels Van Oosbree. Kurz zurvor war er bereits Priester der HAZEA-Gemeinde in Enkhuizen. Smit lebte und arbeitete viele Jahre als Barbier an der Ecke von Westerstraat und Bagijnestraat. Er sah die Entwicklungen der HAZEA unter van Oosbree kritisch. Letztendlich kam es zwischen van Oosbree und seinem Schwiergersohn zu einem Bruch. 1925 wurde Smit von van Oosbree als Vorsteher und Evangelist amtsenthoben. Gleichzeitig wurde Smit und seiner Familie der Zugang zur Kirche und zu den Gottesdiensten verboten. Ab dem 30. Oktober 1926 begann Smit eigene Gottesdienste mit einer ihm gefolgten Schar von rund 40 Seelen in Enkhuizen zu halten: Die Hersteld Evangelische Apostolische Gemeente (HEAG) war entstanden.

HAZEA 1925 bis 1948

Später trennte sich auch die Gruppe unter dem Nachfolger Smits, Hirte Grootfeld, von der HAZEA und bildete die Nieuwe Hersteld Apostolische Zendingsgemeente. 1948 ging fast die gesamte Gemeinde in die Apostolische Genootschap über.

Die HAZK von 1897 bis 1969

Ehemalige HAZK 1900-1971,KAK-van der Poorten 1971-etwa 2010

Die Gruppe um Apostel van Bemmel, in Enkhuizen repräsentiert durch Korff, hatte im Jahr 1897 im materiellen Sinn alles verloren - das Kirchengebäude in der Westerstraat blieb bei der Gruppe um Kofman (HAZEA). Zunächst versammelte sich die Enkhuizer HAZK-Gemeinde in einem Konferenzraum an der Zuider Havendijk. Dieser erwies sich jedoch bald als zu klein. Es wurde ein Verein "‘De Apostolische Kas’" (Die Apostolische Kasse) gegründet. Diese verwaltete die Opfergaben der Gläubigen und fand bald für die Gemeinde ein neues zu Hause. Die "Apostolische Kas" kaufte ein Stück Land an der Vijzelstraat. Es wurde eine Kirche errichtet und ein Haus für den Hirten Korff. Als Schreiner-Unternehmer, entwarf er die Anlage selbst, wie er es auch schon zuvor in der Westerstraat 172 getan hatte. Der Enkhuizer Courant schrieb am 9. Mai 1900, dass am Montag morgen der Apostel M. van Bemmel den Grundstein für die neue Kirche am Nieuwe Rietdijk/Vijzelstraat gelegt hatte. Bereits am 7. November wurde von der gleichen Zeitung berichtet, dass Apostel Van Bemmel (1862-1925) die Kirche am Sonntag zuvor einweihte. Das Kirchengebäude hat 200 Sitzplätze und eine Pfeifenorgel. Über der Tür wurde ein Stein mit Text eingelassen. Die für den Kirchenbau aufgenommenen Kredite wurden im Laufe der nächsten zehn Jahre abbezahlt. Am 1. Juli 1917 starb Tjipke Korff im Alter von 73 Jahren. Die Amtsnachfolge trat H. van der Beek an. In den folgenden Jahren ist nicht viel über diese Gemeinde zu sagen. Die Kirchengemeinde scheint eine etwas introvertierte Gruppe aus einer kleinen Zahl von Familien zu sein. Berühmte Namen der Amtsträger sind Freek Sietses, Cor de Graaf, Wouter van der Ent und Peter Leek. Ein bekanntes Mitglied war auch der Organist Nico Schouten.

Die Nachfolgegemeinschaften der HAZK nach 1969

Die Krise der HAZK 1969-1971, die zu einer Spaltung in drei Gruppen führte, lies auch Enkhuizen nicht unberührt. Ein Teil wandte sich der Hersteld Apostolische Zendingkerk II (HAZK II) zu, ein Großteil der Gemeinde folgte zunächst Apostel Jacob van der Poorten - ein dritter Teil verliess die HAZK für immer, wie bspw. das Enkhuizener Gemeindemitglied Gerrit Zalm - später niederländischer Finanzminister.

HAZK II

Ehemalige Synagoge- seit 1985 Kirche der HAZK II in Enkhuizen

Die Gruppe, die 1969 die HAZK unter Jasper Schaap verliess, hielt zuerst Gottesdienste im Lutherhaus in der Breedstraat, dann in der lutherischen Kirche selbst, und schließlich im Jahr 1985 fanden sie ihre neues Zuhause in der ehemaligen Synagoge an Zuider Havendijk.

Katholiek Apostolische Kerk

Die Gemeinde in der Vijzelstraat folgte überwiegend Van der Poorten. Die Gemeinde führte 1971 wieder die katholisch-apostolische Liturgie ein. Sie wurde in dieser Zeit von Bischof/Engel Otto Broksma geleitet. In der Folge entfernte man auch mit Hammer und Meißel aus dem Stein über dem Kirchenportal den alten Text aus dem Jahr 1900 über dem Kirchenportal. 1999 kam es in dieser Gemeinde wieder zu einer Spaltung. Ein Großteil der van der Poorten-Gemeinde in Enkhuizen schloss sich - angeregt durch eine Prophetie - der altkatholischen Kirche in der Breedstraat an. Ein paar Dutzend versammeln sich jedoch immer noch in der mehr als 100 Jahre alten Kirche in der Vijzelstraat.

Het Apostolisch Genootschap

Bei der Spaltung der Hersteld Apostolische Zendinggemeente in de Eenheid der Apostelen (HAZEA) ging in den Jahren 1946-51 nahezu die gesamte Gemeinde Enkhuizen in der Gefolgschaft von Lambertus Slok zur 1951 gegründeten Apostolisch Genootschap über. Diese Gruppe behielt auch das alte Kirchengebäde in der Westerstraat 172. Hier versammelte die Gemeinde sich bis 1992. 1992 wurde ein Neubau in Schans 1 bezogen. Das alte Kirchengebäude wurde bis 2004 als Dokumentationszentrum genutzt. Dieses Zentrum zog 2004 nach Baarn um. Heute befindet sich in dem Gebäude in der Westerstraat ein Blumengeschäft.

Gemeente van Apostolische Christenen

In Enkhuizen existiert eine Gemeinde der GvaC noch aus der Zeit der Hersteld Evangelische Apostolische Gemeente von Apostel Hendrikus Jacobus Smit. Die Gemeinde hat ein eigenes Kirchengebäude. Leiterin der Gemeinde ist die Hirtin Ineke Ras.

Heutige Situation (2011)

Heute gibt es in Enkhuizen folgende apostolische Gruppen:

  • Hersteld Apostolische Zendingskerk (II): Gottesdienst sonntags 10.30 und 17 Uhr - Zuider Havendijk 25.
  • Gemeente van Apostolische Christenen: Gottesdienst sonntags 10 Uhr, Nieuwstraat 14.
  • Apostolisch Genootschap, Versammlung sonntags 10 Uhr, Schans 1.

Apostolische Persönlichkeiten aus Enkhuizen

Geboren in Enkhuizen

Gewohnt in Enkhuizen

  • Johannes Hendrik van Oosbree

Weblinks