Edward Irving

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Edward Irving um 1825

Edward Irving (* 4. August 1792 in Annan, Dumfriesshire; † 8. Dezember 1834 in Edinburgh) war einer der Wegbereiter der katholisch-apostolischen Gemeinden.

Fälschlicherweise wurde die katholisch-apostolische Bewegung bis ins späte 20. Jahrhundert auch "Irvingianismus" und die Mitglieder "Irvingianer" genannt. Dies geht von der historisch falschen These aus, Edward Irving sei der Gründer dieser Bewegung und deren prägende Gestalt gewesen.


Werdegang

Edward Irwing, ca. 1823

Irving entstammt einer schottischen Farmerfamilie, die auf französische protestantische Flüchtlinge zurück geht. Interessant ist auch, daß Edward Irving mütterlicherseits den Reformator Martin Luther als einen seiner Vorfahren bezeichnen konnte. Mit dreizehn Jahren besucht er bereits die Universität Edinburgh, wo er 1809 graduiert. In seine Freizeit widmete sich Irving nicht nur mathematische und physikalische Wissenschaften, sondern er las auch viel in der englischen Literatur. Bekannt war seine Vorliebe für die Antike in Stimmung und Stil. Richard Hooker war sein Lieblingsautor. Mit 18 Jahren nahm er eine Stelle als Lehrer an. Er beherrschte mehrere Sprachen. Als Zwanzigjähriger übernahm Irving die Leitung als Rektor der neuen Schule in Kirkcaldy, wo hauptsächlich Mathematik gelehrt wurde. 1823 heiratet er Isabella Martin, obwohl er eigentlich in Jane Welsh, die spätere Frau des Schriftstellers Thomas Carlyle (nicht der Apostel!) verliebt war. 1815 erhält er die Predigterlaubnis der Schottisch Presbyterianischen Kirche. Um eine kirchliche Anstellung zu bekommen, zieht er 1818 nach Edinburgh um. 1819 wird er auf Initiative von Dr. Thomas Chalmers als sein Assistent und Missionar an die St. John Pfarre in Glasgow berufen. 1822 wird er Prediger an einer kleinen, neu gegründeten Gemeinde der schottischen Nationalkirche in London, wo er einen "kometenhaften Aufstieg" erlebt.

Zuwendung zur katholisch-apostolischen Bewegung

Karikatur von Edward Irving. Gezeichnet von Isaac Robert Cruikshank ca. 1824
Edward Irving, in einer Skizze im September 1823 veröffentlicht.

Seit Jahren beschäftigt ihn das Phänomen der Prophetie. Durch seinen Freund, den Londoner Bankier Henry Drummond wird er zu den "Albury-Konferenzen" auf dessen Landsitz eingeladen. Er ist deren prominentester Gast und sie wiederum prägen ihn, so dass der Heilige Geist und das Wesen der Kirche der Mittelpunkt seines theologischen Denkens wird. Er übersetzt zu jener Zeit auch Manuel Lacunzas "Das Kommen des Messias" vom Spanischen ins Englische. Im Mai 1828 unternimmt er eine Evangelisationsreise in seine schottische Heimat. Wegen des großen Erfolges wiederholt er sie im folgenden Jahr. Dabei stößt er erstmals auf Ablehnung bei dortigen Predigern.

Aufgrund der Arbeit von James Haldane Stewart kommt es 1830 in Schottland zu geistigen Erweckungen. Diese stoßen auf großes Interesse des Albury-Kreises und werden von dort, insbesondere durch John Bate Cardale geprüft und als göttlich anerkannt.

Cardale wird bald aus der anglikanischen Kirche ausgeschlossen und hält zur Gemeinde Irvings. Dieser erlebt bald darauf selbst die Geistesgaben und lässt sie in seinen öffentlichen Gottesdiensten zu. Damit verstößt er gegen die Ordnung der schottischen Nationalkirche und wird am 2. Mai 1832 ausgeschlossen. Bereits vier Tage später hält er vor 800 Gläubigen einen eigenen Gottesdienst in einem gemieteten Saal.


Tätigkeit in der katholisch-apostolischen Gemeinde

Gedenktafel von Edward Irving Claremont Square, London.

Die Londoner charismatische Erweckungsbewegung steht vor einem Wendepunkt. Derartige Bewegungen lösen sich entweder schnell auf oder beschreiten den Weg der "Kirchwerdung". Die Bewegung entscheidet sich - von Albury ausgehend - für die zweite Möglichkeit. Dort wird die erste katholisch-apostolische Gemeinde gegründet. Später wird Cardale in Irvings Gemeinde zum Apostel gerufen. Das ist eine neue Situation, denn nun liegen alle Vollmachten und Befugnisse beim Apostel und nicht mehr beim Prediger Irving. Diesem wird am 13. März 1833 in seiner schottischen Heimatgemeinde Annan ein kirchlicher Prozess gemacht, der zum endgültigen Ausschluss und zum Verlust der Ordination führt. Der erfolgsgewohnte Prediger muss sodann, zurück in London, erfahren, dass ihm der Apostel Cardale eine Taufe verweigert, weil ihm die Ordination fehlt. Am 5. April 1833 wird Irving jedoch zum Engel (=Bischof) der Gemeinde London-Central gerufen und ordiniert.

Im Frühjahr 1834 baten der Apostel John Bate Cardale und Apostel Henry Drummond so wie die Gemeindemitglieder der London-Central Gemeinde, Edward Irving sich doch einige Monate Ruhe zu gönnen, damit seine Gesundheit wieder hergestellt werden konnte. Ihm wurde eine Summe angeboten, die mehr als hinreichend war, den Winter in Madeira, Teneriffa oder Ägypten zu verbringen, damit in diesem milden Klima seine kranke Lunge ausheilen konnte. Irving lehnte ab.

Anderthalb Jahre später nach seiner Weihe zum Engel, am 8. Dezember 1834, stirbt er auf einer Reise nach Schottland im Alter von nur 42 Jahren und noch bevor er ein großes Wirken im Dienste der "neuen" Kirchenabteilung entfalten konnte an einer Lungenkrankheit. Deshalb ist es historisch falsch und Irving selbst hatte es immer verworfen, dass die katholisch-apostolische Bewegung "Irvingianer" genannt wurde.

Seine letzten Worten sollen " O die Tiefe des Friedens und der Freude in Christo Jesu" - nach anderen Angaben: "Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir so sterben wir dem Herrn" (Röm 14,8) - gewesen sein.

Bemerkenswert ist, dass Irving nach seinem Tod von Seiten der Schottischen Nationalkirche hochgeehrt wurde. Sein Leichnam wurde auf Ersuchen des Kapitels der St.Mungo Kathedrale von Glasgow dort begraben. Er wurde in der Krypta der Kathedrale unter dem Altar beigesetzt. Auch ist Irving in der Kathedrale auch noch auf andere Art und Weise verewigt: Ein Glasfenster mit der Darstellung Johannes des Täufers zeigt die Gesichtszüge Irvings.

Veröffentlichungen

  • For the Oracles of God, Four Orations (1823)
  • For Judgment to come (1823)
  • Babylon and Infidelity foredoomed (1826)
  • Exposition of the Book of Revelation (1831)
  • Introductions to The Coming of the Messiah, and to Horne's Commentary on the Psalms.

Seine gesammelten Schriften wurden 1864–65 in fünf Bänden von Gavin Carlyle herausgegeben.

Quellen

  • Reichsgottesgeschichte
  • Life of Edward Irving: Fore-Runner of the Charismatic Movement
  • Die Katholisch-apostolischen Gemeinden in Deutschland und der Fall Geyer
  • Apostel und Propheten der Neuzeit - Gründer christlicher Religionsgemeinschaften des 19. und 20. Jahrhunderts
  • Neue Apostelgeschichte

Literatur

  • Margaret Oliphant: The Life of Edward Irving, Minister of the National Scotch Church, London. 2 Bände. Hurst & Blackett, London 1862.
  • Theodor Kolde: Edward Irving. Ein biographischer Essay. Deichert, Leipzig 1901.
  • Graham W.P. McFarlane: Edward Irving: the Trinitarian face of God ISBN 9780715207192
  • Andrew Landale Drummond: Edward Irving and his Circle, including some consideration of the ‘Tongues’ movement in the light of modern psychology. James Clarke, London 1937.
  • Henry Charles Whitley: Blinded Eagle. An introduction to the life and teaching of Edward Irving. SCM, London 1955.
  • Charles Gordon Strachan: The Pentecostal Theology of Edward Irving. Darton, Longman & Todd, London 1973.
  • Arnold Dallimore: Life of Edward Irving: Fore-Runner of the Charismatic Movement ISBN 0851513697
  • Letzte Briefe von Edward Irving - Oekumenisches Institut Lüdenscheid

Weblinks