Albury-Konferenzen

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Die Albury-Konferenzen fanden zwischen dem 28. November 1826 und dem 5. Juli 1830 insgesamt fünfmal für jeweils eine Woche, überwiegend in der Adventszeit, auf dem Landsitz Henry Drummonds in Albury statt. Mit den Albury-Konferenzen begann sich die katholisch-apostolische Bewegung zu formieren, die später zur Entwicklung der katholisch-apostolischen Gemeinden führte. Es nahmen ca. 50 Personen an den Konferenzen teil. Davon gehörte der größte Teil zur anglikanischen Kirche, ein Viertel waren Presbyterianer und Dissenter. 30 Teilnehmer waren Theologen, der Rest gesellschaftlich meist hochgestellte Laien. Von den gesamten Teilnehmern wandte sich nur ein kleiner Teil, nämlich zehn Männer den katholisch-apostolischen Gemeinden zu.

(siehe hierzu: Teilnehmer der Albury-Konferenzen)

Vorgeschichte

Angeregt durch die 1820 von Reverend James Haldane Stewart, einem Geistlichen der englischen Kirche, erfolgte die Herausgabe eines Flugblattes mit der Überschrift „Winke für die Abhaltung einer allgemeinen Gebetsversammlung um die Ausgießung des Heiligen Geistes", erfolgte die erste lockere Versammlung auf dem Landsitz Drummonds. Stewarts Flugblatt wurde jahrelang im ganzen Land, in einer Auflage von 322.000 Exemplaren verbreitet. Er mahnte darin alle Gläubigen Christen eindringlich zu dem Gebet, Gott möge seinen Heiligen Geist, wie es so vielfach in der Heiligen Schrift verheißen sei, wieder geben wie am Anfang. Dieser Aufforderung wurde nicht nur in England und Schottland, sondern auch in Deutschland entsprochen. Auch die erste Versammlung in Albury ist auf diesem Hintergrund zu sehen.

Gebetsversammlungen in Folge des Flugblattes

Auf dem Landsitz des englischen Parlamentsmitglieds Henry Drummond, der Groß-Sheriff der Grafschaft war, versammelten sich etwa 50 Personen verschiedener kirchlicher Richtungen, Geistliche und sehr gebildete Laien, um die prophetischen Bücher der Heiligen Schrift gemeinsam zu durchforschen und dabei den Aufschlüssen nachzugehen, welche die französische Revolution gebracht zu haben schien. Sie besprachen sich u. a. über die Zeichen der Zeit, die geistliche Zukunft und den zweiten Advent des Herrn. Anfänglich nahmen nur Mitglieder der englischen Staatskirche teil.

Konferenzen

In drei mehrstündigen Versammlungen pro Tag referierte jeweils am Morgen ein Teilnehmer anhand der Urtexte über das gestellte Thema. Dann folgte eine zweistündige Meditation, um in der am Nachmittag folgenden vier- bis fünfstündigen Versammlung nicht nur die eigene Meinung, sondern auch einen vor Gott geprüften Standpunkt zu vertreten. Der Versammlungsleiter Hugh McNeile forderte jeden einzelnen Teilnehmer zum Kommentar auf. In einer Abendversammlung fasste ein Geistlicher dann die gewonnenen Ergebnisse zusammen, bevor mit Gebet und Gesang der Tag abgeschlossen wurde.

1. Konferenz - Advent 1826

Albury-Konferenz im Jahr 1826

Themen der Konferenzen

  • 1. Die Lehre der heiligen Schrift über die „Zeiten der Heiden“ (Luk. 21,24; Röm. 11,25) und über den Zweck und Ausgang der gegenwärtigen Haushaltung Gottes.
  • 2. Die praktische Bedeutung jener „Zeiten der Heiden“ usw. für die Kirche.
  • 3. Die biblische Lehre über den gegenwärtigen und künftigen Zustand der Juden.
  • 4. Die hieraus für das Verhalten der Kirche sich ergebenden Pflichten.
  • 5. Die Schriftlehre über die zweite Ankunft des Herrn Jesu Christi.
  • 6. Die Pflichten, welche der Kirche aus der Rücksicht auf die Wiederkunft Christi erwachsen.
  • 7. Die systematische Anordnung und die Chronologie der prophetischen Schriften.
  • 8. Was ist uns über die Reihenfolge der mit der Wiederkunft Christi zusammenhängenden Ereignisse geoffenbart?
  • 9. Was insonderheit über den großen Schlachttag des allmächtigen Gottes: Harmagedon; und durch welche historische Ereignisse derselbe vorgebildet sei?
  • 10. Was ist über die Art der Wiederherstellung der zwei und der zehn Stämme geoffenbart?
  • 11. Was über die Zustände der Kirche in dieser Weltzeit?
  • 12. Die Vorbilder, in denen der Gottmensch nach Seinen beiden Ständen der Erniedrigung und der Herrlichkeit beschrieben ist.
  • 13. Die praktische Pflicht derjenigen, die auf die Erscheinung des Herrn warten.
  • 14. Welches Licht über den noch unerfüllten Teil des Ratschlusses Gottes empfangen wir aus den Offenbarungen vor dem Gesetz?
  • 15. Welches aus dem Mosaischen Gesetze selbst?
  • 16. Welches aus den geschichtlichen Begebenheiten des jüdischen Volkes?
  • 17. Welches endlich aus den Evangelien und Episteln des neuen Testaments?
  • 18. Über die „Zeichen der Zeiten“.

2. Konferenz - 1827

Auf dieser Konferenz wurden 7 Hauptpunkte besprochen und zwar:

  • 1. Die Lehre der Heiligen Schrift über „die Zeiten der Heiden“
  • 2. Die Pflichten der Diener gegenüber den Kirchen aus den Heiden
  • 3. Die Zukunft der Juden
  • 4. Unser Verhältnis zu den Juden
  • 5. Das System der prophetischen Visionen und die Zahlen aus den Propheten Daniel und der Offenbarung St. Johannes
  • 6. Die Lehre der Schrift über den zweiten Advent
  • 7. Die diesbezüglichen Pflichten der Kirche

Gespräche über die Weissagung

Die gewonnenen Erkenntnisse der Albury-Konferenz wurden erstmalig in einem Buch veröffentlicht, das die Bezeichnung „Gespräche über Weissagung" trug. Die Kernbotschaft dieses Buches ist, dass es "uns Einblick in die von christlichen Menschen gewonnenen Erkenntnisse gibt, die erlangt wurden, bevor eine Wiederbelebung des Wortes der Weissagung stattgefunden hatte und bevor Apostel als solche gekennzeichnet worden waren."

3. Konferenz - 1828

1828, wiederum in der Adventszeit, begann die dritte Albury-Konferenz und wurde der zweite Band der „Gespräche über Weissagung" herausgegeben. Diese Zusammenkunft dauerte acht Tage und wurde im Hause des Herrn Drummond in Albury-Park gehalten. Die Leitung hatte der Kirchenspielpfarrer Hugh McNeile. Ergebnis jener dritten Konferenz war die Erkenntnis, dass die geistlichen Gaben nicht etwa aufgehört haben, weil sie nicht mehr notwendig waren, sondern dass die Ursache dieses Aufhörens in einem Mangel an Glauben, an warmem und lebendigem Glauben, zu suchen war.

4. Konferenz - 1829

Im Dezember (Advent) 1829 kam die Albury-Konferenz zu ihrer vierten Versammlung zusammen. Sie forderte zur Fürbitte für die Kirche, zur Befreiung aus ihrem babylonischen Zustand auf.

5. Konferenz - Juli 1830

Im Juli 1830 wurde die letzte der Albury-Konferenzen abgehalten. In dieser fünften und letzten Konferenz wurde durch den Sprecher McNeile als Vorsitzenden eine Resolution angenommen. Der Inhalt jener Resolution war, dass es eine Pflicht sei, immerfort um die Wiederbelebung der Gaben, die in der ersten Christenheit gesehen wurden, zu bitten; nämlich um Weisheit, Erkenntnis, Glaube, Heilungen, Wunder, Weissagung, Unterscheidung der Geister, Zungen und Auslegung der Zungen. In ihrer Schlusssitzung wurde über die gegenwärtige Lage der ganzen Kirche verhandelt. Insbesondere widmete man sich aber einzelnen, "besonderen Vorkommnissen" in England und Schottland, u. a. wurde auch ein ausführlicher Bericht über die vor kurzem in Westschottland lautgewordenen Geistesgaben erstattet. In diesem Zusammenhang wurde der von Stewart angeregten Gebetsübungen um eine verstärkte Ergießung des Heiligen Geistes erneut gewürdigt.

Ausformulierte Thesen der letzten Albury-Konferenz - Gesamtergebnis

Die Albury-Konferenzen endeten mit der folgt zitierten Erklärung, welche u. a. durch Hugh McNeile, ausformuliert wurden:

  • 1. Dass es aufgrund unserer bisherigen Erfolge um so mehr Pflicht sei, nach dem Sinne des Herrn, wie Er ihn in Seinem Worte geoffenbart hat, zu forschen.
  • 2. Dass wir uns wegen des herabgekommenen Zustandes der ganzen Kirche vor Gott zu demütigen haben.
  • 3. Dass wir insonderheit für die Geistlichkeit zu beten und die Sünden unserer Brüder zu bekennen, dann aber auch offen gegen die kirchlichen Missbräuche in diesen Ländern zu zeugen haben, wie namentlich gegen die Predigt notorisch falscher Lehre unter der Konnivenz der Bischöfe; gegen die Verbindungen mit Socinianern und anderen Irrlehrern zu angeblich christlichen Liebeswerken u. dergl.
  • 4. Es ist ferner unsere Pflicht, für die Wiedererweckung der Gaben zu beten, welche die erste Kirche besaß, als da sind: Weisheit, Erkenntnis, Glaube, Heilungen, Wunderkräfte, Weissagung, Geisterunterscheidung, mancherlei Zungen und Auslegung der Zungen (1 Kor. 12).
  • 5. Weiter wird anerkannt, dass wir im Gewissen gebunden sind, über die berichtetermaßen im Westen von Schottland vorhandenen Geistesgaben gründliche Nachforschungen anzustellen.
  • 6. Auch dass wir zur Unterstützung der Geistlichen verpflichtet sind, die wie Campbell, Maclean u. a. m. wegen ihres treuen Zeugnisses angegriffen und in ihren Ämtern gefährdet sind.
  • 7. Dass insbesondere Herr Irving, der in der letzten Zeit wegen seines Zeugnisses zu einer Zielscheibe für die Ungläubigen und Spötter geworden ist, den kräftigsten Beistand aller Gläubigen verdiene.

Auswirkungen und Folgen

Der Albury-Kreis diskutierte die Berichte über die Ereignisse in Schottland. Drummond und einige andere sahen durch Weissagung bestätigt, was sie durch ihr Schriftstudium erschlossen hatten. Andere hielten die Geschehnisse für Lügenwunder, mit denen der Teufel die Geister verwirren wollte.

Wie waren die Berichte über Krankenheilungen in Schottland zu bewerten? Darüber zerstritten sich die ehemaligen Mitstreiter: Henry Drummond, der Gastgeber der Albury-Konferenzen, betete für weitere Geistesgaben. Hugh McNeile, der Ortspfarrer von Albury, schwenkte hingegen bald auf einen Gegenkurs ein.

An der Deutung der Geistesgaben zerbrach der Albury-Kreis. Die Zusammenkünfte wurden eingestellt.

siehe auch

Literatur

  • Lexikon Katholisch-Apostolische Gemeinden, Stichwort: Albury-Konferenzen, Berlin 1984